Ernüchterte Schweiz: "Nicht bereit für wirklich wichtige Spiele"

    4. Juli 2018, 12:37
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    Nati fand keine Antwort auf das schwedische Defensivkonzept – Nach neuerlichem Aus im ersten K.o.-Spiel beginnt das große Hinterfragen – Skandinavier mit viel Selbstvertrauen in Viertelfinale gegen England

    St. Petersburg – Es war die große Chance für eine außergewöhnliche Generation. Doch die Schweiz bleibt bei Großereignissen in K.o.-Spielen sieglos. Auch bei der Fußball-WM in Russland schied die "Nati" mit einem 0:1 gegen Schweden im Achtelfinale aus. Einmal bei Europameisterschaften und nun fünfmal bei Weltmeisterschaften kam seit 1954 das Aus beim ersten Entscheidungsspiel.

    "Wir bleiben der ewige Achtelfinalist", stellte das Boulevardblatt "Blick" resignierend fest. Für Enttäuschung in der Schweiz sorgte nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Art und Weise, wie es zustande kam. Ohne großes Aufbäumen fügten sich die Schweizer einer Niederlage als besseres Team. Mehr Torschüsse, mehr Eckbälle, mehr Ballbesitz, mehr Pässe – die einzige Ausbeute nach der schwedischen Führung waren aber zwei Kopfbälle, von denen auch nur einer wirklich gefährlich war.

    Die Ernüchterung war deshalb so groß, weil manch einer vom großen Coup geträumt hatte. Die Schweiz war als Weltranglisten-Sechster nach Russland gereist, sie hatte seit der EM 2016 nur eines von 21 Spielen verloren. Und der Weg durchs Turnier schien nach dem Scheitern von Teams wie Deutschland, Spanien oder Argentinien machbar.

    Emotionslos

    Teamchef Vladimir Petkovic vermisste bei seinem Team Emotionen. "Warum die Emotionen fehlten, ist im ersten Moment nicht einfach zu erklären. Natürlich hängt das auch mit dem Gegner zusammen. Vielleicht hatten wir Angst (vor der Niederlage), die letzte Überzeugung fehlte. Das Spiel war irgendwie nicht flüssig, sondern wie verklebt. Uns fehlte die Leichtigkeit, die Lockerheit", erklärte Petkovic.

    Mittelfeldspieler Valon Behrami, der auch mit 33 Jahren im Nationalteam weitermachen will, wurde grundsätzlicher. "Vielleicht haben wir unser Limit erreicht. Ich habe das Gefühl, dass wir nicht bereit für die wirklich wichtigen Spiele sind, oder nicht gut genug." Auch Granit Xhaka war frustriert. "Ich habe das nun bei drei Turnieren hintereinander erlebt", sagte der 25-Jährige über den inzwischen veritablen Achtelfinal-Fluch, denn auch im insgesamt vierten Anlauf gelang den Schweizern in dieser Runde nicht einmal ein Tor. "Das kann einmal passieren, vielleicht auch zweimal", sagte Xhaka: "Aber dreimal? Das ist sehr enttäuschend."

    Rendezvous mit der Realität

    Die "Neue Zürcher Zeitung" hatte für die Vermutung, dass die Schweizer Nationalmannschaft eben doch noch ein Stück von der Weltklasse entfernt und nicht besser als am Dienstag gezeigt ist, einen Vergleich aus der Tierwelt parat: "Am Ende ist es vermutlich ähnlich, wie wenn man einer Katze ständig erzählt, sie sei ein Löwe. Selbst wenn die Katze dies tatsächlich glaubt, bleibt sie, was sie ist. Eine Katze eben."

    Der "Blick" schlug ohne Anleihe aus dem Tierreich in dieselbe Kerbe: "Die Schweiz ist an ihre Limiten gestoßen. Versagt haben vor allem die, die enormes Selbstvertrauen besitzen und für sich in Anspruch nehmen, Weltklassefußballer zu sein." Ob Trainer Vladimir Petkovic weitermachen darf, ist trotz Vertrages bis 2020 zumindest offen.

    Schweden: "Volldampf voraus"

    Die Schweden wiederum feiern ausgerechnet beim ersten Turnier ohne Superstar Zlatan Ibrahimovic ihren größten Erfolg seit dem Viertelfinaleinzug bei der WM 1994. Im Viertelfinale am Samstag (16.00 Uhr MESZ) wartet England. In dieses Duell gehen die Skandinavier nun mit großem Selbstvertrauen. Teamchef Janne Andersson stellte klar, dass sich sein Team mit dem Viertelfinaleinzug noch nicht zufriedengibt. "Wir wollen auch das nächste Spiel gewinnen, Volldampf voraus." Die Schweden sind für England traditionell ein schwieriger Gegner. Von 1968 bis 2011 blieben die Briten 43 Jahre ohne Sieg gegen Schweden.

    "Wir haben keine individuellen Qualitäten wie zum Beispiel Deutschland. Aber wir sind eine richtige Mannschaft", sagte Siegestorschütze Emil Forsberg. Seine Worte will er in Richtung Ibrahimovic nicht überinterpretiert wissen. Große Mühe, den Verdacht zu beseitigen, gibt der 26-Jährige sich aber nicht: "Ich will nicht darüber reden."

    Nachdem die Kontertaktik mit schnellem Umschaltspiel bereits gegen die Schweiz zum Erfolg geführt hat, wird Andersson wenig Grund sehen, den Spielansatz gegen England zu ändern. "Ich denke nicht, dass ihre Spieler auf uns treffen wollen. Wir haben immer wieder gezeigt, dass wir ein Team sind, auf das niemand treffen will, ein Team das nur sehr wenige Torchancen zulässt", sagte Mittelfeldspieler Gustav Svensson. (APA, 4.7. 2018)

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      foto: imago/itar-tass/demianchuk

      Valon Behrami: "Vielleicht das Limit erreicht"

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