"Klopapier verkehrt": Tinder-Nutzer scannen Fotos nach Details

    6. Juli 2018, 08:14
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    Auf Datingplattformen wie Tinder entsteht gerade ein neuer Sport – die systematische Analyse von Fotos, um Flirts zu starten

    Hana Michels ist eine Autorin und Comedian aus Los Angeles. Dass sie Humor hat, will sie auf ihrem Tinder-Profilbild zeigen: Dort sieht man die 30-Jährige mit Duschhaube beim Zähneputzen. Im Hintergrund kann man einen Halter für Klopapierrollen entdecken. Und das taten dutzende Männer. Michels erzählte auf Twitter, dass sie binnen eines Jahres von 23 Tinder-Nutzern kontaktiert wurde, die nur eines wollten: Michels darüber informieren, dass sie ihre Klopapierrolle verkehrt herum aufgehängt hat.

    Kein Einzelfall

    Michels Tweet sorgt nun in sozialen Medien für Furore. Das liegt auch daran, dass viele Nutzer bereits ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Egal ob ein auf dem Profilfoto abgebildetes Essen, Filmplakate im Zimmer, erkennbare Sehenswürdigkeiten oder eben Klopapierrollen: Zusehends bemerken vor allem Nutzerinnen, dass sie auf eigentlich nebensächliche Details auf ihren Bildern angesprochen werden.

    "Investidating"

    Englischsprachige User haben dafür schon ein eigenes schönes Wort erfunden: "Investidating", eine Mischung aus untersuchen (investigate) und Dating. Der Guardian hat mit mehreren Usern gesprochen, die zugaben, diese Methode zu verwenden. Ed "würde zwar nicht so weit gehen, über Toilettenpapier zu sprechen", er scannt aber Fotos durchaus nach Details ab. Der Grund dafür ist die Suche nach einem anregenden Gesprächsbeginn. Das allgegenwärtige "Hey, wie geht’s?" beeindruckt auf Tinder niemanden mehr.

    Übergriffig oder smart?

    Doch manche Nutzerinnen empfinden das als übergriffig. Teilweise werden Details angesprochen, die den Abgebildeten selbst nicht aufgefallen sind – beispielsweise ein nicht gemachtes Bett. Andere nutzen das "Investidating" offensiv aus, indem sie selbst Hinweise auf ihre Persönlichkeit in den Bildern verstecken. Klar ist nach den heftigen Debatten auf Social Media nur eines: Klopapierrollen sind wohl wirklich kein guter Gesprächsbeginn. (red, 6.7.2018)

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      foto: reuters/blake
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