Warum Nutzerbewertungen auf Netflix sowieso unbrauchbar waren

    7. Juli 2018, 11:11
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    Netflix schafft Userrezensionen ab – versteckt hat der Service sie aber schon länger

    Netflix hat zuletzt angekündigt, Nutzerbewertungen ab dem 30. Juli gänzlich einzustellen. Dann wird es nicht mehr möglich sein, Rezensionen zu verfassen. Alte Bewertungen werden nicht gänzlich gelöscht, sondern können auf einer speziellen Rezensionsseite – und somit noch unscheinbarer als zuvor – eingesehen werden. Netflix gibt an, die Entscheidung getroffen zu haben, da die Nutzung des Features zurückgegangen ist.

    Aber, wie engadget berichtet, könnte der Grund dafür sein, dass die Option offenbar bewusst versteckt wird. So ist es nicht möglich, Reviews auf mobilen Geräten zu verfassen oder überhaupt anzusehen. Auch wurde das System, welches es erlaubte, Filme und Serien mit bis zu fünf Sternen zu bewerten, zuletzt durch die Bewertungen "Gefällt mir" oder "Gefällt mir nicht" ersetzt.

    Bewertungen schaden eigenen Produktionen

    Entsprechend könnte Netflix solche Bewertungen auch einfach nicht mehr anbieten wollen. Schließlich ist das Unternehmen längst nicht mehr rein für den Vertrieb großer Produktionen zuständig, sondern bietet selbst als Studio teure und beliebte Serien wie "Stranger Things" und "Orange Is the New Black" an.

    Zwar ist es gut, viele positive Rezensionen zu bekommen, jedoch schadet das Feature dem Streamingservice letztendlich vermutlich eher, da negative Bewertungen Nutzer davon abhalten, bestimmte Inhalte anzusehen, umgekehrt aber eine positive Bewertung nicht gleichwertig zum Ansehen verführt. Nachdem das Unternehmen allein in diesem Jahr acht Milliarden US-Dollar für Content ausgibt und eine einzelne Produktion wohl viele Millionen Dollar kostet, ist es also nicht weiter überraschend, dass es Rezensionen eindämmen möchte.

    Enormer Wartungsaufwand

    Zudem bedeutet eine Bewertungsmöglichkeit auf einen nicht zu unterschätzenden Wartungsaufwand. Ähnlich wie die Kommentare bei einer Nachrichtenseite müssen diese geprüft werden. Auch müssen Fake-Bewertungen und sogenanntes "Review Bombing" – ein konzentrierter Angriff durch Trolle auf einen Inhalt, um die Gesamtbewertung nach unten zu drücken – effektiv aufgehalten werden. Das erspart Netflix sich auf diese Weise.

    Algorithmus empfiehlt

    Das Unternehmen dreht Empfehlungen nicht gänzlich ab – Nutzer erfahren weiterhin, durch einen Algorithmus bestimmt, welche Serie ihnen zu wieviel Prozent gefallen könnte. Diese passt sich an das eigene Streamingverhalten an – in Zukunft könnte der Streamingservice aber anfangen, auch Inhalte anzuzeigen, die etwa Freunde gemocht haben. Wer trotzdem Rezensionen lesen möchte, kann entweder die Plattformen IMDb, Metacritic und Rottentomatoes aufsuchen – oder sie bei einem professionellen Medium lesen. Und wer Fake-Bewertungen und Trolls ignorieren kann, findet etwa auf Twitter zahlreiche Meinungen. (red, 7.7.2018)

    • Netflix schafft ab Ende Juli Bewertungen ab.
      foto: reuters/blake

      Netflix schafft ab Ende Juli Bewertungen ab.

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