Besseres Leben dank Computerbildung

7. Juli 2018, 09:48
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Kinder aus Roma-Gemeinden sollen mit einem Projekt der TU Wien digitale Fähigkeiten lernen

foto: tu wien
Auch so kann man lernen: Kinder bauen ein Bananenklavier.

Zehn bis zwölf Millionen Roma leben in Europa, davon rund sechs Millionen in der EU. Sie bilden Europas größte ethnische Minderheit, haben natürlich mit Ausgrenzung zu kämpfen. Sie leben in Siedlungen, Infrastrukturen wie Schulen oder Geschäfte kennen sie kaum. Nur weniger dieser Roma-Kinder haben ein Tablet, geschweige denn einen Roboter gesehen. Ein an der TU Wien umgesetztes EU-Projekt mit dem Titel "Head of the clouds" soll nun bei beiden Defiziten ansetzen.

Die Vermittlung und Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls steht im Zentrum einer von sechs Boxen, die in Kooperation mit Partnerorganisationen in der Slowakei, Kosovo und Rumänien und mit pädagogischer Unterstützung des Vereins "Offenes Lernen" entwickelt wurden. Neben Einheiten zu Programmieren und IT gibt es auch Lerneinheiten zu größeren Themenbereichen wie Umwelt oder Englischkenntnissen, die jedoch mit digitalen Fähigkeiten kombiniert werden.

Laut den Forschern gab es die heute zehn meistgefragten Jobs vor 15 Jahren noch nicht einmal. Lehrer müssen Schüler heute auf Aufgaben vorbereiten, die erst in der Zukunft relevant sein werden.

Das EU-Projekt soll den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen Digitalisierung deswegen durch gezielte Förderung von Eigeninitiative näherbringen. Da die rund 100 Kinder verschiedene Vorkenntnisse haben, ist diese sogenannte SOLE-Herangehensweise, die für "self-organised learning environment" steht, offenbar eine Notwendigkeit.

Der eigene Antrieb

"Es ist wie beim Programmieren: Du steigst irgendwo ein und folgst deinem eigenen Antrieb, bis du an einen Punkt kommst, wo du in Foren nachschauen oder andere befragen musst", sagt Niina Novak vom Institut für Information-Systems-Engineering der TU Wien. In den ausgewählten Schulen und Gemeinden gäbe es generell schon einen großen Aufholbedarf, da unter den Eltern der Kinder eine hohe Analphabetismusrate bestehe. "Die meisten Kinder gehen nicht in die Schule. Wir wollten einen Bildungsansatz wählen, der alternativ zum bestehenden Schulsystem ist, das sie bereits kennen."

In einer Dokumentation über das Projekt berichten Mentoren von Kindern, die während der Schulzeit apathisch im Unterricht sitzen. Der spielerische Ansatz habe ihren Wissensdurst geweckt, weswegen sie nun freiwillig am Nachmittagsprogramm teilnähmen. Die Bilanz nach der ersten Phase des Projekts ist deswegen sehr positiv, auch was soziale Kompetenzen betrifft: "Kinder, die sich früher bekriegt haben, sitzen nun gemeinsam in der Ecke und schauen sich am Tablet Aufgaben an", sagt die Expertin für Information-Systems-Engineering abschließend. (krops, 7.7.2018)

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