Schwarze im Dirndl: Facebook löschte Posting über Alltagsrassismus in Österreich

    15. Juli 2018, 10:11
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    25-jährige Bayerin erzählte von ihren Erlebnissen als Dunkelhäutige im Dirndl auf einem Weinfest in Niederösterreich

    Die 25-jährige Bayerin Imoan Kinshasa* besuchte kürzlich ein Weinfest in Niederösterreich. Was ihr dort widerfuhr, machte die dunkelhäutige Frau auf Facebook öffentlich. So wurde sie dort von den Gästen wegen ihres Dirndls ausgelacht, von Jugendlichen fotografiert und als "Neger im Dirndl" bezeichnet. Das Posting der Bayerin, die seit zehn Jahren in Österreich wohnt, bekam viel Aufmerksamkeit, wurde nach kurzer Zeit dann aber von Facebook entfernt.

    Facebook-Profil gesperrt

    Konkret soll sie aufgrund der Benutzung des N-Worts gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen haben – ihr Beitrag soll "Hate-Speech", also Hassrede sein. Zuvor wies das Posting fast 12.000 Likes, 4.000 Kommentare und 5.000 Shares auf. Viele unterstützten die Frau nach den Geschehnissen. Nachdem der Beitrag aber gemeldet und entfernt wurde, wurde auch das Profil der 25-Jährigen für einen Tag gesperrt.

    "DAS ist meine Kultur"

    Gegenüber dem Medium "Die Wienerin" sagte Kinshasa, dass sie als Kind Ministrantin und Mitglied von Trachen- und Sportverein gewesen war. Aufgewachsen ist sie am Chiemsee. Trotzdem wurde sie auf dem Fest wie "eine Aussätzige" behandelt, wie sie selbst schreibt. "Was habe ich getan? DAS ist meine Kultur. Ich kenne nur Bayern und Österreich. Lederhosen und Bier. Ich fühle mich meiner selbst beraubt. Für diese Leute ist ein "Neger in Tracht" eine Karikatur, für den ein oder anderen gar eine Beleidigung", fügte sie auf Facebook hinzu.

    HC Strache und Seehofer

    "Wenn die Politik von oben Rassismus legitimiert, dann gibt das den falschen Leuten ein Signal, dass sie ihren Hass offen ausleben können", erklärte die 25-Jährige dem Medium auch die Erwähnung von HC Strache und Horst Seehofer in ihrem Posting. Auf ihrem persönlichen Blog berichtet die junge Frau unterdessen, dass sie erneut für drei Tage auf Facebook gesperrt wurde. Das soziale Netzwerk begründet die Sperre damit, dass sie kürzlich etwas gepostet hat, was gegen die Richtlinien verstoßen hatte.

    Bürgermeister entschuldigt sich

    Wie die Wienerin berichtet, hat sich auch Andreas Babler, der Bürgermeister von Traiskirchen, bei der Frau entschuldigt. Er lädt sie auch zu einem gemeinsamen Heurigen-Abend ein. "Ich meine das gar nicht als Wiedergutmachung – wie ließen sich deine Erlebnisse wieder gut machen? Es liegt mir wirklich daran, dir "meine" Stadt zu zeigen", fügte der SPÖ-Politiker hinzu. (dk, 13.07.2018)

    Das gesamte Posting der Frau

    Mein Lachen täuscht.Wir haben spontan beschlossen mit unseren Nachbarn auf das Weinfest in Traiskirchen zu fahren.Voll motiviert haben wir Mädels uns in die Tracht geworfen. Ich habe mich wunderschön und stark gefühlt, als ich heimkam war ich den Tränen nahe.Als gebürtige Bayerin trage ich immer schon Dirndl. Besonders stolz war ich, weil meine Oma einige Kleider selbst genäht hat (Luxus!!!). Im Trachtenverein war ich der Star, eh klar, "ma wia liab" und 927272 Fotos mit Touristen waren Standard.

    Standesgemäß sind wir mit der Badener Bahn angereist. Als wir in Traiskirchen aussteigen kommen wir keine 10 Meter ohne den ersten rassistischen Vorfall. "Jetzt hab ich alles gesehen, ein N*ger im Dirndl, das kann ich jetzt abhaken". Eine Gruppe von 16-17 jährigem Jungs. Als ich sie angefahren bin ob sie ein Foto zwecks Glaubwürdigkeit wollen, stammeln sie Entschuldigung und rennen peinlich berührt an uns vorbei.

    Beim Fest angekommen. Alle Augen sind auf uns gerichtet. Nein auf MICH! Ich höre die Leute reden. "Eine schwarze im Dirndl!". Augenpaare blicken mich verwirrt, böse oder belustigt an. An den Nachbartischen wird geredet und gestarrt. Wir holen essen, nein auch da keine 2 Minuten Ruhe. Ich kann keinen Schritt machen ohne das Gerede und Gelächter zu hören.

    Ich fühle mich wie eine Aussätzige. Beobachtet und exponiert. Ja ich weiß, einige haben sich sicherlich gedacht wie hübsch ich heute aussehe. Ich habe mich gefühlt wie ein Alien, als wäre ich hier verboten. Ich resigniere und schaffe es bis zum Heimgehen nicht auszurasten. In mir kocht es, ich will mit meinen Freunden einfach nur einen feinen Abend haben.

    Eine Dame auf der Toilette, erfahre ich später, freute sich über den Anblick meiner blonden Freundin in Lederhosen, aber als sie mich sah wurde ihr wohlwollender Omablick eiskalt.

    Was habe ich getan? DAS ist meine Kultur. Ich kenne nur Bayern und Österreich. Lederhosen und Bier. Ich fühle ich mich meiner selbst beraubt. Für diese Leute ist ein "N*ger in Tracht" eine Karikatur, für den ein oder anderen gar eine Beleidigung. Am liebsten möchte ich gar nichts mehr damit zu tun haben, ich schäme mich für Seehofer und Söder, wo ist eure gmiadlicheid zefix?

    Ihr zwingt jeden Menschen mit klarem Verstand quasi dazu diese "Leitkultur" abzulehnen. Ich für meinen Teil bin tief verletzt und werde in Zukunft gezielt auf Veranstaltungen gehen wo wir mit weniger Anfeindung zu rechnen haben. Ich fühle mich ausgeschlossen und eingeschränkt. Strache und Co haben recht, es gibt No-Go Areas, für mich Mittlerweile definitiv. Am liebsten würde ich mir die Decke über den Kopf ziehen, mich verstecken und nicht mehr raus gehen.

    Dieser antrainierte Hass zerfrisst mich innerlich....

    Links

    Blog von Imoan Kinshasa

    Interview mit "Die Wienerin"

    *Imoan Kinshasa ist nur ein Alias.

    • Ein Posting über Alltagsrassismus in Österreich von einer jungen Bayerin machte auf Facebook die Runde. Das soziale Netzwerk löschte den Beitrag allerdings, weil es gegen die Gemeinschaftsrichtlinien verstoßen soll.
      foto: screenshot/wienerin

      Ein Posting über Alltagsrassismus in Österreich von einer jungen Bayerin machte auf Facebook die Runde. Das soziale Netzwerk löschte den Beitrag allerdings, weil es gegen die Gemeinschaftsrichtlinien verstoßen soll.

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