Starkicker Ronaldo statt Gehaltserhöhung: Protest bei Fiat-Arbeitern

    12. Juli 2018, 18:03
    268 Postings

    Italienische Gewerkschaften drohen wegen des Transfers von Cristiano Ronaldo zu Juventus Turin mit Streik

    Dass Italiens Fußballmeister Juventus Turin Superstar Cristiano Ronaldo verpflichtet hat, sorgt nicht bei allen Fans für Freude. Die Gewerkschaft Unione Sindacale des Fiat-Werks in Melfi, wo der Jeep Renegade und der Fiat 500X vom Band laufen, hat zu einem zweitägigen Streik aufgerufen. Das Geschäft mit Ronaldo sei inakzeptabel. Der Autokonzern Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und der Turiner Fußballklub haben denselben Großaktionär: die Agnelli-Familienholding Exor.

    Ist es legitim, dass Exor hunderte Millionen für einen Fußballer ausgibt und gleichzeitig die FCA Arbeiter auf Sparflamme hält? Seit Jahren sind die Gehälter zahlreicher FCA-Mitarbeiter eingefroren. Die Gewerkschaften werfen Exor-Geschäftsführer John Elkann vor, den Kauf auf Kosten ihrer Gehälter zu finanzieren. Am Dienstag gab Exor bekannt, dass Juventus etwas mehr als 100 Millionen Euro Ablöse für Ronaldo bezahlt hat.

    Angeblich belaufen sich die Gesamtkosten mit Gehalt für Juventus auf bis zu 400 Millionen Euro. Nicht nur in Melfi, auch in anderen Fiat-Werken wird derzeit protestiert. "Fiat kauft um hunderte Millionen Euro einen Fußballstar, und die Arbeitnehmer müssen seit Jahren Opfer bringen", heißt es bei der Unione Sindacale. Die Gewerkschaften befinden sich bereits auf Kriegsfuß, da der neue FCA-Geschäftsplan eine Kürzung der Arbeitsstellen in Italien vorsieht. Befürchtungen, dass neue Einfuhrzölle in den USA zu einer weiteren Verlagerung der Autoproduktion aus Italien führen, sind nicht von der Hand zu weisen.

    Furcht vor Jobabbau

    Auch die Einstellung der Produktion mancher Fiat-Modelle (Fiat Punto, Alfa Mito) dürfte zum Abbau von Jobs führen. Zwar versprach FCA-Chef Sergio Marchionne, die Produktion des Jeeps in wenigen Jahren zu verdoppeln, doch Marchionne ist krank, sein für Frühjahr 2019 vorgesehener Rücktritt könnte vorzeitig erfolgen.

    Eingefädelt hat das Ronaldo-Engagement angeblich Juventus-Präsident Agnelli. Seit vor gut zehn Tagen Gerüchte über den Wechsel bekannt wurden, haben die Juventus-Aktien um 35 Prozent zugelegt. Hoffnungen, dass der Klub in der Saison 2018/19 zum achten Mal in Folge den Meistertitel gewinnt und auch in der Champions League erfolgreich sein wird, beschleunigten den Aktienkurs.

    Drei Millionen CR7-Trikots sollen verkauft werden

    Doch am Donnerstag setzte eine abrupte Trendwende ein, die Kurse gaben bis zu acht Prozent nach. Grund dafür mag sein, dass Juventus seine bisherigen Stars Gonzalo Higuain und Claudio Marchisio abgeben könnte. "Damit hätte sich der Kauf von Ronaldo selbst finanziert", werden die Gewerkschaften beruhigt.

    Die Klubführung hofft, mit Ronaldo an neue Sponsorenverträge zu kommen und mehr Besucher ins Stadion und ins Juve-Museum in Turin locken zu können. Bis zu drei Millionen Trikots mit Ronaldos Nummer 7 sollen dieses Jahr verkauft werden, was Juves Umsätze kräftig steigen lassen könnte. Vor den Juventus-Stores in den italienischen Großstädten bildeten sich bereits Schlangen. "In Italien ist Ronaldo-Manie ausgebrochen", kommentierte der Corriere dello Sport. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 13.7.2018)

    • Der bescheidene Auftritt zählt zu seinen großen Tugenden: Cristiano Ronaldo verlässt Real Madrid, die Ablösesumme soll 104 Millionen Euro betragen haben.
      foto: reuters

      Der bescheidene Auftritt zählt zu seinen großen Tugenden: Cristiano Ronaldo verlässt Real Madrid, die Ablösesumme soll 104 Millionen Euro betragen haben.

    Share if you care.