ÖBB-Betriebsversammlungen sorgten am Montag für Zugausfälle

    2. Juli 2018, 11:43
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    Reisende äußerten Verständnis, Verkehrsminister Hofer, Bundesbahnen und WKO übten Kritik

    Linz/St. Pölten – Viel Verständnis haben die Reisenden Montagfrüh am Linzer Hautbahnhof eingepackt. Seit 6 Uhr lädt die Gewerkschaft zu einer Informationsveranstaltung rund um die geplante Arbeitszeitverlängerung in die sogenannte TS-Halle – mit spürbaren Auswirkungen. "Bis zu 40 Züge sind ausgefallen, und knapp 50 Prozent der Postbusse verkehren nicht", erläutert ÖBB-Sprecher Karl Leitner im STANDARD-Gespräch.

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    Von Hektik oder gar großer Aufregung ist an diesem sonnigen Morgen am Linzer Bahnhof aber nichts zu spüren. "Ich habe vollstes Verständnis für den Streik. Solange es dieses Instrument gibt, soll und muss es auch genutzt werden", ist Gernot Primus, der eigentlich beruflich nach Wien müsste, überzeugt.

    Ähnliches schildern auch die mit gelben Warnwesten ausgestatteten ÖBB-Mitarbeiter, die in entsprechend großer Anzahl in der Abfahrtshalle bereitstehen: Ganz wenige Ärger gebe es, viele hätten sich auf die Situation vorbereitet.

    Kein Chaos im Frühverkehr

    Rudolf Höglinger, der eigentlich nach Nürnberg möchte, jetzt aber in der Warteschleife hängt, ist einer den wenigen, die "absolut kein Verständnis" für den Streik haben. "Bitte, wir müssen alle arbeiten. Und wer will, kann künftig freiwillig ein wenig mehr arbeiten. Also wo ist das Problem?", fragt er.

    Erwartet wurde auch, dass viele Bahn- und Buspendler heute auf das Auto umsteigen, damit sie rechtzeitig in die Arbeit kommen. Wider Erwarten war aber das morgendliche Verkehrsaufkommen in und um Linz nur etwas stärker oder länger als an sonstigen Montagen.

    Dass ausgerechnet der Montagmorgen für die Versammlungen gewählt wurde, verteidigt Helmut Woisetschläger von der Gewerkschaft Vida im STANDARD-Gespräch: "Wir wollten die Kollegen unbedingt noch vor dem Parlamentsbeschluss am Mittwoch entsprechend informieren."

    Auch Lage in St. Pölten ruhig

    Die Betriebsversammlungen bei den ÖBB am Montag in der Früh haben auch in Niederösterreich vereinzelte Zugausfälle zur Folge gehabt. Bundesbahnen-Sprecherin Juliane Pamme bezeichnete die Lage auf dem Hauptbahnhof in St. Pölten im APA-Gespräch vorerst als "sehr ruhig".

    "Gravierende Einschränkungen" gab es ihren Angaben zufolge in Wien. Es sei "bisher nichts anders als sonst", teilte Pamme kurz nach Beginn der von 6 bis 9 Uhr angesetzten Betriebsversammlungen auf Anfrage aus der niederösterreichischen Landeshauptstadt mit. Der Betriebsrat informiert die Mitarbeiter über die Auswirkungen der geplanten Änderungen im Arbeitszeitgesetz.

    In Graz ist das erwartete Verkehrschaos wegen der Betriebsversammlungen bei den ÖBB und der Holding Graz am Montagmorgen ausgeblieben. Die Verkehrsteilnehmer hatten sich laut ÖAMTC auf die Situation eingestellt – unter anderem, indem sie vermehrt aufs Fahrrad stiegen.

    Die Sprecherin berichtete unter anderem, dass ein REX aus St. Pölten nach Scheibbs nicht verkehrt sei. Bis 9 Uhr fielen nach ihren Angaben auf der Strecke Salzburg–Wien zudem alle "langsamen" RJ-Verbindungen (jene mit Stopps nicht nur in den Landeshauptstädten, Anm.) aus. (Markus Rohrhofer, APA, 2.7.2018)

    • Hauptbahnhof Linz: "Bis zu 40 Züge sind ausgefallen, und knapp 50 Prozent der Postbusse verkehren nicht", erläutert ÖBB-Sprecher Karl Leitner im STANDARD-Gespräch. Grund dafür ist die Informationsveranstaltung rund um die geplante Arbeitszeitverlängerung.
      foto: apa / werner kerschbaum

      Hauptbahnhof Linz: "Bis zu 40 Züge sind ausgefallen, und knapp 50 Prozent der Postbusse verkehren nicht", erläutert ÖBB-Sprecher Karl Leitner im STANDARD-Gespräch. Grund dafür ist die Informationsveranstaltung rund um die geplante Arbeitszeitverlängerung.

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