Deutscher Bundestrojaner noch immer nicht fertiggestellt

    13. Juli 2018, 09:55
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    Auskunft über die Anzahl aktuell laufender Einsätze wollte man nicht geben – und auch nicht, welche Firma den aktuell genutzten Trojaner erstellt hat

    Das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) hat in den letzten Jahren einen Bundestrojaner um knapp sechs Millionen Euro entwickelt, der, wie sich nun herausstellt, nur dazu fähig ist, laufende Telekommunikation zu überwachen. Über die sogenannte Quellen-Telekommunikationsüberwachung wird ermöglicht, Kommunikation zu belauschen, bevor diese verschlüsselt wird. Das berichtet das Tech-Magazin "heise" unter Berufung auf Enthüllungen von netzpolitik.org. Eigentlich soll die fertige Software dazu fähig sein, ein IT-System als Ganzes auszuspähen – also etwa auf verschlüsselte Chats auf Whatsapp, PCs und Smartphones aus der Ferne zuzugreifen.

    Notwendige Zeit und Ressourcen hätten gefehlt

    Jedoch habe das BKA die nicht die notwendige Zeit und Ressourcen gehabt, weswegen noch an einer solchen mächtigeren Variante gearbeitet wird. Diese soll im kommenden Jahr fertiggestellt sein. Dabei wolle man sich, wie der Leiter des Kompetenzzentrums Informationstechnische Überwachung der BKA, Helmut Ujen, im deutschen Innenausschuss des Bundestags versicherte, an die strengen Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts halten.

    Anzahl der Einsätze verschwiegen

    Als eine Art "Übergangslösung" nutze man ein kommerzielles Produkt, welches an die eigenen Vorgaben angepasst worden sei. Das habe "überraschend" länger gedauert, als eine solche Software selbst zu entwickelt. Von wem dieser Bundestrojaner stammt, wollte Ujen aber nicht mitteilen – sehr zur Unmut der Oppositionspolitiker. Auch wollte Ujen nicht verraten, wieviele Einsätze aktuell laufen – das sei nur bei abgeschlossenen Fällen möglich, da es sonst vielleicht möglich sei, darauf zu schließen, um welchen Fall es sich handle. Die Opposition sieht ihre Kontrollrechte beschnitten, die FDP prüft eine Klage.

    Wer die Software herstellt, ist längst klar

    Verwundernd ist die Geheimhaltung des zuständigen Unternehmens, da längst bekannt ist, dass die Software, genannt FinSpy, von der deutschen Firma FinFisher aus München stammt. Das ebenfalls auf Überwachungssoftware spezialisierte Unternehmen DigiTask wurde kürzlich von der Firma Ipoque übernommen, die dem Konzern Rohde & Schwarz gehört, wie heise berichtet. Diese kooperiert bekanntermaßen mit der staatlichen Behörde Zitis, die wiederrum den neuen Bundestrojaner entwickelt. (red, 13.7.2018)

    • Auch in Österreich ist ein Bundestrojaner geplant.
      foto: apa/afp/jack guez

      Auch in Österreich ist ein Bundestrojaner geplant.

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