Lobautunnel: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

    Userkommentar13. Juli 2018, 09:29
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    Den Zwang zum Pendlerdasein gilt es zu vermeiden! Eine Replik auf den Userkommentar von Rudolf Schicker

    Man kann das Verkehrskonzept den Projekten anpassen, wie im aktuellen Fall, oder die Projekte dem Konzept unterordnen, was in der Regel angenommen werden kann. Das Verkehrskonzept 1980 war das Ergebnis einer vierjährigen vertieften Bearbeitung aller wesentlichen Themen für fachlich verantwortbare Entscheidungen, zum Unterschied zu allen späteren, die sich vor allem auf Zielformulierungen und die Fortschreibung laufender Maßnahmen beziehen. 1980 hat man in Wien mit alten Mythen wie "mehr Autos – mehr Autobahnen" aufgeräumt und durch fundierte Grundlagen und Maßnahmen ersetzt. Diese umzusetzen erforderte Mut und Weitblick, um sich dem Mainstream entgegenzustellen.

    Falsche Fragen, falsche Antworten

    Einfacher ist es, sich auf ein überholtes Bundesstraßengesetz, das längst nicht mehr dem Stand der Wissenschaft entsprach, zu berufen, um der Planungsverantwortung auf der Projektebene zu entkommen. Hier hat sich, schon vor Rudolf Schickers Amtszeit, 1993 ein Rückfall in die Mythen der 1960er-Jahre ereignet. Sehr zum Vorteil der Baulobby und aller, die damit in Verbindung stehen. In abgewandelter Form taucht in Schickers Userkommentar der alte falsche Mythos nun als "mehr Bewohner – mehr Autobahnen" wieder auf. "Super Now" stellt die falschen Fragen und liefert daher die falschen Antworten.

    Meinungsplanung unterscheidet sich von Verantwortungsplanung ebenso wie Meinungsethik von Verantwortungsethik. Letztere hat mich veranlasst, Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou vorzuschlagen, endlich eine umfassende Untersuchung zu den Folgen des Lobautunnels in Auftrag zu geben. Das ist trotz vieler Hindernisse aus dem Rathaus gemacht worden. Das Ergebnis zeigt die Nachteile und Gefahren des Lobautunnels für die Stadt Wien, ihre Bewohner, die Umwelt und die Wiener Wirtschaft klar und nachvollziehbar auf.

    Ein Rückschlag für die Stadt

    Die Alternativen findet man in unserer Studie. Die Systemwirkungen lassen sich weder durch Gerichtsentscheide noch durch Wegdiskutieren aufheben. Der Lobautunnel wird ein Rückschlag für die Entwicklung in Wien sein!

    Von einem sozialdemokratischen Politiker sollte man erwarten, dass er Maßnahmen setzt, die den Zwang zum Pendlerdasein vermeiden, und nicht dass er Projekte unterstützt, die das Leben der Arbeitenden noch erschweren werden. (Hermann Knoflacher, 13.7.2018)

    Hermann Knoflacher war Professor am Institut für Verkehrsplanung der Technischen Universität Wien.

    Zum Thema

    • Im Gebiet von Groß-Enzersdorf ist die Trassenführung des umstrittenen Lobautunnels geplant.
      foto: apa/hans klaus techt

      Im Gebiet von Groß-Enzersdorf ist die Trassenführung des umstrittenen Lobautunnels geplant.

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