Großer Kormoran liefert nach Aussterben eine letzte Überraschung

    13. Juli 2018, 15:10
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    Brillenkormorane kannte man nur von der Beringinsel, doch die dürfte bloß ihr letztes Refugium gewesen sein

    Kyoto – Vorsicht, die Menschen kommen: Einigen hoch im Norden gelegenen Inseln ist erst relativ spät widerfahren, was sich auf den größeren Landmassen schon viel früher abgespielt hat – dafür ging es dann umso schneller. Eine ganze Reihe recht imposanter Tierarten ist erst im 18. Jahrhundert von Forschern beschrieben worden und war im 19. auch schon ausgerottet. Für Seeleute waren die Inselspezies eine willkommene Gelegenheit, die Kombüsen aufzufüllen.

    Im Nordatlantik widerfuhr dies beispielsweise dem über 80 Zentimeter großen Riesenalk, einem flugunfähigen Vogel, der auch als "Pinguin der Nordhalbkugel" bezeichnet wurde. Im Nordpazifik wiederum ging es unter anderem zwei Spezies an den Kragen, die der deutsche Naturwissenschafter Georg Wilhelm Steller entdeckt hatte: der Stellerschen Seekuh und dem Brillenkormoran.

    illustration: john gerrard keulemans
    Historische Darstellung eines Brillenkormorans. Damals (1907) war die Spezies bereits ausgerottet.

    Beide Arten lebten im Raum der Beringinsel, und beide waren die Giganten innerhalb ihrer Verwandtschaft: Stellers Seekuh wurde bis zu acht Meter lang und zehn Tonnen schwer – ihr nächster heute noch lebender Verwandter erreicht nicht einmal eine Tonne. Der Brillenkormoran (Phalacrocorax perspicillatus) brachte es immerhin auf über sechs Kilogramm, mehr als doppelt so viel wie die Tiere, über die sich heutige Fischer als angebliche Nahrungskonkurrenz beschweren.

    Von einer überraschenden Entdeckung berichten nun japanische Forscher im Fachjournal "The Auk Ornithological Advances": In prähistorischer Zeit soll der Brillenkormoran noch viel weiter südlich vorgekommen sein, nämlich auf den japanischen Inseln. Das zeigen knapp 120.000 Jahre alte Knochenfunde aus der Präfektur Aomori. Davon hatte man bisher nichts geahnt.

    Der Fund weist darauf hin, dass die Bestände auf der Beringinsel nur der letzte Restposten einer Art gewesen sein dürften, die – von Klimaveränderungen, menschlichen Jägern oder beidem – immer weiter nach Norden getrieben worden war. Ein vergleichbarer Prozess hatte auch Stellers Seekuh auf einen letzten Posten im Norden zurückgedrängt, bis es nicht mehr weiter ging und die allerletzten Vertreter ihrer Art abgeschlachtet wurden. (jdo, 13. 7. 2018)

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