Für Liste Pilz ist Vertrauen in Bohrn Mena "massiv geschwächt"

9. Juli 2018, 13:08
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Geschäftsführender Klubchef Zinggl kündigt Aussprache mit dem Tierschutz- und Kinderrechtesprecher an

Wien – Demnächst steht bei der Liste Pilz eine Aussprache mit ihrem Tierschutz- und Kinderrechtesprecher Sebastian Bohrn Mena an. Das erklärt der geschäftsführende Klubchef Wolfgang Zinggl im STANDARD-Gespräch, denn: Man sei "wenig erfreut" über die Wortmeldungen von Bohrn Mena in den vergangenen Tagen, daher sei "das Vertrauen massiv geschwächt". Bohrn Mena selbst sagt dazu nur: "Ich äußere mich grundsätzlich nicht zu klubinternen Angelegenheiten."

foto: apa / herbert p. oczeret
"Das Vertrauen ist massiv geschwächt", sagt der geschäftsführende Klubchef Zinggl – und kündigt eine Aussprache des Klubs mit Bohrn Mena an.

Der Anlass für die neuen Querelen: Am Wochenende ist Bohrn Mena aus der Liste Pilz ausgetreten, via "Presse" begründete er seinen Schritt unter anderem damit, dass ein "autoritärer, fast demokratiefeindlicher" Umgang mit Parteimitgliedern herrsche. Bei den Finanzen rieche es nach Verschleierung, und: "Peter Pilz würde bei anderen einen Partei-U-Ausschuss verlangen", sagte er über den Noch-Parteichef, der seine Funktion bald an Frauensprecherin Maria Stern übergibt.

Trotzdem will Bohrn Mena, der über kein Mandat verfügt, im Parlamentsklub der Liste weiterarbeiten – dafür bezieht er 5.000 Euro brutto im Monat. Hinter den Kulissen ist man über Bohrn Menas Verhalten höchst verärgert. Im Zuge des Ringens um den Wiedereinzug von Peter Pilz in den Nationalrat wollte er noch Mitglied des Parteivorstands werden, heißt es – oder gar Vizeparteichef. Bohrn Menas Replik darauf: "In dem Moment, als ich gehört habe, dass Maria Stern im Abtausch für ihren Mandatsverzicht Obfrau werden sollte, hat sich das für mich erledigt. Denn das sind für mich dubiose Hinterzimmerdeals."

foto: conrad seidl
"Was ist das Nächste – dass wir öffentlich Gladiatorenkämpfe abhalten?", fragt sich Tierschutz- und Kinderrechtesprecher Sebastian Bohrn Mena, seit kurzem nicht mehr Parteimitglied.

Dazu beklagt Bohrn Mena, dass die Liste Pilz Salzburg auf Facebook abstimmen ließ, ob er nun den Klub verlassen muss. Zum STANDARD sagt er: "Ich bin menschlich enttäuscht, wie hier mit der Würde und den Rechten eines Arbeitnehmers im Klub umgegangen wird – und ich erwarte mir eine Entschuldigung von Peter Pilz und Maria Stern. Denn was ist das Nächste – dass wir öffentlich Gladiatorenkämpfe abhalten?"

All das erinnere ihn stark daran, wie auch mit Martha Bißmann umgegangen worden sei, als sie unlängst das im Herbst von Pilz übernommene Mandat nicht mehr freimachen wollte. Was Bohrn Mena ebenfalls stört: dass Renee Schroeder, die im Vorjahr als Spitzenkandidatin in Salzburg angetreten ist und nun mit dem Aufbau der Parteiakademie betraut ist, seine Arbeit "als Müll bezeichnet" habe.

Streit um Katzenfoto

Die Wissenschafterin erklärt dazu im STANDARD-Gespräch, vor kurzem den Klub darauf aufmerksam zu haben, dass ein Antrag des Tierschutzsprechers für die Reduzierung von Tierversuchen "schlecht recherchiert und falsch" sei – weil die Wissenschaft seit 1999 die Tierversuche hierzulande ohnehin halbiert habe. Ergo meint sie: Die bestehenden Bestimmungen seien "bereits sehr gut". Als Bohrn Mena wiederum "ein Foto von einer Katze mit einem Apparat auf dem Kopf" online stellte, habe sie ihn darauf aufmerksam gemacht, dass hierzu die Quellenangabe fehle – und dass das Bild wohl kaum in Österreich aufgenommen worden sein könne. Schroeder findet jedenfalls: "Mit solch emotionalisierenden Statements sollte man keine Politik machen."

foto: regine hendrich
Fand Antrag von Tierschutzsprecher Bohrn Mena "schlecht recherchiert und falsch": Wissenschafterin Renee Schroeder, derzeit mit dem Aufbau der Parteiakademie beschäftigt.

Die renommierte Mikrobiologin, die mit Pilz einst die Schulbank gedrückt hat, weiß jedenfalls nichts von einer Onlineabstimmung in Salzburg über das Wohl und Wehe von Bohrn Mena – und entgegnet auf Vorwürfe der Intransparenz rund um die Parteiakademie: "Bis jetzt haben wir kein Geld dafür ausgegeben, denn wir sind erst beim Aufbau – und daher ist auch noch kein Euro geflossen." (Nina Weißensteiner, 9.7.2018)

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