Batteriezellen: Chinesen bauen erste deutsche Gigafactory

    9. Juli 2018, 12:49
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    Chinesische Batterien für deutsche Autos: In Thüringen wird in Kürze der Startschuss für eine Produktion verkündet

    Berlin – In Thüringen bahnt sich ein Milliardenprojekt an, das der Region erhebliche Investitionen, den deutschen Autobauern Antrieb für ihre Elektro-Offensive und dem chinesischen CATL-Konzern ein industrielles Standbein im Herzen Deutschlands bescheren wird.

    Wenn am Montag die deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen beginnen, wird der Bau einer Batteriezellfabrik nahe Erfurt verkündet werden: der ersten deutschen "Gigafactory". "Eine entsprechende Vereinbarung wird heute im Rahmen der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Berlin unterzeichnet", bestätigte die deutsche Bundesregierung am Montag.

    Contemporary Amperex Technology (CATL) mit Sitz im chinesischen Ningde könnte damit eine Rolle ausfüllen, auf die deutsche Hersteller bisher verzichtet haben. So entschied sich etwa der Zulieferer Bosch erst kürzlich gegen eine Zellproduktion. Das Investitionsrisiko war dem Konzern zu groß.

    Bei Elektroautos sind Batterien das teuerste Bauteil – und gleichzeitig entscheidend für deren Attraktivität. BMW-Betriebsratschef Manfred Schoch hatte angesichts dessen erst im Mai vor einer drohenden Übermacht Chinas im Zukunftsgeschäft mit der Elektromobilität gewarnt und einen gemeinsamen Masterplan der deutschen Autoindustrie gefordert.

    Großfabrik

    Wer diese Zukunftstechnik nicht beherrsche, sei "irgendwann weg vom Fenster", sagte er damals dem "Spiegel". Konzerne wie BMW, Daimler und Volkswagen sollten deshalb ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, um eine Großfabrik für Batteriezellen aufzubauen.

    BMW setzt indes künftig maßgeblich auf chinesische Batteriezellen "Made in Thüringen". Der deutsche Autobauer will von CATL in den nächsten Jahren Zellen im Wert von 4 Mrd. Euro beziehen. Ein entsprechender langfristiger Vertrag sei abgeschlossen, sagte BMW-Einkaufschef Markus Duesmann am Montag in München. Vom Auftragsvolumen entfielen 1,5 Mrd. Euro auf Deutschland und 2,5 Mrd. Euro auf China, wo BMW bereits CATL-Kunde ist. Die Zellen sollen demnach die vollelektrische Oberklasselimousine iNext antreiben, die für 2021 angekündigt ist.

    Auch Daimler erwägt laut Handelsblatt, beim chinesischen Hersteller Batteriezellen zu kaufen. "Wir sind mit den Chinesen in Gesprächen", zitierte das "Handelsblatt" Konzernkreise. Der Schritt von CATL nach Europa komme Daimler zugute.

    Gegründet wurde CATL, dessen Chef Zeng Yuqun bereits als chinesische Antwort auf Elon Musk, Kopf des US-Elektroautobauers Tesla, bezeichnet wurde, vor gerade einmal sieben Jahren. Als Philosophie gibt der Konzern an, verwurzelt in der chinesischen Kultur ein global führendes, innovatives Technologieunternehmen seien zu wollen, das "exzellente" Beiträge zur Versorgung der Menschheit mit Lösungen für "grüne Energie" liefere und zugleich seine Angestellten materiell und spirituell bereichere.

    Etappenweise

    Die Fabrik in Thüringen soll im Gewerbegebiet Erfurter Kreuz in mehreren Etappen entstehen. Gebaut werden soll laut Branchenkreisen in der ersten Phase ein Distributionszentrum, danach soll die eigentliche Produktion errichtet werden. Die Bauzeit dürfte demnach etwa zwei Jahre betragen, eine Fläche von bis zu 80 Hektar stehe dafür zur Verfügung. Im besten Fall, so die Hoffnung, könnten am Ende bis zu 1.500 neue Jobs in Thüringen entstehen. Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte bereits Anfang Juni erklärt, dass es Verhandlungen mit CATL über eine Ansiedlung gebe. (APA, 9.7.2018)

    Dieser Artikel wurde aktualisiert.

    • So sah die Tesla Gigafactory in Nevada aus. Auch in Deutschland soll eine Großfabrik entstehen.
      foto: reuters

      So sah die Tesla Gigafactory in Nevada aus. Auch in Deutschland soll eine Großfabrik entstehen.

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