Warum Menschen für ihren Beruf wegziehen

    11. Juli 2018, 07:00
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    Eine Umfrage des Netzwerks Internations hat über 18.000 Expats befragt, warum sie für ihren Beruf weggezogen sind und daraus sieben Typen erstellt

    Gute Jobchancen, bessere Lebensqualität oder ein höheres Gehalt: Es gibt viele Gründe, warum jemand ins Ausland geht, um dort zu arbeiten. Das Netzwerk Internations hat im Rahmen der jährlichen Expat-Insider-Studie über 18.000 Expatriates aus 187 Ländern und Territorien befragt, weshalb sie ihr Land verlassen haben und auf Basis dessen die sieben häufigsten Expat-Typen analysiert. Als Expatatriates, häufig auch Expats genannt, bezeichnet man Arbeitnehmer, die im Ausland arbeiten, meist werden sie von ihrem Unternehmen für eine gewisse Zeit ins Ausland entsandt.

    Am meisten gehen Arbeitnehmer aufgrund besserer Karrierechancen und einer höheren Lebensqualität ins Ausland. Unter den österreichischen Expat-Typen gibt es 20 Prozent sogenannte "Karrieremenschen", 18 Prozent "Entdecker" – ein überdurchschnittlich hoher Anteil (weltweit: 12 Prozent) –, 14 Prozent "Entsandte", sowie elf Prozent "Optimieren" und zehn Prozent "Romantiker". Unter den Expats sind auch neun Prozent mitreisende Partnerinnen und Partner, sowie sieben Prozent Studierende, die im Ausland eine Universität besuchen. Die beiden letzten Typen machen nicht nur unter den Expatriates aus Österreich, sondern auch weltweit den geringsten Anteil aus. Die sieben Typen im Detail:

    1. Der "Karrieremensch"

    "Karrieremenschen" ziehen ins Ausland, um ihre Karriere voranzutreiben. Mehr als die Hälfte verließ auf eigene Initiative ihre Heimat, knapp ein Drittel wurde von einer Firma im Ausland angeworben und jeder Zehnte hat im Ausland eine Firma gegründet. Sie arbeiten hauptsächlich in den Branchen Bildungswesen und akademischer Bereich (16 Prozent), IT (zwölf Prozent), sowie Produktion Herstellung und Ingenieurswesen (neun Prozent) und sind gut gebildet.

    Diese Expats sind etwas fleißiger als der globale Durchschnitt der Expatriates: Sie arbeiten 44,7 Stunden pro Woche (Vollzeit) gegenüber 44 Stunden. Dennoch sind rund drei von fünf mit ihrer Arbeitszeit und ihren Karrierechancen zufrieden. Dass ihre Arbeit an erster Stelle steht, könnte Auswirkungen auf ihr Privatleben haben: Fast ein Viertel der befragten "Karrieremenschen" sind in einer festen Beziehung, leben aber nicht im selben Land wie ihr Partner – der höchste Anteil unter allen Expat-Typen – und zwei von fünf finden es schwierig, im Ausland Freunde zu finden. Das mag vielleicht auch der Grund dafür sein, dass sich ein Viertel im Ausland noch nicht zuhause fühlt und weitere 18 Prozent geben an, dass das nie der Fall sein wird. Doch immerhin kann sich auch knapp ein Drittel der "Karrieremenschen" vorstellen, im Ausland zu bleiben.

    2. Der "Optimierer"

    Für die sogenannten "Optimierer" waren eine bessere Lebensqualität (60 Prozent), finanzielle Gründe (28 Prozent) und die Politik, Religion oder persönliche Sicherheit (zwölf Prozent) im gewählten Land ausschlaggebend, um wegzuziehen. Es scheint, als wollten sie ihre allgemeine Situation verbessern, weshalb sie auch, so die Umfrage, am meisten Vorteile im Umzug ins Ausland sehen. Mehr als sieben von zehn Expatriates – und damit der höchste Anteil unter allen Expat-Typen – fühlen sich in der Kultur des Gastlandes zu Hause, und es fällt ihnen leicht, mit Einheimischen Freundschaft zu schließen.

    Was ihr Arbeitsleben betrifft, arbeiten 81 Prozent der "Optimierer" Vollzeit und im Schnitt 43,3 Stunden was etwas unter dem globalen Durchschnitt liegt (84 Prozent Vollzeit und durchschnittlich 4 Stunden). Dennoch denken fast drei von fünf (58 Prozent), dass ihr momentanes Einkommen höher ist als das, was sie in einem ähnlichen Job zu Hause verdienen würden.

    3. Der "Romantiker"

    Wie der Name schon sagt, ziehen "Romantiker" für die Liebe ins Ausland, um in der Heimat des Partners zu leben und dort zu arbeiten. Letzteres gestaltet sich zumindest für zwölf Prozent als schwierig, sie sind derzeit auf Arbeitssuche. Und 34 Prozent der Befragten geben an, mit ihren Karrierechancen unzufrieden zu sein – weltweit geben das 25 Prozent aller Expats an. Darüber hinaus glauben 41 Prozent der "Romantiker", dass ihr Einkommen niedriger ist als das, was sie in einem ähnlichen Job zu Hause verdienen würden, weltweit denken das nur 27 Prozent.

    4. Der "Entdecker"

    "Entdecker" gehen, nach eigenen Angaben, am meisten fürs Abenteuer ins Ausland (47 Prozent). Der zweithäufigste Grund ist der Wunsch in einem bestimmten Land oder einer gewissen Stadt zu leben (28 Prozent). Diese Expatriates scheinen sich leicht im Ausland einzuleben, fast drei Viertel fühlen sich in ihrer neuen Heimat zu Hause, und zwei Dritteln fällt es leicht, Freunde zu finden. Abgesehen von neuen Freundschaften scheint "Entdeckern" eine gute Work-Life-Balance wichtig zu sein. "Entdecker" mit einem Vollzeitjob verbringen etwa 42,4 Stunden pro Woche am Arbeitsplatz, und damit weniger als der globale Durchschnitt. In der Tat sind fast sieben von zehn mit ihrer Work-Life-Balance zufrieden (gegenüber 61 Prozent weltweit), was den höchsten Anteil unter allen Expat-Typen darstellt.

    5. Der "Entsandte"

    "Entsandte" gehen deshalb ins Ausland, weil sie von ihrem Arbeitgeber geschickt werden. Sie sind nahezu alle Vollzeit berufstätig (96 Prozent) und verbringen mit durchschnittlich 46,1 Stunden pro Woche die meiste Zeit in der Arbeit. Das scheint sich für sie zu lohnen: 26 Prozent geben an, ein jährliches Haushaltseinkommen von mehr als 150.000 USD (brutto) zur Verfügung zu haben, mehr als doppelt so viel wie der globale Durchschnitt (12 Prozent). Das kann auch mit den Branchen zusammenhängen, in denen "Entsandte" häufig tätig sind, nämlich Produktion, Herstellung und Ingenieurwesen, sowie Finanzen und IT.

    Rund 60 Prozent sind mit ihren Karrierechancen zufrieden und knapp sieben von zehn halten ihren Arbeitsplatz für sicher – das sind die höchsten Anteile unter allen Expat-Typen. Dennoch hält es die Mehrheit der Befragten für wahrscheinlich, früher oder später nach Hause zurückzukehren, was höchstwahrscheinlich daran liegt, dass sie für eine begrenzte Zeit ins Ausland geschickt werden. Möglicherweise aufgrund dessen, und, weil viele nicht im selben Land leben wie ihr Partner, fühlt sich fast ein Viertel noch nicht im Ausland zuhause und weitere 17 Prozent denken, dass dies nie der Fall sein wird.

    6. Der mitreisende Partner und die mitreisende Partnerin

    Auch hier ist die Liebe ausschlaggebend, doch anders als bei den "Romantikern" verlassen hier beide das Heimatland. Während das Geschlechterverhältnis unter den meisten anderen Expat-Typen ziemlich ausgewogen ist, sind fast neun von zehn mitreisenden Partnern (86%) weiblich. Da sie dem Lebensgefährten zuliebe umziehen, kümmern sich mitreisende Partner häufiger als alle anderen Expat-Typen um den Haushalt und Kinder (27 Prozent gegenüber fünf Prozent aller Expats weltweit) oder befinden sich auf Arbeitssuche (17 Prozent gegenüber acht Prozent global). 41 Prozent sind mit ihren Karrierechancen unzufrieden. Doch nicht nur das: Ihnen fällt es häufig auch schwer, sich im Ausland einzugewöhnen, 20 Prozent glauben sogar, sich nie im derzeitigen Heimatland zu Hause zu fühlen

    7. Die Studierenden

    Für 90 Prozent der Studierenden ist der Besuch einer Schule oder Universität im Ausland ausschlaggebend, um wegzuziehen, die restlichen zehn Prozent verlassen ihre Heimat, um neue Sprachkenntnisse zu lernen. Mit einem Durchschnittsalter von 32,4 Jahren sind Studierende der jüngste Expat-Typ, der globale Durchschnitt liegt bei 44,3 Jahren. Abgesehen davon, dass sie hochgebildet sind – elf Prozent des Studierenden-Typs haben bereits einen Doktortitel, der höchste Anteil unter den Expat-Typen – arbeiten sie häufig im Bildungswesen oder im akademischen Bereich (14 Prozent). Weitere gängige Berufsfelder sind die IT-Branche (13 Prozent) sowie Produktion, Herstellung und Ingenieurwesen (neun Prozent). Mit 58 Prozent positiven Bewertungen sind Studenten mit ihren Karrierechancen sehr zufrieden, verglichen mit 55 Prozent weltweit. (red, 11.7.2018)

    • Das Netzwerk Internations hat 18.000 Expatriates befragt, warum sie für ihren Beruf weggezogen sind.
      foto: getty images

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