Wiener Kindergarten "überfallsartig" geschlossen

    13. Juli 2018, 17:41
    314 Postings

    Betreiber drehte "Spatzennest" binnen zwei Tagen zu, 72 Kindern fehlt Tagesbetreuung

    Wien – Bis Ende vergangener Woche besuchten 72 Kinder den deutsch- und englischsprachigen Internationalen Privatkindergarten Spatzennest in der Mariahilfer Straße in Wien-Neubau – ab Montag müssen ihre Eltern in Sachen Kindertagesbetreuung improvisieren.

    Die 1987 eröffnete Einrichtung schließt ihre Pforten: eine weitere Kindergartensperre ohne Vorlaufzeit, wie sie in der Bundeshauptstadt in den vergangenen Jahren mehrmals stattfand.

    Zettel in die Hand gedrückt

    Am Mittwoch sei der Kindergartenbetreiber Daniel K. aufgetaucht und habe den Angestellten wortlos einen Stapel Zettel in die Hand gedrückt, war vor Ort zu erfahren. Die Zettel liegen nun im Kindergarten auf: "Aufgrund behördlicher Aufträge und Auflagen sind wir gezwungen, den Betrieb des Kindergartens kurzfristig einzustellen", steht darauf.

    "Mich trifft das völlig überraschend, ja überfallsartig", schilderte eine betroffene Mutter dem Standard inmitten eines Chaos aus ratlosen Eltern, irritierten Kindern und verzweifelten Angestellten: Mehrere Spatzennest-Mitarbeiter wurden erst vor wenigen Wochen eingestellt und besitzen keinen Arbeitsvertrag.

    Starke Fluktuation der Belegschaft

    Die "starke Fluktuation" in der Spatzennest-Belegschaft war laut Herta Staffa von der Wiener Magistratsabteilung 11, der die Qualitätskontrolle in den Kindergärten obliegt, denn auch ein seit Jahren schwelender Konfliktpunkt zwischen Stadt und Betreiber.

    Ebenso das Auftreten der Seniorchefin, die die Leitung zwar ihrem Sohn übertragen habe, aber dennoch immer wieder durch harsches Vorgehen gegen Kinder und Eltern aufgefallen sei. Der Juniorchef, der in Wien auch einen Rohrreinigungs- und Abflussdienst betreibt, war am Freitag für den STANDARD nicht erreichbar.

    Förderung der Stadt endete

    Auslöser für das plötzliche Zudrehen des Kindergartens dürfte das Ende der finanziellen Zuschüsse durch die Stadt gewesen sein. Seit 2009 habe das Spatzennest – das mit zwei Kindergärten gleichen Namens in anderen Bezirken nichts zu tun hat – monatlich 18.000 Euro Förderung erhalten, schildert eine Sprecherin der zuständigen MA 10: "Das Spatzennest konnte die Vorgaben des Wiener Bildungsplans nicht erfüllen. Wir haben den Fördervertrag mit Juli aufgelöst", sagt sie.

    Die Schließungsfolgen versuchte am Freitag der Neubauer Bezirkschef Markus Reiter (Grüne) in den Griff zu bekommen. Er bot den Eltern an, im Bezirk nach freien Kindergartenplätzen zu suchen, und kritisierte die Stadt, die niemand vor Ort geschickt hatte. (Irene Brickner, 13.7.2018)

    • Den Privatkindergarten gab es seit 31 Jahren.
      foto: brickner

      Den Privatkindergarten gab es seit 31 Jahren.

    Share if you care.