Menschenkette gegen Präsident Ortega in Nicaragua

    5. Juli 2018, 12:26
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    Demonstranten mit nicaraguanischen Flaggen fordern Rücktritt des Staatschefs

    Managua – Mit einer Menschenkette haben tausende Menschen in Nicaragua gegen Präsident Daniel Ortega protestiert. Die Demonstranten kamen am Mittwoch in den Nationalfarben Blau und Weiß auf der Straße zwischen der Hauptstadt Managua und Masaya zusammen, um eine 3,5 Kilometer lange Menschenkette zu bilden.

    "Das Volk ist aufgestanden und hat keine Angst", sagte ein 27-jähriger Demonstrant mit einer nicaraguanischen Flagge. "Wir sagen Kommandant Ortega, dass er gehen und zurücktreten soll."

    In Managua gingen außerdem Hunderte Anhänger Ortegas in den Farben der regierenden Sandinistischen Befreiungsfront auf die Straße. Die Demonstranten schwenkten rote und schwarze Fahnen und forderten in Sprechchören "Kein Rücktritt" und "Kommandant Ortega muss bleiben".

    Ortega will bleiben

    Die Unruhen in Nicaragua hatten Mitte April begonnen, als Sicherheitskräfte Demonstrationen gegen Rentenkürzungen gewaltsam niederschlugen. Seither weiteten sich die Proteste auf das ganze Land aus. Sie richten sich inzwischen gegen den autoritären Regierungsstil von Staatschef Ortega und seiner Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo. Der ehemalige Guerillakämpfer regierte Nicaragua von 1979 bis 1990 und erneut seit elf Jahren, sein derzeitiges Mandat endet im Jänner 2022.

    Seit Beginn der Protestwelle wurden mehr als 220 Menschen getötet und rund 1.500 weitere verletzt. Erst am Dienstag war es in La Trinidad im Norden Nicaraguas zu Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und der Polizei gekommen. Nach Berichten der Staatsmedien wurde ein Mitglied der Sicherheitskräfte getötet. Menschenrechtsaktivisten sprachen von mehreren verletzten Demonstranten.

    Die katholische Bischofskonferenz bemüht sich seit Wochen um eine Vermittlung in dem Konflikt. Die Gespräche stocken jedoch, weil Ortega sich weigert, die für 2021 geplanten Wahlen auf März kommenden Jahres vorzuziehen. (APA, 5.7.2018)

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      foto: afp photo / marvin recinos
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