Krähen vs. Raben: Wer ist der Aggressor?

    13. Juli 2018, 09:41
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    US-Forscher griffen auf Datenbank von Citizen Scientists zurück, um Konflikte zwischen Vogelarten zu beleuchten

    illustration: phillip krzeminski
    "Zusammen sind wir stark" – Krähen nehmen es jederzeit mit Raben auf.

    Ithaca – Zumindest im Sprichwort hackt eine Krähe der anderen kein Auge aus, artübergreifend kann von derlei Zusammenhalt aber nicht die Rede sein: Zwischen Krähen und Raben – beide zur Gattung Corvus gehörend und damit eng verwandt – gibt es regelmäßig Stunk. Von wem die Aggression ausgeht, haben sich nun Ornithologen der Cornell University angesehen und dafür auf Daten zurückgegriffen, die von Hobby-Forschern gesammelt wurden.

    Die Studie betrifft Nordamerika, wo allerdings eine mit Europa vergleichbare Konstellation vorliegt: Auf der einen Seite steht der auf beiden Kontinenten beheimatete Kolkrabe (Corvus corax), auf der anderen die Amerikanerkrähe (Corvus brachyrhynchos) und die Sundkrähe (Corvus caurinus), die in etwa europäischen Aas- und Nebelkrähen entsprechen.

    Streitsüchtige Krähen

    Das Team um Ben Freeman wertete über 2.000 Beobachtungen dieser Arten aus, die Hobby-Forscher in der Datenbank eBird eingetragen hatten. Dabei zeichnete sich eine sehr eindeutige Tendenz ab: In 97 Prozent der Fälle war die Aggression von Krähen ausgegangen. Ihre geringere Körpergröße machten sie dadurch wett, dass sie sich stets in kleinen Gruppen auf einen Raben stürzten.

    Die Beobachtungen erstreckten sich nicht nur über den ganzen Kontinent, sondern auch rund ums Jahr. So konnte auch festgestellt werden, dass die Krähenattacken in der Brutsaison am häufigsten sind: Die Krähen dürften also vor allem darauf erpicht sein, Raben als potenzielle Nestplünderer abzuschrecken.

    Freeman zieht eine doppelte Bilanz aus der im Fachmagazin "The Auk" publizierten Studie. Erstens dominiert bei Interspezieskonflikten nicht immer die körperlich überlegene Art. Und zweitens zeige die Studie glänzend, was für eine Wissensressource Hobbyforscher bzw. Citizen Scientists sind. Selbst den aufopferungsvollsten Wissenschaftern sei es unmöglich, für eine Studie eine derartige Datenmenge zusammenzutragen, wie sie hier von tausenden Menschen angesammelt wurde. (red, 13. 7. 2018)

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