Wirksamere Medikamente durch genetische Patientendaten

    9. Juli 2018, 09:33
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    Wiener Bioinformatiker will Genom-Daten für die verbesserte Auswahl medikamentöser Therapien aufarbeiten

    Wien – Der Effekt von Medikamenten hängt über die individuelle Verstoffwechselung der Wirkstoffe auch mit der Genetik des einzelnen Menschen zusammen. Eine Forschungsgruppe aus Wien hat in einem vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Projekt untersucht, wie genetische Daten in der medizinischen Praxis zugänglich gemacht werden können, um die Wirksamkeit von Medikamenten zu verbessern.

    "Es geht uns um personalisierte Medizin", sagte Matthias Samwald, biomedizinischer Informatiker der MedUni Wien. "Unsere Hoffnung ist, dass diese individuellen (genetischen; Anm.) Unterschiede verwendet werden können, um Therapien besser maßzuschneidern." Es sei die Frage, wie man das in einen Arbeitsablauf für die Medizin umwandeln könnte.

    Zuerst stelle sich aber die Frage, wie häufig Medikamente verschrieben werden, für die schon Daten über genetische Unterschiede in der Wirkung vorhanden sind. "Wir haben uns dazu große Datensätze von Patientinnen und Patienten angesehen, einen mit 73 Millionen Menschen in den USA und einen mit 6,8 Millionen Menschen in Österreich. Dabei zeigte sich, dass in einem Zeitraum von vier Jahren vor allem bei Menschen über 65 mehr als die Hälfte eines dieser Medikamente verschrieben bekam, 30 Prozent davon sogar drei oder noch mehr", so Samwald.

    Tests am Markt

    Auch bei jüngeren Menschen zwischen 40 und 64 liege der Prozentsatz immer noch bei 42 Prozent. Es erscheine sinnvoll, bei diesen Gruppen einen genetischen Test durchzuführen, der die für jene Medikamente relevanten Faktoren bestimmt. Solche Tests gibt es auch bereits auf dem Markt. Ihre Verwendung wurde von österreichischen Apotheken bereits getestet. Sie müssen aber privat vom Patienten finanziert werden.

    "Es wäre inzwischen kostengünstig möglich, mehrere Faktoren auf einmal zu testen, bei Kosten von unter 100 Euro pro Person." Ein Ziel des Projekts sei es auch gewesen, genügend Daten zu sammeln, damit Krankenversicherungen sich ein Bild machen könnten. "Im Endeffekt kann damit Geld gespart werden", meinte der Forscher. Die Übersetzung von pharmakogenetischem Wissen in eine formalisierte Computersprache könne im Endeffekt zu einer einfachen Handy-APP führen, welche die Entscheidung für eine bestimmte medikamentöse Therapie erleichtere. (APA, 9.7.2018)

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