Die Sommer-Lese-Liste der STANDARD-Redakteure

7. Juli 2018, 08:30
93 Postings

Die Redaktion hat für Sie Bücher in die Strandtasche gepackt und wünscht vergnügliche Lektüre und einen schönen Urlaub!

collage: standard

Mia Eidlhuber/Album:

Karl Ove Knausgard "Im Sommer"

"Das Wetter ist seit längerem schön": Mit Karl Ove Knausgard die Natur, den Garten, den Sommer durchleben. Auch das Jahreszeiten-Projekt des Norwegers geht nicht ohne entsprechend viele Seiten. Illustriert von Anselm Kiefer (€ 24,70, Luchterhand 2018).


Stefan Gmünder/Album:

Anthony B. Atkinson "Ungleichheit"

2016 erschienen und aktueller denn je: Anthony Atkinsons mit viel Zahlenmaterial untermauerte Studie Ungleicheit (Klett Cotta, € 15,40). Der britische Ökonom kritisiert nicht nur die wachsende soziale Ungleichheit, er bietet auch Vorschläge für einen Wandel.


Christoph Winder/Album:

William Penn "Früchte der Einsamkeit"

William Penn, vor 300 Jahren verstorbener Gründer von Pennsylvania, war revolutionärer politischer Praktiker und Schriftsteller. Penn-Forscher Jürgen Overhoff präsentiert in Früchte der Einsamkeit (Ü: Joachim Kalka; Klett-Cotta, € 28) eine Aphorismen-Auswahl.


Gregor Auenhammer/Bildband:

André Heller "Anima"

Als Hommage an die Seele der Schöpfung schuf Universalkünstler André Heller in Marrakesch den Zaubergarten Anima (Brandstätter-Verlag, € 29,90). Staunen lässt einen auch der von Albina Bauer (Fotos) & An drea Schurian (Text) fein komponierte Bildband. Wunderbarst!


Peter Mayr/Kinderbuch:

Kate Baker, Eleanor Taylor "Geheimnisse des Meeres"

Beeindruckende Welten, wunderschöne Illustrationen: Kate Baker und Eleanor Taylor zeigen in Geheimnisse des Meeres eine Welt, die man so nicht kennt._Seien es Atolla-Quallen oder Riesenröhrenwürmer – für Entdecker (Prestel-Verlag, € 20,60)! Ab sieben Jahren.


Ingeborg Sperl/Krimi:

Andrea Camillieri "Eine Stimme in der Nacht"

Immer für Unterhaltung gut: Andrea Camilleri löst in seinem 20. Band Eine Stimme in der Nacht (Lübbe, € 22.70) mit Commissario Montalbano das Verschwinden von Geld aus einem Supermarkt. Aber nicht alle sind über eine Aufklärung glücklich.


Karin Pollack/Gesundheit:

Allen Frances "Amerika auf der Couch"

Vom narzisstischen US-Präsidenten Donald Trump auf eine Gesellschaft schließen, die ihn gewählt hat: der renommierte Psychiater Allen Frances stellt in Amerika auf der Couch (Dumont, 2018 € 26,80) Bezüge her, die von allgemein globaler Gültigkeit sind. Unbedingt auch für Nicht-Amerikaner
lesenswert.


Bernadette Redl/Gesundheit:

Adam Rutherford "Eine kurze Geschichte von jedem, der jemals gelebt hat"

Woher komme ich? Das interessiert jeden. Die Erforschung des menschlichen Genoms hebt die Ahnenforschung auf eine neue Ebene. Adam Rutherford erklärt in Eine kurze Geschichte von jedem, der jemals gelebt hat (Rowohlt, € 17,50) die Menschheitsgeschichte mit Witz und Expertise.


Sascha Aumüller/Lifestyle:

Tyler Brûlé "The Monocle Guide to Hotels..."

Auf den kanadischen Journalisten und Desginer Tyler Brûlé können sich geschmäcklerische Reisende verlassen. Der Vollzeit-Kosmopolit scheint völlig immun gegen oberflächlichen Bling Bling, schätzt aber durchdachte Architektur und persönlichen Service in einer uniformer werdenden Hotellandschaft. Für seinen aktuellen Monocle Guide to Hotels, Inns and Hideaways (Gestalten, € 35, englisch) hat er die gesamte Monocle-Redaktion in den letzten zehn Jahren dazu verdonnert, weltweit die gemütlichsten Herbergen auf Herz und Nieren zu testen. Herausgekommen ist eine appetitlich bebilderte Top-100-Liste von Lieblingshotels, die durch amüsante Essays und scharfe Beobachtungen zum Thema professionelle Gastfreundlichkeit ergänzt wurde.


Petra Eder/Lifestyle:

Robin Lane Fox "Der englische Gärtner"

Der Historiker und leidenschaftliche Gärtner Robin Lane Fox schreibt in Der englische Gärtner (Verlag Klett-Cotta, € 32,90) in persönlichen, teils sehr amüsanten Beiträgen über die Freuden und Nöte des Gartelns. Im englischen (Zier-)Garten natürlich, es geht um Sträucher und Blumen, nicht um den Anbau von Zucchini und Tomaten.


Anne Feldkamp/Lifestyle:

Pernille Teisbaek "Dress Scandi"

Outfitinspirationen findet man heute eigentlich auf Instagram. Die Modebloggerin Pernille Teisbaek und ihr Buch Dress Scandi (Verlag Knesebeck, € 20,00) sind trotzdem zu empfehlen: Weil Frau Teisbaeck Geschmack hat und handfeste Tipps gibt: "Sneakers sind zum Tragen da. Scheuen Sie sich nicht, sie dreckig zu machen." Genau so!


Michael Hausenblas/Lifestyle:

Jutta Riegel "Hausboot Love"

Schon lange Zeit bevor die Tiny-Houses-Bewegung in Schwung kam, machten es sich Menschen auf Hausbooten gemütlich. Jutta Riegel hat für das Buch Hausboot Love (Verlag Delius Klasing, € 19,90) 15 schwimmende Behausungen von Wikinger-rustikal bis Rosamunde-Pilcher-schick fotografiert und beschrieben.


Karin Bauer/Karriere:

Victor Klemperer "LTI"

"Aus der Sprache den Geist feststellen" und daraus "den untrüglichsten, den umfassendsten Steckbrief" ersehen: Das hat sich Victor Klemperer 1941 vorgenommen. Daraus ist Lingua Tertii Imperii (LTI) geworden. Ein Must-read, Must-re-read, um nicht zur Gefolgschaft zu werden, die "nicht denkt, nicht fühlt", nur mehr folgt. Victor Klemperer, "LTI", Reclam, € 24,95


Selina Thaler/Karriere:

David Graeber "Bullshit Jobs: A Theory"

Er nennt sie "Flunky" (Lakai) oder "Duct Taper" (Tixo-Kleber) und meint Leute mit Bullshit-Jobs. Der Anthropologe beschreibt, basierend auf 250 Fallstudien, warum es immer mehr Jobs gibt, die gesellschaftlich so sinnlos seien, dass selbst die Arbeitenden nicht an sie glauben. David Graeber, "Bullshit Jobs", Simon & Schuster, € 23,99; auf Deutsch ab 30. 8., Klett-Cotta


Anna Sawerthal/International:

Tim Marshall "Die Macht der Geographie"

Leicht vergisst man, dass hinter fast allen globalpolitischen Konflikten eine überdauernde Konstante steht: Die Natur. Berge, Wüsten, Flüsse –_Tim Marshall erklärt in Die Macht der Geographie (dtv, € 12,90) anhand von zehn Karten, wie die Landschaft der Erde bestimmt, was Staatschefs tun können – und was nicht.


Anna Giulia Fink/International:

Fernando Aramburu "Patria"

Bis zu ihrer Auflösung war die baskische Eta die älteste Untergrundgruppe Europas – und dennoch lag bislang kaum literarischer Stoff über sie vor. Umso wuchtiger kommt Fernando Aramburus Roman Patria (Rowohlt, € 25, nun auch auf Deutsch) über die Nachwehen ihres jahrzehntelangen Befreiungskampfes daher.


Manuel Escher/International:

A.D. Miller "Snowdrops"

Schneeflocken, Snowdrops, nennt man in Russland erfrorene Menschen, die mit dem Schnee auftauen. Der Ex-Economist-Korrespondent A.D. Miller hat seinen Roman über Boom und Verfall auf Englisch so genannt (Fischer, € 9,99). Auf Deutsch heißt er Die eiskalte Jahreszeit der Liebe. Das ist weniger passend.


Gudrun Harrer/International:

Rainer Hermann "Arabisches Beben"

"Die wahren Gründe der Krise im Nahen Osten" lautet der Untertitel des neuen Buchs von Rainer Hermann. (Klett-Cotta, € 16,95). Der langjährige Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung liefert auf 340 Seiten (plus Anhang) das perfekte Rüstzeug für das Verständnis einer Region, die uns täglich beschäftigt.


Doris Hahn/Wirtschaft:

Peter Eigner, Helmut Falschlehner, Andreas Resch "Geschichte der österreichischen Privatbanken"

Die Historie des privaten Bankwesens beleuchten Peter Eigner, Helmut Falschlehner und Andreas Resch in Geschichte der österreichischen Privatbanken (Springer, € 51,39) und spannen einen informativen Bogen von der Blütezeit der Privatbankiers im 19. Jahrhundert über die Weltkriegszeit bis hin zur Gegenwart.


Andras Szigetvari/Wirtschaft:

Yanis Varoufakis "Adults in the Room"

Als Finanzminister Griechenlands war Yanis Varoufakis nur eine kurze Karriere beschieden. Als Querdenker und Autor allerdings bleibt der Ökonom interessant. In seinem Werk Adults in the Room (Random House, € 24,90) erzählt Varoufakis unterhaltsam über seinen "Kampf" mit Europas Establishment.


Aloysius Widmann/Wirtschaft:

Barry Eichengreen "The Populist Temptation"

Einer der wichtigsten Wirtschaftshistoriker der Gegenwart befasst sich mit einem der dringendsten Themen unserer Zeit: The Populist Temptation (Oxford University Press, € 22,99) von Barry Eichengreen geht bis ins späte 19. Jahrhundert zurück, um die Ursachen von Trump und Brexit zu ergründen.


Bettina Pfluger/Wirtschaft:

Aaron Koenig "Cryptocoins – Investieren in digitale Währungen"

Kryptowährungen sind gar nicht so kryptisch, wie sie klingen. Es braucht nur jemanden wie Aaron Koenig, der sie versteht und erklärt. Mit Cryptocoins – Investieren in digitale Währungen (Finanzbuchverlag, € 17,50) erzählt der Berater und Autor die Entwicklung von Bitcoin und Co. und gibt Tipps für den Einstieg.


Irene Brickner/Panorama:

Ernst Berger, Ruth Wodak "Kinder der Rückkehr"

Ihre Eltern, Juden und Kommunisten, kamen nach der Nazizeit in die Heimat zurück. Sie selbst blieben einander im reaktionären Österreich bis heute verbunden, wie Ernst Berger und Ruth Wodak in Kinder der Rückkehr (Springer, € 59,99) schildern.


Oona Kroisleitner/Panorama:

Paul Tesarek "Ich bin Bürgermeister und nicht Gott"

Am 24. Mai 2018 übergab Michael Häupl nach 23,5 Jahren das Amt des Wiener Bürgermeisters. Die Höhen und Tiefen der Ära Michael Häupl beleuchtet Paul Tesarek in Ich bin Bürgermeister und nicht Gott (Echomedia, € 19,80).


Colette Schmidt/Panorama:

Hans-Henning Scharsach "Stille Machtergreifung"

Mit jeder Menge gründlich recherchierten Zahlen, Daten und Fakten zeigt Autor Hans-Henning Scharsach in Stille Machtergreifung (Verlag Kremayr & Scheriau, € 22,–) das Burschenschafternetzwerk der FPÖ-Spitze und ihrer Weggefährten auf.


Conrad Seidl/Inland:

Hans Rosling "Factfulness"

Das Vermächtnis des im Vorjahr verstorbenen schwedischen Medizinstatistikers Hans Rosling, der an vielen Beispielen nachweist, dass sich Politik und Wirtschaft an veralteten Daten und ihrer falschen Fortschreibung orientieren. Seine Erkenntnis: Die Welt ist besser als wir glauben. (Ullstein, 24,70€)


Katharina Mittelstetaedt/Inland:

Theresia Enzensberger "Blaupause"

Theresia Enzensberger erzählt die durchwachsene Emanzipationsgeschichte einer jungen Frau der 1920er-Jahre. Dafür hat sie so präzise recherchiert, dass man Sexismus, politische Unsicherheit und die Probleme der Protagonistin im Milieu der Bauhaus-Avantgarde fast als historisch abtun möchte. (Hanser, 22,70€)


Lisa-Marie Meier/Inland:

Thomas Rammerstorfer "Graue Wölfe"

"Die ‚Grauen Wölfe‘ sind überall mittendrin." Sie sind nicht an der Macht, aber viele ihrer Ideen. Sachlich schildert Thomas Rammerstorfer die komplexe Geschichte und Gegenwart, die Bedeutung und den Einfluss der "Grauen Wölfe" auf die türkische Gemeinschaft in Österreich und Deutschland. (Lit-V., € 19,90)


Fritz Neumann/Sport

Antoine Blondin "TdF, Mythos & Legende"

Der kleine, feine Egoth-Verlag hat Berichte, die der preisgekrönte, 1991 verstorbene Literat Antoine Blondin von 1954 bis 1982 für L’Equipe ver fasste, übersetzt und in Tour de France: Mythos & Legende (€ 10,99) herausgebracht. Ein Dokument. Passt jetzt.


Sigi Lützow/Sport:

Stefan Gmünder, Klaus Zeyringer "Das wunde Leder"

Quasi als Nachlese zur zu Ende gehenden WM eine Art "Best of Böse" des Geschäfts mit dem Fußball (Suhrkamp, € 12,40), zusammengetragen von Stefan Gmünder und Klaus Zeyringer. Die Enthüllung, wie Kommerz und Korruption einen Sport kaputtmachen.


Stephan Hilpold/Kultur:

Benjamin von Stuckrad-Barre "Remix 3"

Der schönste Text ist jener, in dem Benjamin von Stuckrad -Barre eine Redaktionskonferenz zu Thomas Bernhards 80. Geburtstag beschreibt. Okay, diese Einschätzung ist der eigenen Profession geschuldet. Tennisliebhaber werden dagegen die Beschreibung vom Besuch bei Boris Becker in Wimbledon lieben. Und Filmmenschen die Erzählung vom gemeinsamen Drehbuchschreiben mit Helmut Dietl. Die Textsammlung (Kiepenheuer & Witsch, € 20,60) versammelt ein Best-of des begnadeten Schreibers und Selbstdarstellers. Am besten häppchenweise lesen!


Dominik Kamalzadeh/Kultur:

Denis Johnson "Die Großzügigkeit der Meerjungfrauen"

Mit dem Tod von Denis Johnson im vergangenen Jahr hat die US-Literatur einen Autor verloren, der im Sumpf mensch licher Verwüstungen nach Momenten der Gnade suchte. Mit Die Großzügigkeit der Meerjungfrauen (Rowohlt, € 24,70) sind nun posthum fünf Short Stories erschienen, die allen, die bereits die beschädigten Seelen in Jesus’ Son mochten, gefallen werden. Fünf Geschichten von Versehrten und Verfolgten also, wie in Doppelgänger, Poltergeist über einen labilen Lyrikdozenten und seinen von Elvis besessenen Schüler.


Karl Fluch/Kultur:

Celeste Ng "Kleine Feuer überall"

Eine subtile Anleitung zur Emanzipation in einem von Regelwerk verbauten Leben. Das jubelt uns die US-Amerikanerin Celeste Ng mit ihrem zweiten Bestseller Kleine Feuer überall (dtv, € 22,70) unter. Ihr Roman beginnt mit einem Inferno, dessen Entstehung sie im Anschluss anhand einer mitreißenden Familien geschichte herleitet. Schicksalhaft, abwechslungsreich, traumhaft.


Ljubisa Tosic/Kultur:

Nikolaus Harnoncourt "Entdeckergemeinschaft"

Posthum hat Dirigent Nikolaus Harnoncourt in Wir sind eine Entdeckergemeinschaft (Residenz-Verlag, € 24,–) noch einmal das Wort ergriffen: Er schildert offenherzig die abenteuerliche Gründung des Concentus Musicus, dieses Pioniers des historischen Musizierens. Dazu Einblicke in den Alkoholkonsum der Klassikwelt, Interessantes zu Herbert von Karajan und giftige Musikrezensionen.


Margarete Affenzeller/Kultur

Emma Cline "The Girls"

Die mordende Charles-Manson-Sekte Ende der 1960er-Jahre ist der historische Bezugspunkt dieses Debütromans von Emma Cline aus dem Jahr 2016, der nun bei dtv auch als Taschenbuch vorliegt (€ 11,30). The Girls erzählt die Geschichte einer mit den Mitteln der Vernunft nicht erklärbaren Verführung heranwachsender junger Frauen und die fatalen Folgen. Die Salzluft in Kalifornien knistert.


Karl Gedlicka/Kultur:

Anton Čechov "Späte Erzählungen 1893–1903"

Knapp, nüchtern, empathisch: Nirgends ist Anton Čechov so sehr unser Zeitgenosse wie in seinen Erzählungen. Peter Urban hatte es sich zur Aufgabe gemacht, das Gesamtwerk des Russen neu zu übersetzen. Seine kongeniale Neuausgabe der Späten Erzählungen in zwei Bänden 1893–1903 (Diogenes, € 49,40) empfiehlt sich immer wieder zum Lesen – gerade auch, aber nicht nur im Sommer.


Anne Katrin Feßler/Kultur:

Martin Burckhardt "Score"

Brandneu, aber schon allein wegen 55 Seiten Anmerkungen keine optimale Hänge mattenlektüre ist Martin Burckhardts Philosophie der Maschine. Zum Glück hat er über das Leben unter dem Diktat des Algorithmus 2015 auch einen Roman (Knaus, € 14,99) verfasst, der mit Dave Eggers The Circle verglichen wurde: Score. Dunkle Dystopien lesen sich im gleißenden Sonnenlicht ohnehin besser.

Share if you care.