Spitalsabteilung in Wien wegen Ärztemangels gesperrt

    14. Juli 2018, 15:41
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    Die Toxikologie im Wilhelminenspital ist die einzige auf schwer vergiftete Patienten spezialisierte Intensivstation Österreichs. Sie muss für acht Tage gesperrt werden

    Wien – Dass Spitalsabteilungen in Wien vorübergehend gesperrt werden, kommt immer wieder vor. Schließlich müssen diese auch gewartet und auf den neuesten Stand gebracht werden. Im Sommer kommt es in Krankenhäusern zudem auch wegen der geringeren Zahl an geplanten großen Operationen zu Intensivbettenreduktionen.

    Die Schließungen von Abteilungen oder Bettensperren sind aber normalerweise von langer Hand geplant. Zudem gibt es einen Managementplan, dass wegen vorübergehender Sperren nicht zu viele Betten auf einmal wegfallen – oder diese zeitgerecht als Ersatz auf anderen Stationen reserviert werden.

    Das ist bei der kurzfristigen Sperre der toxikologischen Intensivstation im Wilhelminenspital ab kommender Woche für acht Tage nicht der Fall. Nach Informationen des STANDARD wird die Schließung der Station der Abteilung für Anästhesie, Intensiv- und Schmerzmedizin mit Ambulanz wegen Ärztemangels begründet. Ein entsprechendes Ansuchen der Abteilung für Anästhesie soll an die ärztliche Direktion des Krankenhauses gestellt und danach an die Generaldirektion des Krankenanstaltenverbunds (KAV) weitergeleitet worden sein. Damit würde erstmals offiziell eine Spitalsabteilung in Wien wegen Ärztemangels vorübergehend schließen müssen.

    Gründung vor 41 Jahren

    Dazu kommt, dass die Toxikologie im Wilhelminenspital im Pavillon 16 laut KAV die derzeit einzige auf die Behandlung von akut schwer vergifteten Patienten spezialisierte Intensivstation Österreichs ist. Die Station besteht seit 41 Jahren, hier wird um das Leben von schwer vergifteten Patienten gekämpft. Viele werden als Folge einer schweren Alkoholvergiftung, wegen Medikamenten- oder sonstigen schweren Drogenmissbrauchs eingeliefert. Oft spielen Suizidversuche eine Rolle: Patienten, die an Depressionen leiden, werden laut KAV in der Folge dann auch in Zusammenarbeit mit einem psychiatrischen Liaisondienst betreut.

    Gegründet wurde die Station als Aufwachstation für alkoholisierte Personen, schrittweise wurde sie dann zu einer vollwertigen Intensivstation ausgebaut. Bis zu 800 Patienten werden pro Jahr behandelt, sechs Betten stehen derzeit zur Verfügung.

    KAV sieht Versorgung aufrecht

    Für den KAV bleibt trotz der Sperre die toxikologische Versorgung im Wilhelminenspital "in vollem Umfang aufrecht". Spezielle Gegenmittel gegen Gifte würden "auf die anderen beiden Intensivstationen verlagert", heißt es gegenüber dem STANDARD. "Für die Patienten ändert sich nichts." Auf Nachfrage, ob die Sperre einen Ärztemangel als Hintergrund hat, erfolgt keine Antwort.

    Eine weitere temporäre Sperre der toxikologischen Intensivstation steht laut Plan bereits fest: Ende Oktober wird die Station wegen technischer Wartungsarbeiten für eine Woche zugesperrt. Um diese "problemlos durchführen zu können, ist eine umfassende Vorbereitung erforderlich, die bei laufendem Patientenbetrieb nicht durchgeführt werden kann", heißt es laut Spitalsträger, der damit die kurzfristige aktuelle Sperre begründet.

    Kritik am KAV übte am Freitag erneut die Wiener ÖVP, die auf "neue Gangbettenvorfälle etwa im Wilhelminenspital" verwies. Das Problem der Gangbetten soll sich "vor allem im August nochmals verschlimmern", wegen fehlender Planungen würden zudem "noch mehr Stationen in den Spitälern geschlossen".

    Für SPÖ-Gemeinderat Kurt Wagner ist die "Gangbettenpanikmache unangebracht". Der KAV habe bereits eine Reihe von Maßnahmen gesetzt, um die Anzahl der Gangbetten gegen null zu reduzieren. (David Krutzler, 13.7.2018)

    Stellungnahme des ärztlichen Direktors des Wilhelminenspitals:

    Sowohl die Personalsituation im Wilhelminenspital als auch die Anzahl der verfügbaren Betten lassen es zu, einen kurzfristigen Ausfall von sechs Betten zu kompensieren. An den Intensivstationen der Abteilung für Anästhesiologie, Intensiv- und Schmerzmedizin steht ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung – an der Abteilung sind 55 Vollzeitäquivalente mit Ärzten besetzt.

    "Innerhalb einer derart großen Abteilung kann ein Ausfall von sechs Betten ohne Leistungseinschränkungen kompensiert werden – im konkreten Fall übernehmen die Partnerstationen. Entscheidend ist: Die Leistung eines Spitals definiert sich über die Versorgung seiner PatientInnen, nicht über die Anzahl der Betten" sagt Stefan Dorner, ärztlicher Direktor des Wilhelminenspitals, in einer Aussendung. Sperren in Spitälern sind in regelmäßigen Abständen erforderlich Grundsätzlich kommt es in den Sommermonaten immer wieder zu akkordierten Sperren von Betten, so Dorner.

    • Laut Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) bleibt die toxikologische Versorgung im Wilhelminenspital trotz der kurzfristigen temporären Sperre aufrecht.
      foto: robert newald

      Laut Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) bleibt die toxikologische Versorgung im Wilhelminenspital trotz der kurzfristigen temporären Sperre aufrecht.

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