Belgien biegt England mit 1:0: Pyrrhussieg oder Eigentor, man wird sehen

28. Juni 2018, 22:36
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Belgien gewinnt das Spiel, das niemand unbedingt gewinnen wollte, und zieht ohne Punkteverlust ins Achtelfinale ein. Dort wartet Japan. Die Engländer bekommen es mit Kolumbien zu tun

Kaliningrad – Die belgischen Fans feierten ihre Roten Teufel für den ersten Sieg gegen England seit 82 Jahren, die Spieler hielten sich dagegen etwas zurück. Im Kampf der Reservisten hat Belgien seine Erfolgsserie bei der WM in Russland fortgesetzt und als dritte Mannschaft nach Uruguay und Kroatien mit neun Punkten das Achtelfinale erreicht. Durch das 1:0 (0:0) in einem eigenartigen "Endspiel" um Platz eins in der Gruppe G hat der Viertelfinalist von 2014 nun aber den möglicherweise härteren Weg in der K.o.-Runde vor sich.

Wobei – was weiß man schon? Im Achtelfinale ist Belgien gegen Japan am Montag in Rostow am Don eher schon zu favorisieren, England gegen Kolumbien am Dienstag in Moskau aber nicht unbedingt. Und das Viertelfinale kommt halt erst danach. Da würde den Belgiern Brasilien (oder Mexiko) drohen, dagegen nimmt sich die mögliche englische Hürde, Schweden oder die Schweiz, etwas niedriger aus, vermeintlich zumindest. Mag sein, dass sich Belgiens Erfolg noch als Pyrrhussieg entpuppt oder Englands Niederlage als Eigentor.

"Ich glaube nicht, dass man irgendwelche Szenarien planen kann. Große Teams sind bereits ausgeschieden", sagte Belgiens Trainer Roberto Martinez und betonte: "Jetzt zählt nur das Spiel gegen Japan." Englands Coach Gareth Southgate sieht es vor der Kolumbien-Partie ähnlich: "Das ist für uns eines der größten Spiele seit Jahrzehnten."

Traumtor in mittelprächtiger Partie

Am Donnerstag in Kaliningrad waren beide Teams allem Anschein nach nicht mit letztem Einsatz bei der Sache. Adnan Januzaj (51.) erzielte mit einem schönen Schuss das Siegestor für die auf neun Positionen veränderten Belgier. Unter anderem fehlte der leicht angeschlagene Torjäger Romelu Lukaku.

Das Geschehen vor 33.973 irritierten Zuschauern glich über weite Phasen einem Freundschaftsspiel. Schon zur Pause gab es für beide Mannschaft ein gellendes Pfeifkonzert.

Southgate hatte Englands Team auf acht Positionen verändert und auch seinen Torjäger Harry Kane, der doch WM-Schützenkönig werden will, auf der Bank gelassen. "Wir wollen das Spiel gewinnen, wir wollen eine Siegermentalität entwickeln", hatte der englische Teamchef versichert. Die Three Lions spielten aber nur einige, wenige Torchancen heraus, vergaben sie aber allzu lässig – wie Marcus Rashford, der den belgischen Torhüter Thibaut Courtois völlig alleinstehend nicht bezwingen konnte (66.). Am Ende drückte eher Belgien aufs 2:0, drücken ist aber eher relativ.

2500. Tor der WM-Geschichte

Das Treffen zwischen Panama und Tunesien war an und für sich unbedeutend, andererseits fiel in Saransk das 2500. Tor der WM-Geschichte. Erzielt hat es Fakhreddine Ben Youssef, der auffälligste Tunesier, zum zwischenzeitlichen Ausgleich für die Nordafrikaner. Wahbi Khazri (66.) sorgte schließlich für den ersten WM-Sieg der Adler von Karthago seit 40 Jahren, den insgesamt zweiten nach einem 3:1 über Mexiko eben 1978 in Argentinien.

Dennoch scheiterten sie auch bei ihrer fünften WM-Teilnahme in der Gruppenphase. Panama war durch ein Eigentor von Yassine Meriah (33.) in Führung gegangen, beendete seine Premiere letztlich aber ohne Punkt. Die 37.168 Zuschauer sahen immerhin ein munteres Spiel. Tunesien erwies sich dabei als technisch überlegen. Der von einem Großteil der Fans unterstützte Debütant versteckte sich keineswegs, leistete sich vor dem Tor aber zu viele Fehler. Das letzte Aufbäumen Panamas nach der Pause blieb unbelohnt, weil ein Traumtor von Edgar Barcenas (72.) wegen eines Stürmerfouls zurecht aberkannt wurde. (sid, red, 28.6.2018)

Fußball-WM in Russland, Gruppe G, 3. Runde:

  • England – Belgien 0:1 (0:0). Kaliningrad, Kaliningrad-Stadion, SR Skomina (SLO).

Tor: 0:1 (51.) Januzaj

England: Pickford – Jones, Stones (46. Maguire), Cahill – Alexander-Arnold (79. Welbeck), Loftus-Cheek, Dier, Delph, Rose – Rashford, Vardy

Belgien: Courtois – Dendoncker, Boyata, Vermaelen (74. Kompany) – Chadli, Fellaini, Dembele, T. Hazard – Januzaj (86. Mertens), Batshuayi, Tielemans

Gelbe Karten: niemand bzw. Tielemans, Dendoncker

  • Panama – Tunesien 1:2 (1:0). Saransk, Mordowia Arena, SR Shukralla (BHR).

Tore:
1:0 (33.) Meriah (Eigentor)
1:1 (51.) Ben Youssef 1:2 (66.) Khazri

Panama: Penedo – Machado, R. Torres (56. Tejada), Escobar, Ovalle – Godoy, Gomez, Avila (81. Arroyo) – Barcenas, J Rodriguez – G. Torres (46. Cummings)

Tunesien: Mathlouthi – Naguez, Bedoui, Meriah, Haddadi – Sassi (46. Badri), Shikri, Chaalali – F. Ben Youssef, Khazri (89. Srafi), Sliti (77. Khalil)

Gelbe Karten: Avila, Gomez, Tejada bzw. Sassi, Badri, Chaalali

  • Adnan Januzaj nimmt Maß und fixiert den belgischen Gruppensieg. Englands Fabian Delph ist in diesem Duell und insgesamt zweiter Sieger.
    foto: ap/michael sohn

    Adnan Januzaj nimmt Maß und fixiert den belgischen Gruppensieg. Englands Fabian Delph ist in diesem Duell und insgesamt zweiter Sieger.

  • Three-Lions-Keeper Jordan Pickford ohne Auftrag.
    foto: apa/afp/kirill kudryavtsev

    Three-Lions-Keeper Jordan Pickford ohne Auftrag.

  • Der 2500. Treffer bei einer Weltmeisterschaft fiel in Saransk. Der Tunesier Fakhreddine Ben Youssef war dafür verantwortlich.
    foto: reuters/lucy nicholson

    Der 2500. Treffer bei einer Weltmeisterschaft fiel in Saransk. Der Tunesier Fakhreddine Ben Youssef war dafür verantwortlich.

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