Wie Spinnen zu Flügen über hunderte Kilometer aufbrechen

    6. Juli 2018, 12:40
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    Forscher stellen bei Experiment fest, dass die Tiere elektrische Felder wahrnehmen und zum Abheben ausnützen können

    foto: michael hutchinson
    Ein Mini-Luftschiff macht sich abflugbereit.

    Washington – "Luftschiffen" nennt sich eine Fähigkeit, mit der Spinnen zwar nicht kompensieren können, dass sie von Insekten buchstäblich überflügelt wurden. Aber zumindest ein bisschen können sie damit die Vorteile des Lebensraums Luft nutzen.

    Insbesondere die wenige Millimeter kleinen Baldachinspinnen (Linyphiidae) sind hervorragende Luftschiffer. Sie recken den Hinterleib in die Luft und produzieren einen Faden, der vom Wind erfasst wird, sobald er eine ausreichende Länge hat. Am Ende dieses Fadens lassen sich dann die Spinnen über Distanzen tragen, die sie zu Fuß im Leben nicht bewältigen würden: Sie können von den Luftströmungen einige Kilometer hoch getragen werden und sogar einige hundert Kilometer weit gelangen. Für ein flügelloses Kleintier ist das eine enorme Starthilfe in Sachen Ausbreitung.

    Experiment gibt Aufschluss

    Ein Forscherteam um Erica Morley von der britischen Universität Bristol hat sich nun genauer angesehen, wie die Spinnen ihre Langzeitanflüge antreten. Dabei interessierte sie vor allem die Frage, wie Spinnen mit ungünstigem Wetter umgehen – insbesondere wenn der Wind ausbleibt. Laut der in "Current Biology" veröffentlichten Studie haben die Spinnen noch ein weiteres As im Ärmel: Sie scheinen auch elektrische Felder zum Abheben nutzen zu können.

    Zu diesem Schluss kam Morley durch ein Experiment, für das sie Baldachinspinnen der Gattung Erigone in eine Kiste setzte, in der ein elektrisches Feld erzeugt werden konnte. Das An- und Abschalten hatte auf das Verhalten der Tiere offensichtliche Auswirkungen: Wenn das elektrische Feld eingeschaltet war, machten sich die Spinnen zum Luftschiffen bereit. War das elektrische Feld dagegen abgeschaltet, blieben sie mit allen acht Beinen am Boden und warteten auf bessere Bedingungen. Mit ihren Trichobothrien genannten Tasthaaren können die Spinnen also offenbar nicht nur Luftströmungen, sondern auch elektrische Felder wahrnehmen.

    Und nicht nur das: Waren die Spinnen einmal in der Luft und die Forscher manipulierten erneut das Feld, zeigte auch das Auswirkung. An- und Abschalten führte dazu, dass die Spinnen entweder emporstiegen oder sanken. Wenn sich Spinnen tatsächlich elektrische Felder zunutze machen können, würde das erklären, wie sie auch an windstillen Tagen abheben könnten – und das sogar verhältnismäßig rasant: eine Frage, die schon Charles Darwin ins Grübeln gebracht hatte. (red, 6. 7. 2018)

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