Erneut Untersuchung gegen Kroaten Vida

10. Juli 2018, 18:27
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Zweites Jubelvideo mit zweifelhaften Botschaften aufgetaucht: "Ehre für die Ukraine!" und "Belgrad brennt" – Scout wurde inzwischen nach Hause geschickt

Moskau/Wien – Ziemlich offensichtlich ist der Fußball-Weltverband und mit ihm einige Nachrichtenagenturen einem Missverständnis


Dem kroatischen Verteidiger Domagoj Vida droht bei der WM in Russland neuerlich Ärger wegen Aussagen in Bezug auf die Ukraine. Der Fußball-Weltverband überprüfe ein weiteres Video, bestätigte die Fifa am Dienstag. Darin ist Vida zu sehen, wie er unter anderem "Ehre für die Ukraine!" und "Belgrad brennt" in die Kamera sagt.

Mit Letzterem bezieht sich Vida womöglich auf ein Lokal in Kiew – er kündigt an, sein Geld dort auszugeben. Neben ihm sitzt der frühere Profi und heutige Betreuer Ivica Olić. Gemeinsam singen sie "Das Wirtshaus ist mein Schicksal" – ein bekanntes Lied noch aus den Zeiten Jugoslawiens. Der Ausdruck "Belgrad brennt" besitzt angesichts der serbischen Hauptstadt aber auch eine Doppeldeutigkeit vor dem Hintergrund der politischen Rivalität beider Länder.

Vukojević von Pflichten entbunden

Bereits zuvor hatte die Fifa Vida für dessen Ausspruch "Ehre für die Ukraine!" verwarnt. Beide Videos wurden dem Augenschein nach in der Kabine nach dem Viertelfinalsieg Kroatiens gegen Russland aufgenommen. Vida hält ein Bier des offiziellen Fifa-WM-Sponsors in der Hand.

Der kroatische Verband (HNS) war zudem bereits wegen des Jubels eines Scouts, des Ex-Austria-Wien-Profis Ognjen Vukojević, zu einer Geldstrafe von 15.000 Schweizer Franken (rund 13.000 Euro) verurteilt worden. Die Disziplinarkommission der Fifa bewertete Vukojevićs Aussage "Das ist ein Sieg für Dynamo und für die Ukraine" als unsportliches Verhalten. Beim Strafmaß wurde laut Fifa in Betracht gezogen, dass der Verband sich rasch entschuldigt und den Mitarbeiter von seinen Pflichten entbunden und nach Hause geschickt hatte. Vukojević und Vida waren beide einige Jahre bei Dynamo Kiew engagiert.

Jobangebot aus der Ukraine

Der ukrainische Fußballverband bot Vukojević am Dienstag einen Job an, außerdem will der Verband ihm die Fifa-Strafe erstatten. Das schrieb Verbandschef Andrej Pawelko auf Facebook: Er bezeichnete Vukojević als "erstklassigen Spezialisten".

Pawelko sitzt auch im ukrainischen Parlament und erschien dort am Dienstag in einem Shirt mit Karos aus den kroatischen Teamfarben Rot und Weiß. "Lasst uns hoffen, dass Vida im Finale durch seine Leistung die Worte der Dankbarkeit zu dem Land erneut aussprechen kann, das ihn ausgebildet hat", sagte der Verbandschef.

Ukrainer überfluteten bis Dienstagnachmittag die Facebook-Seite der Fifa. "Ehre für die Ukraine" stand in vielen der rund 158.000 Kommentare. "Schande über die Fifa", schrieben andere.

Die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine sind seit der russischen Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim 2014 und der Unterstützung der prorussischen Separatisten in der Ostukraine zerrüttet. (APA, red, 10.7.2018)

  • Sorgt neben dem Spielfeld für Ärger: Domagoj Vida.
    foto: reuters/carl recine

    Sorgt neben dem Spielfeld für Ärger: Domagoj Vida.

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