Anschlagspläne: Wien erkennt Iraner nicht mehr als Diplomaten an

    3. Juli 2018, 16:06
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    Irans Außenminister spricht von Inszenierung – Botschafter ins Außenministerium zitiert

    Wien/Teheran – Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif sieht Gegner seines Landes hinter den angeblichen Terrorplänen gegen iranische Oppositionelle in Paris. "Der Iran verurteilt unzweideutig sämtliche Gewalt und Terror überall und ist bereit, mit allen Betroffenen zusammenzuarbeiten, um diese unheimliche, unter falscher Flagge durchgeführte Machenschaft aufzudecken", twitterte Zarif am Montagabend. Österreich erkannte indes den Diplomatenstatus jenes Iraners ab, der in Zusammenhang mit dem möglicherweise geplanten Attentat in Deutschland verhaftet wurde.

    "Wie praktisch: Gerade als wir für einen Präsidentenbesuch nach Europa ins Flugzeug steigen, werden 'Verschwörer' einer angeblichen iranischen Operation festgenommen", kommentierte Zarif die am Montag bekanntgewordenen Berichte.

    Der iranische Präsident Hassan Rohani hatte am Montag einen Besuch in der Schweiz begonnen, den ersten Europabesuch seit dem Ausstieg der USA aus dem Wiener Atomdeal. Am Mittwoch wird er in Begleitung Zarifs in Wien erwartet.

    "Eklatanter Verstoß gegen Werte der EU"

    Der oppositionelle Nationale Widerstandsrat des Iran (NRWI) forderte wegen der Vorwürfe gegen den in Wien stationierten iranischen Diplomaten, den Rohani-Besuch abzusagen. "In so einer Situation wird der für den 4. Juli geplanten Empfang von Rohani in Österreich ein Schandfleck für Demokratie und Menschenrechte sein und Terrorismus und Verbrechen stärken. Dieser Empfang ist ein eklatanter Verstoß gegen Werte, auf die sich die Europäische Union stützt", hieß es in einer Aussendung.

    Nach APA-Informationen gab es aber am Dienstagvormittag noch keine Pläne, das Besuchsprogramm Rohanis, der nach einem Empfang mit militärischen Ehren mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zusammentreffen wollte, zu ändern.

    NRWI tagte in Paris

    Der mutmaßliche Anschlag soll sich gegen eine Versammlung von 25.000 Menschen am Samstag in Paris gerichtet haben, heißt es seitens des NRWI. Der seit 2014 in Wien stationierte iranische Diplomat soll der "Kopf" des Anschlags gewesen sein. Dies geht nämlich aus den Angaben jener zwei iranischstämmigen Belgier hervor, die von den belgischen Behörden mit 500 Gramm des Sprengstoffs TATP verhaftet wurden.

    Demnach hat der Diplomat ihnen den Sprengsatz in Luxemburg mit dem Auftrag übergeben, ihn auf dem Pariser Treffen explodieren zu lassen. Der iranische Diplomat wurde auf der deutschen Autobahnraststätte Spessart-Süd identifiziert und festgenommen.

    Wien zitiert Botschafter ins Außenministerium

    Wegen des Falles werde der iranische Botschafter "umgehend" ins Außenministerium in Wien zitiert, sagte Ministeriumssprecher Thomas Schnöll. "Wir haben den Entsendestaat ersucht, die Immunität des iranischen Diplomaten aufzuheben." Dem betroffenen Diplomaten werde "binnen 48 Stunden aufgrund des Vorliegens eines Haftbefehls der Diplomatenstatus aberkannt".

    An der Veranstaltung des oppositionellen Nationalen Widerstandsrats des Irans (NCRI) am Samstag im französischen Villepinte bei Paris hatten Tausende Menschen teilgenommen, darunter der Anwalt von US-Präsident Donald Trump, Rudy Giuliani. Der NCRI ist eine Dachorganisation iranischer Exilgruppen, die ein Ende der Herrschaft der schiitischen Geistlichkeit im Iran anstreben. Die USA betrachteten den NCRI seit 1997 als terroristische Organisation.(red, APA, 3.7.2018)

    • TV-Bilder zeigen den Polizeieinsatz in Deutschland, bei dem ein Sprengsatz entschärft wurde.
      foto: reuters tv via reuters tv

      TV-Bilder zeigen den Polizeieinsatz in Deutschland, bei dem ein Sprengsatz entschärft wurde.

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