Wölfe streiten öfter als Hunde, sind aber weniger nachtragend

8. Juli 2018, 09:00
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Forscherinnen beobachteten Versöhnungswillen bei Wölfen, aber nicht bei Haushunden

Wien/Ernstbrunn – So etwas wie "Versöhnung" nach einem Konflikt ist nicht alleine dem Menschen vorbehalten: Verhaltensforscher haben zunächst bei Schimpansen und später auch bei zahlreichen anderen Affen, Wildziegen, Delfinen, Fleckenhyänen, Saatkrähen und Raben nachgewiesen, dass zwei Streitparteien durch spezifisches Verhalten untereinander wieder die Wogen zu glätten versuchen.

Ein Team um Simona Cafazzo und Friederike Range vom Wolf Science Center (WSC) in Ernstbrunn (Niederösterreich) und dem Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat nun untersucht, wie oft Haushunde und Wölfe streiten, und wie sie sich anschließend verhalten. Die Unterschiede zwischen den beiden Arten sie größer als man annehmen würde.

Wölfe streiten öfter

Die Forscherinnen beobachteten dazu jeweils vier Rudel von Wölfen und Hunden, die in Gehegen im Wolfsforschungszentrum leben. In 500 Stunden gab es bei den Wölfen 419 Aggressionen untereinander, bei den Hunden lediglich 55. Während bei den Wölfen aber sechs von zehn Konflikten ohne Körperkontakt etwa durch reines Drohen, Nachlaufen und Hinschnappen gelöst wurden, machten sich die Hunde diese im Regelfall (in neun von zehn Fällen) mit tätlichen Angriffen wie Beißen und Niederstoßen aus.

Die Hunde zeigten in der Studie auch keine Anzeichen von Versöhnung, sondern gingen einander nach einem Streit stets aus dem Weg, berichten die Wissenschafterinnen im Fachjournal "Royal Society Open Science". Wölfe verbrachten nach einem Konflikt jedoch mehr Zeit miteinander, wobei die Versöhnung meist vom unterlegenen, rangniedrigeren Tier ausging.

"Unverbindlich soziale" Hunde

In der Natur sind Wölfe viel mehr auf einander und eine funktionierende soziale Gruppe angewiesen, als Hunde, erklären die Forscherinnen. Wölfe jagen im Rudel, verteidigen ihr Gebiet als Gruppe und ziehen gemeinsam ihre Jungen auf. Hunde müssen sich hingegen eher mit den Menschen gutstellen, als mit Artgenossen. Selbst freilebende Hunde handeln nur im Bedarfsfall gemeinsam. Die Forscherinnen nennen dies "unverbindlich sozial". Deshalb ist die Fähigkeit, sich flott wieder auszusöhnen, für Wölfe viel wichtiger, als für ihre domestizierten Verwandten.

In früheren Studien eines belgischen Teams zeigten aber auch Hunde die Fähigkeit, einander zu versöhnen, so die Forscherinnen. Sie wollen nun herausfinden, unter welchen Umständen die Tiere dazu gewillt sind. (red, APA, 8.7.2001)

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