"Ultra-Abo": Warum Netflix die Preisschraube anziehen muss

    6. Juli 2018, 09:19
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    Der Streaming-Konzern testet ein 16,99 Euro teures Monatsabo, das Einnahmen für neue Shows und Filme bringen soll

    Der beliebte Streaming-Anbieter Netflix will herausfinden, wie viel Kunden theoretisch für neue Abomodelle zahlen würden. Momentan testet Netflix in Europa ein neues Angebot, das vier verschiedene Preisklassen beinhaltet. Nur die "Ultra"-Variante für 16,99 Euro monatlich erlaubt es, in HDR und auf vier Bildschirmen gleichzeitig zu schauen. Beim Premium-Abo für 13,99 reduziert sich das auf zwei Bildschirme, beim Standard-Abo für 10,99 Euro gar nur auf einen.

    Kein Konto-Sharing mehr

    Die Reaktionen sind bislang negativ. In sozialen Medien beklagten zahlreiche User die Preiserhöhung. Sie hat mehrere Gründe. Vor allem wirkt es so, als ob Netflix der beliebten Praxis des Kontoteilens einen Riegel vorschieben möchte. Momentan nutzen etwa Familien oder WGs ein gemeinsames Konto, wo jeder auf seinem Bildschirm (Fernseher, Smartphone, Laptop) individuell fernsieht. Teils wird auch über mehrere Haushalte verteilt ein gemeinsames Konto benutzt. Das wäre nur mehr bei einem "Ultra"-Abo möglich, das preistechnisch ohnehin zwei Basic-Abos darstellt.

    Starke Konkurrenz

    Netflix will also mehr Geld verdienen. Das ist nötig, weil die Konkurrenz den bisherigen Streaming-König mit ganzer Kraft vom Thron stoßen will. Amazon investiert hohe Beträge in eigene Inhalte und plant etwa eine "Herr der Ringe"-Fernsehserie. Disney startet einen eigenen Streaming-Dienst mit "Star Wars" und "Marvel", dazu kommen US-Fernsehsender wie HBO oder CBS ("Star Trek", "Good Fight"). Netflix muss also viele eigene Shows und Filme entwickeln, die das Publikum überzeugen. Das kostet eine Stange Geld – schon jetzt gibt Netflix mehr aus als alle klassischen Fernsehsender.

    Kritische Masse an Haushalten

    Die Preiserhöhung zeigt aber auch, dass der IT-Konzern seiner eigenen Marke vertraut. Kunden müssen nicht mehr aggressiv angeworben oder mit allen Mitteln gehalten werden, vielmehr denkt Netflix, dass ein Abo unverzichtbar ist. Mit weltweit 125 Millionen Usern hat Netflix wohl auch eine kritische Masse an Haushalten erreicht. Viel mehr ist ohne Märkte wie China nicht drinnen. (red, 6.7.2018)

    • Netflix verärgert mit den getesteten Abomodellen einige Kunden
      foto: ap/ena

      Netflix verärgert mit den getesteten Abomodellen einige Kunden

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