Kritik an Schultheater im Regierungsauftrag: "Kein Vorurteil ausgelassen"

Video12. Juli 2018, 12:57
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Das Theaterstück über einen guten und einen bösen Flüchtling war von Ex-Innenminister Sobotka in Auftrag gegeben worden. Die Frau eines Darstellers wandte sich an den Bundespräsidenten, Theaterschaffende an Minister

Wien – Zu dem vom damaligen Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) initiierten Schultheaterstück, in dem das Thema Asyl beispielhaft an einem "guten" und einem "bösen" Flüchtling dargestellt wird, gibt es nun offene Briefe von Theaterschaffenden sowie von der Ehefrau eines Darstellers. Es geht dabei um den "Verdacht der Indoktrinationsabsicht" sowie um die Bedingungen, unter denen das Stück zustande kam.

addendum
Die Rechercheplattform "Addendum" zeigt das umstrittene Theaterstück nun in voller Länge.

In aller Kürze erzählt das Stück von zwei Flüchtlingen, einem Syrer und einem "Afrikaner", der eine legal, der andere illegal, der eine mustergültig in den Integrationsbemühungen, der andere radikalisiert, der eine mit positivem Asylbescheid, der andere straffällig. Rundherum werde "kein Klischee, kein Vorurteil, keine Diffamierung ausgelassen", heißt es in einer offenen Anfrage an Bildungsminister Heinz Faßmann und Kulturminister Gernot Blümel (beide ÖVP), die von zahlreichen Theaterschaffenden und Kulturwissenschaftern unterzeichnet wurde.

Unter anderem will man wissen, wie die "Haltungen in diesem Stück mit den Zielen in den Lehrplänen übereinstimmen", warum es nicht zu einer Ausschreibung bzw. zu einer Abstimmung mit den bestehenden Einrichtungen für Jugendtheater gekommen ist und ob weitere derartige Projekte in Planung sind.

Die Botschaft: "Das Boot ist voll"

Darüber hinaus hat sich auch die Ehefrau des Darstellers des "bösen" Flüchtlings, die Afrikanistin Kerstin Agalassinger-Nyalusi, in einem Brief an Bundespräsident Alexander Van der Bellen gewandt. Sie berichtet darin von dem Casting, bei dem Regisseur Edmund Emge erklärt habe, dass das Stück die Botschaft "Das Boot ist voll" an die Schüler vermitteln solle.

Sie selbst halte das Stück "für politisch motiviert, voll von stereotypen Bildern und geschichtlichen Unwahrheiten sowie sexistischen, klischeehaften Rollenbildern und Karikaturen". Wissen möchte sie unter anderem, warum ein Theaterstück an Schulen vom Innenministerium in Auftrag gegeben wird und welche Rolle Bildungs- und Familienministerium dabei spielen und warum am Institut für Afrikawissenschaften "nach 'schwarzen' Amateurschauspielern gesucht, nicht jedoch um Expertenmeinung gebeten" worden sei.

Autor ist "erschüttert"

Zusätzlich stellt sie die Frage nach der Finanzierung und den arbeitsrechtlichen Bedingungen – ihr Mann, der mittlerweile aus dem Projekt ausgestiegen sei, habe jedenfalls nie einen Vertrag unterschrieben. "Welt in Bewegung" nennt sich das Stück, das die Agentur Acting Power im Auftrag des Innenministeriums verfasst hat, um kostenlos an Schulen gezeigt zu werden. Nach scharfer medialer Kritik, die im Wesentlichen auf Bekanntwerden des Textbuches basierte, war eine öffentliche Aufführung im Weltmuseum Wien im März abgesagt worden. Autor und Regisseur Emge zeigte sich gegenüber der Rechercheplattform "Addendum" "erschüttert darüber, dass es in Österreich möglich ist, ein Stück zu verurteilen, das man nicht kennt". (APA, 12.7.2018)

  • Ein Theaterstück für Schulen sorgt für Ärger: Auftraggeber war der jetzige Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, damals in der Funktion des Innenministers (ÖVP).
    foto: apa/schlager

    Ein Theaterstück für Schulen sorgt für Ärger: Auftraggeber war der jetzige Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, damals in der Funktion des Innenministers (ÖVP).

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