Harvard-Studie: Großraumbüros schaden der Kommunikation

    12. Juli 2018, 11:00
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    Durch die räumliche Nähe kommen Kollegen leichter ins Gespräch? Falsch gedacht, zeigen aktuelle Forschungsergebnisse

    Sie sollen die Kommunikation und damit auch die Kooperation fördern: Großraumbüros. Das Arbeiten an gemeinsamen Projekten sei in solchen leichter möglich, lautet das Versprechen. Durch die räumliche Nähe sollen Kollegen ins Gespräch kommen, über ihre Ideen sprechen, was schließlich wiederum der Kreativität zuträglich sein soll.

    So denken viele Führungskräfte. Dass sie dabei einem Irrtum erliegen, legt eine aktuelle Studie der Harvard University nahe. Demnach führen Großraumbüros nicht zu mehr, sondern sogar zu weniger Kommunikation.

    Weniger Gespräche

    Ihre Untersuchung führten die Wissenschafter Ethan Bernstein und Stephen Turban in zwei großen US-Unternehmen durch. Dort begleiteten sie den Umzug von Einzel- in Großraumbüros. Mehr als zwei Wochen lang beobachteten Bernstein und Turban, über welche Kanäle die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vorrangig kommunizieren.

    Das Ergebnis: Mitarbeiter beider Firmen sprachen nach dem Wechsel deutlich weniger miteinander. Konkret reduzierten sich die persönlichen Gespräche offenbar um 70 Prozent. Vor dem Umzug sprachen die Mitarbeiter 5,8 Stunden pro Tag miteinander, danach waren es nur noch 1,7 Stunden. Gleichzeitig nahm die Kommunikation via elektronische Kanäle zu: E-Mails um 56 Prozent und Sofortnachrichten um 67 Prozent.

    Häufiger krank

    Die Wissenschaft hat dem Großraumbüro aber noch weitere Nachteile nachgewiesen. Denn Störungen lassen sich in diesen nicht ganz vermeiden, auch wenn die Kommunikation zurückgeht. Offenbar gehen im Großraumbüro pro Tag 86 Minuten produktive Arbeitszeit verloren, wie das Marktforschungsinstituts Ipsos erhob.

    Großraumbüros schaden also der Konzentration. Aber sie wirken sich auch negativ auf die Gesundheit aus. Folgen der andauernden Störungen können zum Beispiel Kopfschmerzen oder Schlafprobleme sein. Laut dem Arbeitsmediziner Heinz Fuchsig erhöhten offene Arbeitsflächen auch die Krankenstände. Zu Problemen könne auch die Temperatur führen, die sich dort nur schwer regeln lässt. Mitarbeiter litten unter Hitze, Kälte oder Zugluft. Ungesund sei auch die höhere Ansteckungsgefahr, bemerkt Fuchsig. (lib, 11.7.2018)

    • Großraumbüros, neuerdings häufig auch als "Open Spaces" bezeichnet, sollen angeblich die Kommunikation verbessern.
      foto: getty images

      Großraumbüros, neuerdings häufig auch als "Open Spaces" bezeichnet, sollen angeblich die Kommunikation verbessern.

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