VW investiert Milliarden in Elektro-Offensive in China

10. Juli 2018, 12:24
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VW und BMW arbeiten bei E-Mobilität und autonomem Fahren künftig mit chinesischen Partnern zusammen.

Berlin – Volkswagen will mit seinen Partnern in China Milliarden in Elektromobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung stecken. Bis zum Jahr 2022 sollten insgesammt 15 Milliarden Euro für diese Zukunftsthemen bereitgestellt werden, teilte VW am Dienstag mit. Mit dem Geld solle auch die Forschung und Entwicklung neuer Technologien finanziert werden. Der Wolfsburger Konzern unterzeichnete anlässlich des Staatsbesuches des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang in Deutschland eine Absichtserklärung, um die Zusammenarbeit mit seinem Partner FAW in China bei diesen Themen zu stärken. Das Abkommen wurde am Dienstag in Berlin unterzeichnet und bezieht sich auch auf kleine, leichte Elektrofahrzeuge, sogenannte NEV. Die Absichtserklärung wurde mit der Volkswagen (China) Investment Co. geschlossen.

Zudem unterzeichnete VW ein zweites Rahmenabkommen mit einem Forschungsinstitut, um die Zusammenarbeit bei der Technologieentwicklung, Standards und Berufsausbildung im Bereich intelligent vernetzter Fahrzeuge zu starten. Auf chinesischer Seite ist das China Automotive Intelligent & Connected Vehicles Research Institut in Peking der Partner von VW.

BMW baut Elektro-Mini in China

Für viele westliche Hersteller ist China der mittlerweile mit Abstand größte Einzelmarkt. So auch für BMW: Der bayerische VW-Konkurrent und der chinesische Autobauer Great Wall haben ihr Gemeinschaftsunternehmen für den Bau des neuen Elektro-Mini in China besiegelt. Die Münchener unterzeichneten am Dienstag eine entsprechende Vereinbarung mit Great Wall Motor, wie BMW in München mitteilte.

Die Gründung des Joint Ventures stehe noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigung. Angesiedelt werden soll es in der Provinz Jiangsu nördlich von Shanghai. Das neue Unternehmen soll auch für Great Wall elektrische Fahrzeuge herstellen.

BMW hatte bereits im Februar mit Great Wall die Absicht bekundet, den vollelektrischen Mini zusammen auch in China bauen zu wollen. Bisher werden Minis nur in England und beim Auftragsfertiger Nedcar in den Niederlanden gefertigt. 2019 soll der erste rein batteriegetriebene Mini im britischen Stammwerk in Oxford vom Band laufen.

China ist auch für die Kleinwagenmarke von BMW ein bedeutender Markt, vor allem aber gilt China wegen Zulassungsbeschränkungen für Verbrennungsmotoren als der Leitmarkt für Elektromobilität. Ab 2019 müssen Hersteller im Land zudem bestimmte Quoten für den Anteil elektrischer Antriebe erfüllen, was dem Markt für Elektroautos zusätzlichen Schub geben dürfte.

China verspricht Datensicherheit

Chinas Ministerpräsident Li Keqiang hat den deutschen Autokonzernen die Sicherheit ihrer Daten und Technologien bei der gemeinsamen Entwicklung des autonomen Fahrens zugesagt. Sein Land wolle die Technologie zusammen mit deutschen Herstellern entwickeln, sagte Li am Dienstag bei einer Veranstaltung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. Beide informierten sich dabei über die Aktivitäten von VW, BMW und Daimler sowie deren chinesischer Partner bei der Zukunftstechnologie des autonomen Fahrens.

"Deutschland möchte weitere Märkte erschließen, gerade in China", sagte Li. "Wir sind gerne bereit, Daten zur Verfügung zu stellen." Seine Regierung schaffe zudem die Rahmenbedingungen, damit gemeinsam entwickelte fahrerlose Autos auf Chinas Straßen unterwegs sein dürfen. "Wir wollen Win-Win-Situationen erzeugen", fügte Li mit Blick auf die Ängste deutscher Unternehmen und der Bundesregierung vor einem Technologieverlust hinzu. Verletzungen beim Diebstahl geistigen Eigentums würden "schonungslos geahndet", versicherte der chinesische Regierungschef am zweiten Tag seines Deutschland-Besuchs.

Idealer Markt

China gilt mit seiner Bevölkerung von mehr als 1,3 Milliarden Menschen und den umfangreichen Datensammlungen großer IT-Firmen und der Regierung als idealer Standort, um autonomes Fahren und Künstliche Intelligenz zu entwickeln. Deshalb bemühen sich deutsche Firmen dort um eine Zulassung. Die Regierung in Peking setzt dabei den Zugang zu den "Big Data" als Lockmittel für ausländische Unternehmen ein.

Deutschland und China hatten am Montag ein Rahmenabkommen für die Zusammenarbeit im Bereich des autonomen Fahren vereinbart. Sie hoffe auf eine "offene, transparente Kooperation" bei der Entwicklung, sagte Merkel. "Es wäre schön, Deutschland und China sind ganz vorne mit dabei." (APA/Reuters, 10.7.2018)

  • Chinas Premierminister Li Keqiang sitzt am Steuer eines VWs. Beifahrerin Angela Merkel schaut genau hin
    foto: reuters

    Chinas Premierminister Li Keqiang sitzt am Steuer eines VWs. Beifahrerin Angela Merkel schaut genau hin

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