Ford Focus: Das blaue Wunder erleben

    18. Juli 2018, 07:50
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    Ford baut mit dem neuen Focus eine Fahrmaschine für Petrolheads. Wie das mit nur drei Zylindern geht, haben wir herausgefunden

    Nizza – Mutig! So lautete das erste Urteil nach dem Blick ins Roadbook für die Testfahrten. An einem solchen kann man im Grunde schon einen ersten Eindruck davon bekommen, wie überzeugt der Hersteller eines Fahrzeuges von seinem Produkt ist. Autobahnanteil und Länge der vorgeschlagenen Route sind da mehr als nur ein Fingerzeig.

    foto: ford
    Beim Design leistet sich Ford beim Focus keine Schwächen.

    Ford schlägt uns vor, den neuen Focus mehrere Hundert Kilometer im Hinterland von Nizza zu bewegen. Gerade Strecken sind dort ebenso selten wie makelloser Asphalt. Wenn man dazu im Kopf hat, dass der stärkste Motor ein Dreizylinder-Benziner und der Focus weder Sportwagen noch Angeberauto ist, kann man nur zu einem Schluss kommen: mutig!

    foto: ford
    Das neu gezeichnete Heck des Focus.

    Dreizylinder. Genau. Ford bietet für den Focus zwei Benzinmotoren mit je drei Zylindern an, mit einem Liter und eineinhalb Litern Hubraum. Ersterer mit 85, 100 und 125 PS, Letzterer mit 150 und 182 PS Leistung. Der Ladedruck bei Letzterem beträgt fast zwei Bar. Trotzdem sollte die Haltbarkeit bis über 250.000 Kilometer kein Problem sein, versichert Ford.

    foto: ford
    Auch der Innenraum lässt einen nicht mehr herummosern. Hier die ST-Line.

    Mit dem Entfernen eines Zylinders lässt es Ford aber noch nicht bewenden. Sie schalten den ersten auch noch ab, wenn es die Lastanforderung an den Motor erlaubt. Die Zylinderabschaltung spürt man beim Fahren nicht.

    Zwei Dieselmotoren sind ebenfalls im Programm – ein 1,5 Liter, der in Kooperation mit PSA entstand und mit 95 und 120 PS angeboten wird, wie auch ein 2,0 Liter SCR mit 150 PS.

    foto: ford
    Technisch einfach aber optisch schön groß ist das Head-up-Display.

    Alle Motoren arbeiten entweder mit einer 6-Gang-Handschaltung zusammen oder mit einer 8-Gang-Wandlerautomatik, die in Zusammenarbeit mit GM entstand und für jede Motorkombination eigens abgestimmt wurde. Die Automatik bedient man übrigens über ein fesches Drehrad in der Mittelkonsole. Unterm Strich wurde der Wagen durch die kleineren Motoren und kompakteren Getriebe leichter. Berghatzerl-leicht?

    Traum-Fahrwerk

    Am Scheitel der ersten Kurve ist klar: Die Testroute könnte gerne auch länger sein. Das Fahrwerk ist derartig genial abgestimmt, dass sich Ford sogar selbst übertroffen hat und man sich ausmalen kann, wie sich die Fahrwerker bei der Konkurrenz demnächst zornig und resignierend die Federbeine um die Ohren hauen werden.

    foto: ford
    Fährt man dann die ersten Meter, ist man restlos begeistert. Ideales Alltagsauto.

    Die Lenkung ist, obwohl elektromechanisch wie inzwischen jede andere auch, so fein, dass man doch noch an ein gutes Ende des Stromruders glauben mag. Nicht einmal der 182 PS starke Benziner zerrt an der Lenkung, und auch bei ambitioniert angefahrenen Kurven pickt der Focus auf der Straße, dass sich Sportwagenbauer auf die Suche nach dem gleichen mechanischen Grip machen werden. Dabei bleibt zu bezweifeln, dass die Aerodynamik da viel richten mag, wenn der Focus doch den geringsten Luftwiderstand aller Konkurrenten hat.

    foto: ford
    Die hinteren Sitze lassen sich natürlich geteilt umlegen – das ist jetzt nicht die Überraschung. Die findet man, wenn man vergeblich sucht, wo die hinteren Dämpfer in den Laderaum ragen.

    Selbst das Thema der Dreizylinder hat Ford perfekt gelöst. Nein, man muss als Petrolhead mit einem Dreibein keine Freude haben, an diesen Aggregaten gibt es aber absolut nichts auszusetzen. Ja, es gibt räudige und lahme Dreizylinder, die einen bei einer Probefahrt den Neukauf eines besseren Fahrrades andenken lassen – aber nicht bei Ford.

    Nicht zu vergessen:

    So übersieht man fast, dass der Focus nun auf Level 2 autonom fahren kann und ein stattliches Head-up-Display hat, das überm Lenkrad ausfährt. Man vergisst sogar, sich am aufgeräumten Cockpit und der Ausstattungslinien zu begeistern – die sportliche ST-Line ist nicht nur innen sehr gelungen, sondern liegt auch zehn Millimeter tiefer, der Vignale ist richtig edel geworden und hat das Ich-will-aber-kann-nicht-Image abgelegt, und wer unbedingt ein bissel SUV im Focus braucht, greift zum Active, der etwas höher liegt und rundum Plastikplanken hat. Wir indes greifen, wie viele der Ford-Internen auch, abermals zum ST-Line und hetzen noch einmal über die Berge. (Guido Gluschitsch, 18.7.2018)

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    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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