Umfrage: Ein Drittel sieht Mütter mit kleinen Kindern in Hausfrauenrolle

    16. Juli 2018, 11:24
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    Die Mehrheit der BritInnen lehnt die traditionelle Rollenverteilung zwischen Hausfrau und Familienernährer ab – außer die Frau ist junge Mutter

    London – Wie sieht die Rolle der Frau in Großbritannien aus? Aktuellen Befunden zufolge gilt das traditionell bürgerliche Familienmodell, in dem die Frau den Haushalt schmeißt und der Mann den Lebensunterhalt sichert, für die meisten als rückständig. Ist die Frau aber auch junge Mutter, scheint zumindest ein Viertel diese Einstellung noch einmal zu überdenken.

    Das geht aus einer Befragung des National Center for Social Research von rund 4.000 Britinnen und Briten hervor. Das unabhängige Forschungsinstitut untersuchte dazu die sozialen Einstellungen der BürgerInnen. Knapp drei Viertel der Befragten äußerten dabei ihre Ablehnung gegenüber dem alten Familienmodell.

    Großes Aber

    Diese Ablehnung verwandle sich zumindest bei einigen prompt in Zustimmung, sobald Kinder das Licht der Welt erblicken: Immerhin ein Drittel der Befragten denken, dass Frauen mit Kindern unter fünf Jahren die Rolle der Hausfrau und Mutter einnehmen und sich in dieser Zeit von der Arbeitswelt verabschieden sollten. 38 Prozent sagten hingegen, sie sollten Teilzeit arbeiten und nur sieben Prozent meinten, eine Frau mit Kind sollte Vollzeit beschäftigt sein.

    "Offensichtlich hat die Gesellschaft ein Problem mit Frauen, die gleichzeitig ihrer Rolle als Mutter und einer beruflichen Tätigkeit nachgehen", sagt Wanda Wyporska, Geschäftsführerin der Equality Trust Organisation. Es bestehe eine Diskrepanz zwischen den öffentlichen Meinungen der Menschen und der Realität: Einerseits wünscht man sich eine modernere Rollenverteilung, auf der anderen Seite klammern sich einige immer noch an das traditionelle Familienmodell.

    Politische Auswirkungen

    Die Studie legt nahe, dass die Aufrechterhaltung der Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau durch solche Ansichten begünstigt wird. In Großbritannien ist der Gender-Pay-Gap mit 18,4 Prozent zwar so gering wie nie, stellt aber dennoch ein fortwährendes Problem dar.

    Zum Vergleich: In Österreich verdienen unselbstständig tätige Frauen im Schnitt 37,5 Prozent weniger als ihre männliche Vergleichsgruppe (unter Berücksichtigung struktureller Unterschiede, wie Teilzeitarbeit und Berufswahl). Die Gehaltsschere ist damit mehr als doppelt so weit geöffnet wie in Großbritannien. Trotz des Verbots sexueller Diskriminierung in den 1970er-Jahren und eines 2017 verabschiedeten Gesetzes, das größere britische Unternehmen dazu verpflichtet, ungleiche Lohnverteilungen zu melden, klaffen die Gehälter aber auch dort weiterhin auseinander. (red, 16.7.2018)

    • Ansichten zu traditionellen Genderrollen in Großbritannien 1984–2017.
      foto: natcen social research

      Ansichten zu traditionellen Genderrollen in Großbritannien 1984–2017.

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      Eine junge Mutter liest ihrem Kind vor.

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