Senatswahl in Arizona als Chance für die Demokraten

    10. Juli 2018, 07:00
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    Jahrzehntelang war Arizona ein republikanisches Bollwerk. Bei der Senatswahl im November könnte sich das erstmals ändern

    Bill Clinton war vor rund 20 Jahren der letzte demokratische Präsidentschaftskandidat, der hier gewann; der letzte Demokrat, der den Staat im US-Senat vertreten hat, trat 1995 ab. Arizona gilt historisch nicht unbedingt als freundliches Terrain für die Demokratische Partei, und dennoch rechnen sich gerade hier die Demokraten Chancen bei den Zwischenwahlen im November aus.

    Die Zahl der Konservativen im Bundesstaat sinkt, die Zahl der Unabhängigen steigt. Donald Trump gewann 2016 mit nur vier Prozent Vorsprung. Noch wichtiger für die Demokraten sind demografische Entwicklungen: Die Zahl der Lateinamerikaner im Staat steigt stetig, Schätzungen gehen davon aus, dass sie im Jahr 2035 die Mehrheit der Bevölkerung stellen werden.

    Gegenwind

    Jener von Arizona ist nur einer von neun Senatssitzen, die die Republikaner im November verteidigen müssen, um ihre Einsitzmehrheit im Senat zu behalten. Derzeit halten die Konservativen bei 51 Sitzen, die Demokraten bei 49.

    Doch ausgerechnet im Grand Canyon State haben die Republikaner unerwartet starken Gegenwind. Jeff Flake, neben John McCain der Juniorsenator des Staates in Washington, hat angekündigt, nicht noch einmal anzutreten. Damit eröffnete sich eine Chance für die Demokraten, die schon lange auf den Staat schielen.

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    Hat seinen Rückzug angekündigt: Senator Jeff Flake.

    Denn neben der Demografie warten in Arizona weitere Probleme auf die Grand Old Party. Die republikanischen Vorwahlen fallen knapper aus als jene ihrer demokratischen Gegner, und die Entscheidung fällt erst Ende August – wenig Zeit für einen langen Senatswahlkampf für die Wahl Anfang November. Noch dazu in einem Bundesstaat, in dem sich "early voting" – das Wählen vor dem eigentlichen Wahltag – großer Beliebtheit erfreut.

    Im parteiinternen Vorwahlkampf der Republikaner führt derzeit Martha McSally, die unter anderem damit wirbt, als erste weibliche US-Pilotin im Kampfeinsatz gewesen zu sein.

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    Wahlwerbespot von Martha McSally (R).

    Das Problem für McSally, der bei einem Antreten im November gute Chancen prognostiziert werden: Je länger der Vorwahlkampf dauert, desto weniger Zeit bleibt ihr im eigentlichen Wahlkampf.

    Ihrer ersten parteiinternen Gegnerin Kelli Ward werden bei der eigentlichen Wahl im November zwar weniger Chancen eingeräumt, aber unter den Republikanern genießt sie großen Rückhalt.

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    Kelli Ward vor einer Pappfigur von US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump.

    Ward galt bis zum Einstieg von McSally als klare Favoritin der Republikaner, seither ist ihre Position aber geschwächt. Im Vorwahlkampf rückte Ward weiter nach rechts, mittlerweile ist ein Wettstreit darum entbrannt, wer ein besserer Trump-Unterstützer ist.

    Ein Wettkampf, den wohl nur der dritte Republikaner im Vorwahlkampf wirklich für sich entscheiden kann: Sheriff Joe Arpaio hätte eigentlich bis April dieses Jahres noch in Haft sitzen müssen. Der selbsternannte "härteste Sheriff Amerikas" wurde vergangenes Jahr wegen Missachtung einer Gerichtsanordnung vor einem Bundesgericht verurteilt. Noch bevor er seine sechsmonatige Haftstrafe allerdings antreten konnte, wurde er von Präsident Donald Trump begnadigt.

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    Senatswahlkampf statt Haft: Ex-Sheriff Joe Arpaio gilt als Außenseiter in den Vorwahlen der Republikaner.

    Arpaio werden weder bei der parteiinternen Vorwahl noch bei einem Wahlgang im November echte Chancen auf einen Sieg eingeräumt, er kann aber auf die Unterstützung vieler Trump-Loyalisten zählen. Anhänger, die für Ward oder McSally über Sieg oder Niederlage in den parteiinternen Vorwahlen entscheiden können.

    Demokratischer Vorsprung

    Ein Problem, das die Demokraten derzeit nicht plagt. Kyrsten Sinema geht als klare Favoritin in die parteiinternen Vorwahlen und konzentriert sich in ihrer Werbung auf Unabhängige und Wechselwähler.

    In ersten Umfragen ist ihr Vorsprung gegenüber potenziellen republikanischen Gegenkandidaten zweistellig. (Stefan Binder, 10.7.2018)

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