Warum ältere Menschen oft Opfer von Betrug und Abzocke werden

    14. Juli 2018, 13:00
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    Eine Betrügergruppe hat es aktuell im Großraum Wien vor allem auf alleinstehende, ältere Frauen abgesehen

    Wien – Seit Wochen erbeutet eine Betrügergruppe mit einem perfiden Trick im Großraum Wien jede Menge Geld: Am Telefon gibt sie sich als Polizei aus und teilt den Angerufenen mit, ein Familienmitglied habe einen schweren Autounfall verursacht. Damit ihm eine Haftstrafe erspart bleibe, müsse eine Kaution bezahlt werden.

    Mittlerweile sind der Polizei mehr als 100 solcher Fälle bekannt. In den meisten blieb es beim Betrugsversuch – die Angerufenen legten auf. Sieben Opfer händigten den Tätern allerdings hohe Geldsummen oder Wertgegenstände aus. Der Gesamtschaden liege laut Polizei aktuell bei 420.000 Euro.

    Wann die Alarmglocken läuten sollten

    Die Täter dürften bei der Auswahl ihrer Opfer vor allem nach älteren Menschen suchen. Es handle sich außerdem großteils um alleinstehende Frauen. Auch bei anderen Fällen von Trickbetrug sind die Opfer häufig ältere Menschen. Sind sie anfälliger dafür?

    Laut Heinz Schöffl ist das so. Er sitzt als Berater in der Abteilung Konsumentenpolitik der Wiener Arbeiterkammer häufig Älteren gegenüber, die in gutem Glauben Angebote annahmen, die schlussendlich doch nicht so toll waren, wie versprochen wurde.

    "Überall, wo es heißt es gibt Geschenke sollten die Alarmglocken läuten. Für viele ältere Menschen wirkt das aber wie eine Einstiegsdroge", sagt der Experte. Die Gratiskaffeefahrt, auf der man dann zu allerlei Käufen überredet wird, sei beispielsweise ein alter Hut. "Natürlich sind die Veranstalter dementsprechend psychologisch geschult und schaffen es oft, zu Käufen oder Verträgen zu überreden." Er staune immer wieder, was sich Leute alles einreden ließen.

    Wenn Schwächen ausgenützt werden

    Geklappt hat das beispielsweise bei Jusuf Zecic. Bei einem Einkauf im Supermarkt wurde der 70-Jährige von Promotoren eines Energieanbieters angesprochen. Sie hätten ihm einen günstigeren Vertrag in Aussicht gestellt und vorgerechnet, wie viel Geld er sich pro Jahr sparen könne. Der gebürtige Bosnier freute sich und unterschrieb auf der Stelle. Nun, Monate später, weiß er, dass es nicht so kam. Zecic zahlt deutlich mehr für Strom und Gas pro Monat. Für einen Rücktritt war es nach der ersten Abrechnung aber zu spät.

    "Mein Vater hat nicht verstanden, was er da unterschrieb. Er hört nicht mehr gut und spricht kein einwandfreies Deutsch", sagt sein Sohn. Den beiden Mitarbeitern hätte das auffallen müssen, meint er. "Es ist ärgerlich. Aber nun wird mein Vater nichts mehr unterschreiben, ohne es mit uns zu besprechen."

    Natürlich: Betrug ist das keiner. Aber es könne durchaus vorkommen, dass Schwächen älterer Menschen ausgenutzt werden und diese schlussendlich draufzahlen, sagt Schöffl. Dass die Verwandtschaft darauf achtet, was ältere Personen kaufen oder unterzeichnen, sei wichtig. "Ohne irgendeinen Grund gibt es heute gar nichts gratis."

    Im Fall der Kautions-Betrüger rät die Polizei dazu, solche Anrufe sofort zu beenden und den Betrugsversuch danach anzuzeigen. Richtige Polizeibeamte würden sich nie telefonisch melden. (lhag, 14.7.2018)

    • Ältere Menschen werden häufig Opfer von Betrug oder Abzocke. Gelockt wird mit vermeintlichen Geschenken, körperliche Beeinträchtigungen werden ignoriert und soziale Isolation ausgenutzt. Ein wachsames Auge der Verwandtschaft kann helfen. Oder das Wissen, "dass es heute ohne irgendeinen Grund gar nichts gratis gibt", sagt ein Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Wien.
      foto: apa/barbara gindl

      Ältere Menschen werden häufig Opfer von Betrug oder Abzocke. Gelockt wird mit vermeintlichen Geschenken, körperliche Beeinträchtigungen werden ignoriert und soziale Isolation ausgenutzt. Ein wachsames Auge der Verwandtschaft kann helfen. Oder das Wissen, "dass es heute ohne irgendeinen Grund gar nichts gratis gibt", sagt ein Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Wien.

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