Entschlüsselung des Koala-Erbguts soll den Schutz der Tiere verbessern

7. Juli 2018, 07:30
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Das Genom der plüschigen Beutler bietet neue Einblicke in deren einzigartige Biologie. Forscher hoffen, die Spezies damit auch vor Krankheiten bewahren zu können

Der Koala ist ein Sonderfall: Der baumbewohnende Beutler, der neben dem Känguru als Wappentier Australiens gilt, ernährt sich beinahe ausschließlich von Eukalyptusblättern. Das ist nicht nur deshalb bemerkenswert, weil diese Pflanze wenig Nährstoffe enthält. Sie ist auch für die meisten Tiere giftig.

Dass der Koala heute als gefährdet gilt, hat freilich wenig mit der Ernährung zu tun. Vor allem Jagd und die Fragmentierung ihres Lebensraums setzen den Tieren zu. Aufgrund ihres schwachen Immunsystems sind sie zudem auch sehr anfällig für Infektionskrankheiten. Um die Tiere effektiver schützen zu können, ist ein besseres Verständnis ihrer einzigartigen Biologie wichtig.

Ein großer Schritt in diese Richtung ist nun Forschern um Rebecca Johnson vom Australian Museum in Sydney gelungen: Sie haben erstmals das vollständige Koala-Genom entschlüsselt. Das Erbgut der plüschigen Rohkostler enthält demnach 3,4 Milliarden Basenpaare und über 26.000 Gene.

Gefährliche Infektionen

"Die Sequenzierung des Genoms ist ein Sprungbrett für die Erhaltung dieser Spezies", sagte Koautorin Katherine Belov. Einige Besonderheiten stachen den Forschern bereits ins Auge: Bestimmte Erbgutabschnitte einer Genfamilie, die zentral an Entgiftungsvorgängen beteiligt sind, liegen gleich mehrfach vor, insbesondere in der Leber. "Das hat es ihnen wahrscheinlich ermöglicht, diese Nahrungsnische zu finden, in der sie keine Konkurrenz zu fürchten haben", so Johnson.

Die Forscher konnten auch einige Gene identifizieren, die am Immunsystem der Tiere beteiligt sind. Nähere Untersuchungen sollen klären, wieso die Tiere so häufig an Chlamydien-Infektionen leiden. "Infektionen mit diesen Bakterien können zu Unfruchtbarkeit und Blindheit führen und haben die Koala-Populationen in New South Wales und Queensland bereits stark beeinträchtigt", so Belov. Die Forscher hoffen, dank der umfangreichen Daten bald konkrete Schritte ableiten zu können, wie der Schutz der Koalas verbessert werden kann. (red, 7.7.2018)

  • Wenn Koalas gerade nicht fressen, schlafen sie. Pro Tag kommen an die 14 Stunden Schlummer zusammen.
    foto: rebecca johnson

    Wenn Koalas gerade nicht fressen, schlafen sie. Pro Tag kommen an die 14 Stunden Schlummer zusammen.

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