Johnny Depp: Solider Gitarrenrock auf der Burg Clam

    Video1. Juli 2018, 12:43
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    Der Schauspieler trat am Samstag mit Alice Cooper und Joe Perry auf und sorgte für Gänsehaut

    Klam – Die Hollywood Vampires, Rockhaudegen Alice Cooper, Aerosmith-Gitarrist Joe Perry und Superstar Johnny Depp, boten am Samstag auf Burg Clam ein gelungenes Konzert für alle Gitarrenrockfans. In rund eineinhalb Stunden zeitlich überschaubar, coverten sie Nummern bereits verstorbener Musiker und spielten ihre wenigen eigenen Songs. Die Show auf der Meierhofwiese war ausverkauft.

    Das Spannendste vorneweg: Ja, Schauspieler Johnny Depp kann Gitarre spielen. Er kann es sogar so exzellent, dass er neben Saitengenie Joe Perry eine gute Figur macht. Und er kann auch singen, so gut, dass das von ihm interpretierte "Heroes" (David Bowie) zur Gänsehautnummer des Abends wurde.

    magicandrhymes

    Und abgemagert? Na ja, etliche Models sind dürrer als der später in einem ärmellosen Leiberl Bizeps zeigende Rocker.

    Jn bester gesellschaft

    Alice Cooper hatte die Hollywood Vampires als Trinkerclub 1972 gegründet, Mitglieder waren unter anderem Keith Moon von The Who, John Lennon und Marc Bolan. "We are the vampires, we pay tribute to our dead drunk friends", erklärte er am Anfang des Konzerts – das mit gutem alten Gitarrenrock ohne viele Nebengeräusche überzeugte. Wer, wenn nicht Jim Morrison wäre in einem solchen Club in bester Gesellschaft: "Break On Thru" von den Doors brachte ein erstes kurzes Solo von Depp.

    Es folgten "The Jack" (AC/DC) und "Ace Of Spades" (Motörhead) bevor "Baba O'Riley" (The Who) mit einem formidablen, umjubelten Drumsolo von Glen Sobel zu einem ersten Höhepunkt geriet. Joe Perry spielte bei Aerosmiths "Sweet Emotion" auf. Von den drei eigenen Nummern der Vampires stach "Bad As I Am" hervor. Eingestimmt auf die laut Cooper teuerste Coverband der Welt hatten die Oberösterreicher Sergeant Steel und die britischen Glam-Rocker Darkness.

    Mit make-up, Ringen und Fransen

    Alice Cooper – teilweise mit Zylinder und Stab die Zeremonie dirigierend – trug für seine Verhältnisse sehr dezentes Make-up um die Augen, Johnny Depp erschien mit Bandana, wirren Haarsträhnen, unzähligen Fransen und Ketten am Gürtel sowie vielen Ringen an den Fingern, Joe Perry wirkte mit seinem silbernen Strähnchen in der schwarzen Mähne und den vielen Halsketten direkt seriös während der dritte Gitarrist Tommy Henriksen den Schockrocker mimte. Chris Wyse am Bass und Buck Johnson an den Keyboards komplettierten die wirklich gute Band.

    Beim schnellen "People Who Died" (The Jim Carroll Band) stellte sich Johnny Depp zum ersten Mal hinter das Mikro, wartete lächelnd auf seine Einsätze. Mit der Gitarre auf Kniehöhe hängend wechselte er während des Konzerts die Bühnenseiten, hofierte die – weiblichen – Fans, winkte, warf Plektrons ins Publikum – am Ende ein ganzes Glas voll. Ein BH auf der Bühne, Aufforderungen wie "Johnny, tattoo me!" auf Pappkartons, 55 scheint ein gutes Alter für Rockstars, neben dem 70-jährigen Cooper und Perry mit 67 – die freilich agil und spiellustig wirkten – war Depp ohnehin der Youngster.

    "We see you next year with a new album", verspricht Alice Cooper zum Abschluss – nach der Zugabe "School's Out". Einen kleinen Vorgeschmack, der Appetit auf mehr machte, gab es bereits mit einer sehr blues-lastigen Nummer. (APA, 1.7.2018)

    • Johnny Depp on stage. Eine Woche, bevor sie nach Österreich kamen, spielten die  Hollywood Vampires beim Hellfest Music Festival im französischen Clisson.
      foto: reuters

      Johnny Depp on stage. Eine Woche, bevor sie nach Österreich kamen, spielten die Hollywood Vampires beim Hellfest Music Festival im französischen Clisson.

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