1:1 nach 120 Minuten: Die Elfer retten Kroatien, Dänemark out

    Video1. Juli 2018, 23:08
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    Nach Russland gegen Spanien wurde auch das Duell zwischen Kroatien und Dänemark infolge eines 1:1 erst im Elferschießen entschieden. Goalie Danijel Subasic und Barcelonas Ivan Rakitic retteten dabei die kroatischen Geheimfavoriten

    Nischni Novgorod – Es gibt durchaus gute Gründe, vor einem Länderspiel den Hymnen zu lauschen und auch sonst dran zu bleiben. Im Fall der Partie in Nischni Nowgorod hat es sich gelohnt, weil sowohl das kroatische "Lijepa naša" als auch das dänische "Der er et yndigt land" hübsche Melodien bieten. Vor allem aber, weil sich das bisher schnellste Tor der WM und auch der schnellste Ausgleich ereigneten.

    der standard
    Fan-Meinungen aus der Ottakringer Straße.

    Nach einem weiten Einwurf der Dänen kam der Ball zu Thomas Delaney, der auf Mathias Jörgensen weiterleitete. Dessen Schuss aus kürzester Distanz schlug sich der in seiner Sicht arg behinderte kroatische Goalie Danijel Subasic ins eigene Tor – der erste dänische WM-Treffer aus dem Spiel heraus war nach exakt 58 Sekunden gefallen. In der Liste der schnellsten WM-Tore aller bisherigen Zeiten schaffte es dieser Treffer allerdings nicht einmal unter die besten Zehn. Der Ausgleich fiel nicht postwendend, aber flott. Die favorisierten Kroaten gaben sich gar nicht erst die Zeit, schockiert zu sein. Bei einem missglückten Klärungsversuch der Dänen kam die Kugel via Delanyes Kopf zu Mario Mandzukic, der Juve-Stürmer akzeptierte das Geschenk (4.).

    foto: apa/afp/alexander nemenov
    Nach nur vier Minuten stand es 1:1.

    Damit war die Ausgangslage wieder hergestellt – ein gar nicht mehr geheimer Favorit musste gegen einen gefährlichen Außenseiter den starken Eindruck, den er in der Gruppenphase hinterlassen hatte, auch bestätigen, um im Viertelfinale die lösbare Aufgabe Russland zu bekommen.

    Die Aufgabe erwies sich als diffizil, aber nicht, weil die Dänen mauerten, wie es zuvor Russland gegen Spanien getan hatte, sondern weil die Skandinavier die "Feurigen" in allen ihren Formationen auf Herz und Nieren prüften. Schon hatten die Kroaten mehr vom Spiel und vergaben gute Chancen, etwa Ivan Perisic (29.) und Dejan Lovren (39.). Doch dänischerseits war man vor der Pause näher an der Führung dran. Als Martin Braithwaithe allein vor Subasic auftauchte und scheiterte (27.) und ein Schlenzer von Spielmacher Christian Eriksen nur die Latte streifte (42). Bei einem Schuss von Ivan Rakitic zeigte Kasper Schmeichel im dänischen Tor zum wiederholten Mal lässig seine Klasse (44.).

    Das Voranschreiten der Zeit tat dem Spiel nicht gut. Fehlervermeidung rückte in den Vordergrund, die Dänen wirkten allerdings angesichts geringerer Fallhöhe psychisch stabiler.

    Der Eindruck verhärtete sich in der Verlängerung. Die Dänen pressten, wurden aber nicht zwingend. Kroatien schien schon mit dem Elferschießen zufrieden, doch plötzlich gelang Modric der öffnende Pass. Rebic war auf und davon und ging auch an Schmeichel vorbei. Mathias Jörgensen foulte, sah nur Gelb, und ausgerechnet Modric vergab den Elfer gegen Schmeichel (116.).

    foto: apa/afp/alexander nemenov
    Elferkiller Danijel Subasic feiert so.

    Mit breiter Brust ging der Sohn von Peter Schmeichel ins fällige Elfmeterschießen. Erst scheiterte Eriksen an Subasic, dann Badelj an Schmeichel. Kjaer und Krohn-Dehli bzw. Kramaric und (mit Glück) Modric trafen. Subasic parierte noch gegen Schöne und Jörgensen, Schmeichel gegen Pivaric. Und Barça-Star Rakitic schoss die Kroaten ins Glück. (lü, 1.7.2018)

    Fußball-WM in Russland, Achtelfinale:

    Kroatien – Dänemark 1:1 n.V. (1:1,1:1), 3:2 im Elfmeterschießen. Nischni Nowgorod, Nischni-Nowgorod-Stadion, 40.851 Zuschauer, SR Pitana (ARG).

    Tore:
    0:1 (1.) M. Jörgensen
    1:1 (4.) Mandzukic

    Elfmeterschießen:

    0:0 – Eriksen scheitert an Subasic

    0:0 – Badelj scheitert an Schmeichel

    1:0 – Kjaer trifft

    1:1 – Kramaric trifft

    2:1 – Krohn-Dehli trifft

    2:2 – Modric trifft

    2:2 – Schöne scheitert an Subasic

    2:2 – Pivaric scheitert an Schmeichel

    2:2 – N. Jörgensen scheitert an Subasic

    3:2 – Rakitic trifft

    Kroatien: Subasic – Vrsaljko, Lovren, Vida, Strinic (81. Pivaric) – Rakitic, Brozovic (71. Kovacic) – Rebic, Modric, Perisic (97. Kramaric) – Mandzukic (108. Badelj)

    Dänemark: Schmeichel – Dalsgaard, Kjaer, M. Jörgensen, Knudsen – Delaney (98. Krohn-Dehli), Christensen (46. Schöne), Eriksen – Poulsen, Cornelius (66. N. Jörgensen), Braithwaite (106. Sisto)

    Gelbe Karte: M. Jörgensen

    Anm.: Modric scheiterte in der Verlängerung mit einem Elfmeter an Schmeichel (116.)

    Stimmen:

    Zlatko Dalic (Kroatien-Teamchef): "Es war ein glückliches Ende, aber wir haben es verdient. Das Elfmeterschießen war eine schwierige Situation. Wir haben sehr gekämpft – ohne großes Risiko auf beiden Seiten. Wir haben gewusst, dass es viele hohe Bälle geben wird. Das Gegentor in der ersten Minute war schwer für uns, aber die Mannschaft hat große Moral gezeigt und den Kopf aus der Schlinge gezogen. Russland wartet jetzt auf uns. Heute feiern wir ein bisschen, dann bereiten wir uns konzentriert vor. Wir sind nicht hierhergekommen, um nur über die Gruppenphase hinauszukommen. Wir wollen mehr."

    Danijel Subasic (Kroatien-Torhüter): "Es ist alles gut, wir haben es geschafft. Ich freue mich so unglaublich. Das Glück war auf unserer Seite heute. Es ist das Schönste für unser Land und für unsere Nationalmannschaft."

    Kasper Schmeichel (Dänemark-Torhüter): "Es ist ein komisches Gefühl. Es ist enorme Enttäuschung, aber auch großer Stolz über unsere Leistung. Wir haben die Chance gehabt und ich denke, wir waren die bessere Mannschaft in der zweiten Hälfte. Es ist schwierig, die Emotionen in den richtigen Kontext zu bringen. Das Glück war nicht auf unserer Seite, aber es ist ein junges Team. Es war gut, dass wir einmal in so einer Situation waren, dass wir daraus lernen können."

    Ivan Rakitic (Kroatien-Mittelfeldspieler): "Es scheint, dass es unsere Generation in den letzten zehn Jahren nicht normal machen kann. Bei der EM 2008 gegen die Türkei (Niederlage im Elfmeterschießen/Anm.) war es auch so. Gott sei Dank war unser Torwart dreimal an der richtigen Stelle. Ich glaube, die Mannschaft hat das verdient. Natürlich sind wir stolz und glücklich. Wir möchten die WM weiter genießen. Ein Viertelfinale gegen den Gastgeber, das ist unglaublich – ein Schritt näher zum großen Ziel."

    Live-Nachlese:

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    • Brechende Dämme nach dem entscheidenden Elfmeter  von Ivan Rakitic. Kroatien jubelt über den Einzug ins Viertelfinale, in dem Gastgeber Russland wartet – ebenfalls nach Elfmeterschießen.
      foto: reuters/carlos barria

      Brechende Dämme nach dem entscheidenden Elfmeter von Ivan Rakitic. Kroatien jubelt über den Einzug ins Viertelfinale, in dem Gastgeber Russland wartet – ebenfalls nach Elfmeterschießen.

    • Der Moment des Realisierens.
      foto: reuters/max rossi

      Der Moment des Realisierens.

    • Hielt nicht weniger als drei Elfer:  Dänemarks Schlussmann Kasper Schmeichel.
      foto: ap/efrem lukatsky

      Hielt nicht weniger als drei Elfer: Dänemarks Schlussmann Kasper Schmeichel.

    • Hielt ebenso drei Elfer: Kroatien-Keeper Danijel Subasic.
      foto: ap/martin meissner

      Hielt ebenso drei Elfer: Kroatien-Keeper Danijel Subasic.

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