31 Jahre später: Warum Qbasic immer noch super ist

    15. August 2018, 09:02
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    Immer noch ermöglicht die Sprache einen flotten Einstieg in die Welt des Programmierens

    Es war Fixbestandteil von MS-DOS und für viele, die vor rund drei Jahrzehnten ihren ersten Computer anschafften, ihre erste Begegnung mit einer Programmiersprache: Qbasic. Unter dem Namen versteht man eine abgespeckte Variante der Sprache Basic, als auch die Programmierumgebung (IDE), über die man sie erschloss.

    Microsoft schleppte sie viele Jahre mit. Nach dem DOS-Zeitalter wurde sie noch bis Windows ME, das Mitte 2000 erschien, vorinstalliert und konnte im "DOS-Modus" abgerufen werden. Heute spielt sie freilich keine Rolle mehr – obwohl gerade ihre Einfachheit sie nach wie vor auch einzigartig macht, wie der Entwickler Nicolas Bize zeigt.

    Der vergessene Oldie

    Freilich darf man die Defizite von Qbasic nicht leugnen. Eine Menge heute wichtiger Befehle und Funktionen gibt es einfach nicht, die Deklaration von Variablen ist oft mühsam, die Performance ist nicht besonders gut. Und vor allem: Sie ist streng prozedural und damit ein Relikt in einer Welt, in der längst objektorientiertes Programmieren zum Standard geworden ist.

    Dennoch lassen sich damit durchaus komplexe Games umsetzen, wie der Trailer zum Spiel Spiel "Black Annex" zeigt, das allerdings seit der Ankündigung 2013 noch nicht erschienen ist. Zudem erfreute sich Qbasic auch "nach seiner Zeit" einer gewissen Popularität in der Demoszene.

    lance e. mcdonald

    "Das Beste, wenn man das Programmieren entdecken will"

    Bize hat einen siebenjährigen Sohn namens Noah, der vor kurzem sein Interesse an der Entwicklung von Videospielen entdeckt hat. Für den Programmierer stellte sich die Frage, mit welcher Sprache er sein Kind erste Erfahrungen machen lassen sollte. Fünf Monate lang probierte er verschiedene Lösungen aus – von Smallbasic bis zur speziell an Kinder gerichteten Sprache Scratch.

    "Es endete mit einem enttäuschenden Fazit", schreibt er in einem Blogeintrag. "Nichts entspricht einmal ansatzweise dem, was ich damals zur Verfügung hatte. 30 Jahre später ist Qbasic immer noch das Beste, wenn man das Programmieren entdecken will." Und Noah trat für ihn den Beweis an.

    "Code in seiner reinsten Form"

    Weil Qbasic mit modernen Betriebssystemen nicht mehr kompatibel ist, wurde es mit Hilfe einer DOS-Box eingerichtet. Nach dem "heiligen Ritual", dem Erzeugen einer Bildschirmausgabe des Textes "Hello World" (PRINT "Hello World") zeigte das Kind sich fasziniert. Bize erklärte ihm ein paar andere grundsätzliche Befehle. Er zeigte dem Buben etwa, wie man mit "CLS" den Bildschirminhalt löscht, mit "INPUT" Eingaben entgegen nimmt und über "IF/THEN" Bedingungen prüft.

    All das ging ohne Hindernisse. Weder musste ein abstraktes Konzept vermittelt werden, noch war eine Anleitung erforderlich und auch das Interface verwirrte nicht mit zahllosen Knöpfen. "Es war Code in seiner reinsten Form", erzählt der Entwickler.

    foto: screenshot
    Alt, aber gut: Qbasic.

    Erstes Programm in einer Stunde

    Binnen einer Stunde hatte sein Sohn sein erstes Programm geschrieben. Es fragte den Nutzer nach seinem Namen und lobte ihn, wenn er "Noah" hieß. "You are the worst" stand hingegen am Bildschirm, wenn etwas anderes eingegeben wurde. Stolz führte Noah das kleine Spiel seinem Cousin vor – und konnte ihm dabei auch erklären, wie der Code funktionierte.

    Für den Vater war das nicht nur ein stolzer Moment, sondern zugleich auch ein wenig betrüblich. "Mein einziger Kummer heute ist, dass wir in 30 Jahren nichts besseres für unsere Kinder entwickelt haben", sagt er.

    Die Einfachheit von Qbasic ist nach wie vor ungeschlagen, argumentiert Bize. Die komplette Dokumentation passt in eine Hilfedatei. Die Entwicklungsumgebung hat eine simple, praktisch gehaltene Oberfläche und zeigt Fehler im Code schnell an.

    Viele Tools für erste Schritte

    Kindern die Grundlagen des Programmierens beizubringen ist eine Mission, der sich eine Reihe von Firmen verschrieben haben. Die Plattform Tynker versucht etwa, die Basics des Programmierens mit der Multiplayer-Sandbox "Minecraft" zu verknüpfen. Googles App "Grasshopper" soll am Handy den Einstieg in die App-Programmierung ermöglichen. Die Lego-Reihe "Mindstorm" verknüpft wiederum das Schreiben von Code mit den Grundlagen der Robotik.

    Wer doch erste Schritte in Qbasic machen möchte, muss dafür übrigens nicht unbedingt eine DOS-Box aufsetzen. Unter dem Titel QB64 gibt es einen mit modernen Systemen kompatiblen Compiler, der nach wie vor aktiv entwickelt wird. Und auf der Codeplattform Repl.it ist auch ein direkt im Browser ausführbarer Compiler zu finden. (Georg Pichler, 15.08.2018)

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