Festnahme wegen Tanzvideos: Im Iran wird jetzt zurückgetanzt

    10. Juli 2018, 17:36
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    "Geständnis" der 19-Jährigen im Staatsfernsehen löste großen Protest im Netz aus

    Sie tanzte zu verschiedenen Songs in ihrem Schlafzimmer und teilte ihre Auftritte mit 600.000 Abonnenten. Das wurde der 19-jährigen Iranerin Maedeh Hojabri zum Verhängnis. Im Mai wurde sie inhaftert und ihr Instagram-Profil entfernt. Kürzlich gestand sie weinend im staatlichen Fernsehen, dass Tanzen eine Sünde sei und ihre Familie nichts von ihrem Hobby wusste. Im Iran ist es Frauen untersagt, in der Öffentlichkeit zu tanzen. Ausnahmen, wenn auch inoffiziell, werden nur selten gemacht – etwa bei den öffentlichen Feiern nach dem 1:0-Sieg des Iran über Marokko bei der Fußball-WM.

    Der Auftritt in der Sendung, die übersetzt "Falscher Weg" heißt, hat allerdings nicht den Effekt, den die Behörden sich wohl erhofft haben. Kritiker der Regierung tanzen nun aus Protest zurück, berichtet die New York Times.

    Eines der Videos, mit denen die Festnahme begründet wurde.

    Viel Unterstützung

    Zahllose Nutzer haben mittlerweile eigene Tanzvideos hochgeladen oder Bilder mit einem Foto von Hojabri und unterstützendem Text veröffentlicht. Derweil machen politische Hardliner und Vertreter des islamischen Klerus mobil und fordern ein Verbot von Instagram. Die im Besitz von Facebook befindliche Plattform gehört zu den wenigen, die in dem Land noch zugänglich sind.

    Es regt sich Protest.

    "In diesem Land sind Korruption, Vergewaltigung, Diebstahl, Tierquälerei und Kindesmissbrauch kein Verbrechen, aber ein schönes Lächeln zu haben, glücklich zu sein und sich gut zu fühlen ist sogar eine Todsünde", kritisiert Schauspielerin Roya Mirelmi das Vorgehen. Erst im April hatte die Polizei verlautbart, dass man "Instagram-Berühmtheiten einsperren" werde und 51.000 Auftritte wegen vulgären oder obszönen Inhalten überwacht würden.

    Gespaltenes Land

    Die iranische Führung ist politisch gespalten. Während der gewählte Präsident Hassan Rouhani 2013 mit dem Versprechen angetreten ist, persönliche Freiheiten auszuweiten, gegen ein Telegram-Verbot und für schnellere Internetzugänge auftrat, steht dem der extrem konservative Klerus entgegen. Offizielles politisches und religiöses Staatsoberhaupt sowie Oberbefehlshaber der Armee ist der Geistliche Ali Khamenei. (red, 10.07.2018)

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