Strafverfahren im Fall Kührer wird vorerst nicht neu aufgerollt

    9. Juli 2018, 14:28
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    Der Anwalt des Verdächtigen kündigte eine Beschwerde an das Oberlandesgericht Wien an

    Korneuburg – Bis jetzt hat er seine Schuld nie eingestanden: Seit 2013 sitzt der wegen Mordes an der 16-jährigen Schülerin Julia Kührer verurteilte Michael K. im Gefängnis. Ein Geschworenensenat am Landesgericht Korneuburg verurteilte den damals 51-jährigen Wiener in einem Indizienprozess zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

    Die Haftdauer wurde später auf 20 Jahre verkürzt. Die sterblichen Überreste der 2006 verschwundenen Schülerin wurden 2011 im Erdkeller des ehemaligen Videothekenbesitzers gefunden. An der Decke, in der die verbrannte Leiche gewickelt war, wurden DNA-Spuren von K. gefunden. Die Todesursache konnte nicht mehr festgestellt werden.

    Vorerst gescheitert

    Nun ist der Verurteilte mit seinem Antrag auf Wiederaufnahme des Strafverfahrens gescheitert – vorerst. Der Antrag wurde vom zuständigen Drei-Richter-Senat am Landesgericht Korneuburg in erster Instanz abgewiesen. Sein Anwalt Wolfgang Blaschitz kündigte jedoch an, den Beschluss, der dem STANDARD vorliegt, per Beschwerde an das Oberlandesgericht Wien zu bekämpfen. 14 Tage hat er dafür Zeit, um Rechtsmittel einzubringen.

    Für eine Wiederaufnahme des Verfahrens müsste K. neue Tatsachen oder Beweismittel erbringen, die einen Freispruch oder zumindest ein milderes Urteil nach sich ziehen würden. Sechs Zeugen wurden neuerlich befragt. Der zuständige Senat ortete jedoch Widersprüchlichkeiten und wertete deren Aussagen als "Spekulationen und eigene Überlegungen".

    Drogentod immer wieder Thema

    Sprengkraft wurde einem neu vorgelegten Privatgutachten zugeschrieben, welches besagt, dass es möglich sei, dass Kührer durch eine Überdosis Methamphetamin (Crystal Meth) verstorben sein könnte. Auch die neuen Zeugenaussagen deuteten teilweise auf einen möglichen Drogentod hin. Der damalige Gerichtssachverständige hatte eine letale Überdosis ausgeschlossen.

    Der Senat wertete das Gutachten jedoch als fehlerhaft und aktenwidrig – und dementsprechend nicht geeignet als neues Beweismittel. Anwalt Blaschitz will der Verfasserin des Gutachtens – es handelt sich um Universitätsprofessorin Eva-Kathrin Ehmoser von der Universität für Bodenkultur Wien – die Ausführungen der Richter für eine Stellungnahme vorlegen: "Das ist immerhin eine renommierte Wissenschafterin", sagt Blaschitz. Eine Überdosis als Todesursache wurde immer wieder thematisiert, nachdem entsprechende Spuren im Körper Kührers gefunden wurden. (Vanessa Gaigg, 9.7.2018)

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