Fakten zur privaten Flüchtlingsrettung im Mittelmeer

    10. Juli 2018, 09:00
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    Die privaten Helfer werden von der Politik zurückgedrängt, obwohl die Zahl der Geretteten zurückgeht

    Mit großangelegten Spendenaktionen wollen die deutschen TV-Größen Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf Flüchtlingshelfer im Mittelmeer unterstützen. Bereits in den ersten Tag konnten fast 150.000 Euro gesammelt werden. Doch wie ist die aktuelle Lage vor Ort?

    foto: ap photo_salvatore cava
    Die Aquarius war eines der ersten Opfer der strikten europäischen Flüchtlingspolitik.

    Wie registriert man ein Schiff, um Flüchtlinge zu retten?

    Um ein Schiff zu betreiben, müssen die Voraussetzungen des Landes erfüllt sein, unter dessen Flagge das Schiff operiert. Dabei gelten etwa Standards, wie die Crew ausgebildet, in welchem Zustand das Schiff sein muss oder welche Sicherstandards an Bord gelten dürfen. Die italienische Regierung fordert zudem von Hilfsorganisationen die Einhaltung eines Verhaltenskodex, der unter anderem verbietet, in libysche Gewässer einzudringen oder Signale und Funksprüche an ablegende Flüchtlingsboote zu senden. Zusätzlich wird die Autorität der Seenotrettungsleitstelle in Rom anerkannt.

    foto: afp photo _ louisa gouliam
    Libyen gilt für die Hilfsorganisationen nicht als sicherer Ort.

    Warum werden die Geretteten nicht nach Libyen zurückgebracht?

    Weil sich die Retter an die Anweisungen der italienischen Behörden halten müssen, die die Seenotrettungen im zentralen Mittelmeer koordiniert, sagt Jana Ciernioch von SOS Mediterranée, die das Schiff Aquarius betreibt. Diese weisen den nächsten sicheren Hafen zu. Ein Eindringen in fremde Hoheitsgebiete wäre illegal. Eine Rettung ist nach internationalem Recht nur an einem sicheren Ort abgeschlossen. Laut Hassiba Hadj-Sahraoui von Ärzte ohne Grenzen ist Libyen kein solcher. Dass NGOs als Schlepper arbeiten, weisen Helfer zurück, agieren sie doch unter Anleitung Italiens.

    foto: reuters_darrin zammit l
    Die Lifeline wurde im Hafen von Valletta beschlagnahmt.

    Wo befinden sich im Moment die privaten Hilfsschiffe?

    Nicht auf hoher See. Keines der bekannten Schiffe kreuzt im Moment im zentralen Mittelmeer. Laut Medienberichten liegt die spanische Open Arms im Hafen von Barcelona. Die Aquarius, betrieben von Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranée, liegt in Marseille vor Anker. Die deutsche Sea Watch, die Sea Eye und die Lifeline wurden von den maltesischen Behörden in Valletta blockiert. Gegen den Kapitän der Lifeline läuft ein Verfahren. Auch die Sea Watch 3 und die Seefuchs sollen in Malta vor Anker liegen. Es ist noch unklar, ob sie den Hafen verlassen dürfen.

    foto: reuters_jon nazca
    Die Zahl der geretteten Personen ging im April im Vergleich zum Vorjahr zurück.

    Wie viele Menschen wurden in den vergangenen Jahren gerettet?

    Laut italienischer Küstenwache wurden heuer im April 2.623 Menschen im zentralen Mittelmeer gerettet, davon 1.109 Personen durch NGO-Schiffe und 669 durch die Küstenwache. Zum Vergleich: Im April 2017 wurden 12.590 Personen gerettet, die Mehrheit von privaten Hilfsschiffen (5.015 Personen) und kommerziellen Schiffen (3.523 Personen). Ein weiteres Jahr davor, im April 2016, waren es 9.230 Gerettete. Die Mehrheit wurde damals von der Küstenwache (2.421 Personen) an Bord genommen. Es war auch das Jahr mit den laut UNHCR meisten Toten oder Vermissten: 5.096 Personen. (bbl, 10.7.2018)

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