Das ÖOC zog Kandidatur-Vorhaben für Graz 2026 zurück

    6. Juli 2018, 15:03
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    In jenem Moment, in dem die steirische Landesregierung sich zu einer Prüfung der Machbarkeitsstudie und zur Volksbefragung über Olympische Winterspiele 2026 entschlossen hat, machte das ÖOC einen Rückzieher

    Alle haben an einem Strang gezogen, nur halt in entgegengesetzte Richtungen. Das ist spätestens seit Freitag klar, als sich das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) "schweren Herzens von der Idee der Olympia-Bewerbung Graz 2026 verabschiedet" hat.

    Die Aussendung dazu hat vor allem in der Steiermark für Überraschung gesorgt. Die Presseabteilung des Landes hatte unmittelbar zuvor über die weiteren Schritte hin zu einer möglichen Kandidatur informiert. Da hieß es, per Umlaufbeschluss im Sommer solle eine landesweite Volksbefragung am 23. September fixiert werden. Und es hieß, dass das Wifo mit einer Plausibilitätsprüfung der Machbarkeitsstudie beauftragt werde. Sogar die Frage ans Volk war schon formuliert: "Soll das Land Steiermark auf Basis der vorliegenden Plausibilitätsprüfung zur Machbarkeitsstudie Graz 2026 die Bewerbung der Host City und der Partnerregionen für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 unterstützen?", lautete sie. Oder besser: Hätte sie lauten sollen.

    "Zwischen den politischen Fronten"

    Die Volksbefragung ist hinfällig geworden. "Das ist definitiv", bestätigte ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel im Gespräch mit dem Standard den Rückzieher. "Wir hätten ein klares, positives Commitment der Landesregierung gebraucht. Ohne das geht es nicht." Das ÖOC setzte das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Kenntnis, "dass die laufenden Bewerbungsgespräche beendet werden, um keine weiteren Kosten zu verursachen". ÖOC-Präsident Karl Stoss bedauert, "Athleten und Fans olympische Heimspiele in naher Zukunft nicht ermöglichen zu können".

    Laut Generalsekretär Mennel wäre eine Bewerbung "eine Riesenchance für Graz und die Partnerregionen gewesen". Nicht zuletzt hätten diverse Sportstätten, die man sowieso renovieren müsse, "auch mit finanzieller Hilfe des IOC saniert werden können", um diese Chance würden Graz, Schladming und Ramsau, aber auch zum Beispiel Klagenfurt umfallen, wo olympische Eishockeyspiele vorgesehen gewesen wären. Mennel sagt, das ÖOC sei "zwischen die politischen Fronten geraten. Aber dafür ist Olympia wirklich zu wertvoll."

    Die Grünen und die KPÖ, die mehr als 11.000 Unterschriften für eine Volksbefragung allein in Graz sammelte, hatten die von der "Winterspiele Graz2026 GmbH" vorgelegte Machbarkeitsstudie kritisiert. Die grüne Umweltstadträtin Tina Wirnsberger sah Kosten für notwendige Infrastruktur "zur Gänze ausgeklammert" und Sicherheitskosten "viel zu niedrig angesetzt".

    Die Sicherheitskosten

    Mennel kontert, dass Winterspiele 2026 laut der Studie keine oder kaum öffentliche Gelder verschlungen hätten. "Die Studie ist von 650 Millionen Euro an Steuereinnahmen ausgegangen." Das Innenministerium habe für den – nach Volksbefragung – gescheiterten Tiroler Olympia-Anlauf Sicherheitskosten von 50 Millionen angesetzt. Mennel: "Das kann sich jeder ausrechnen. Da bleiben 600 Millionen übrig." So gesehen dürfte sich das ÖOC allerdings nicht an Aussagen von Finanzlandesrat Anton Lang (SPÖ) gestoßen haben, der betont hatte, das Land Steiermark habe für Winterspiele "kein Geld".

    Seitens des ÖOC wird die Seriosität der Machbarkeitsstudie betont. Ihre Erstellung hatte drei Monate lang gedauert und 180.000 Euro gekostet, also deutlich weniger als die Innsbrucker Machbarkeitsstudie im Vorjahr (270.000 Euro). An der steirischen Studie – Resultat: "Graz 2026 ist ohne großes Risiko möglich" – waren die Fachhochschule Campus 02, Joanneum Research, die Privatuniversität Schloss Seeburg und die Technische Universität Graz beteiligt. "Diese Studie", sagt Mennel, "hat nicht irgendein Buchmacher erstellt."

    Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) schloss sich am Freitag dem ÖOC-Wording an. "Die größte Chance ist dahin. Graz, Schladming und die Wintersportgemeinden wurden im Stich gelassen." Laut Nagl hat sich "die Achse der perspektivenlosen Neinsager von KPÖ, Grünen bis zur Landes-SPÖ leider durchgesetzt". Laut den Grünen wurde Nagls "finanzielles Himmelfahrtskommando rechtzeitig gestoppt". Die Grazer KPÖ-Stadträtin Elke Kahr erklärte: "Das ÖOC will der Landesregierung den schwarzen Peter zuschieben." Trotz des Scheiterns in Tirol und der Steiermark schließt das ÖOC künftige Bewerbungen nicht aus.(Fritz Neumann, 6.7.2018)

    • "Die größte Chance ist dahin", sagt Bürgermeister Siegfried Nagl.
      foto: apa/scheriau

      "Die größte Chance ist dahin", sagt Bürgermeister Siegfried Nagl.

    • Peter Mennel vermisste das Commitment der steirischen Landesspitze.
      foto: apa/expa/stefan adelsberger

      Peter Mennel vermisste das Commitment der steirischen Landesspitze.

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