Grazer Studie zu Olympia 2026 wirft Fragen auf

28. Juni 2018, 17:46
215 Postings

Laut einer Studie sollen Winterspiele in Graz "ohne großes Risiko möglich " sein. Für Kritiker wurden wichtige Punkte ausgeklammert

Graz – Auch der Tag zwischen dem deutschen Aus bei der Fußball-WM und dem Formel-1-Wochenende in Spielberg war sozusagen ein sportlicher. Vor allem in der Steiermark, wo eine Machbarkeitsstudie zur möglichen Durchführung Olympischer Winterspiele 2026 in Graz und Schladming präsentiert wurde. In Auftrag gegeben hatte die Studie, so ist es auf der letzten von knapp 120 Seiten ausgeschildert, die "Winterspiele Graz2026 GmbH" mit Sitz im "Rathaus Graz, Hauptplatz 1, 8010 Graz".

Mit der Studie, deren Erstellung drei Monate lang dauerte und 180.000 Euro kostete, waren die Fachhochschule Campus 02, Joanneum Research, die Privatuniversität Schloss Seeburg, die Technische Universität Graz sowie Tourismus-, Event- und Marketing-Experten betraut. Der Auftraggeber fasste das Werk am Donnerstag unter folgendem Titel zusammen: "Graz 2026 ist ohne großes Risiko möglich!"

Die Studie erinnert in etlichen Punkten und auch in ihrem Ergebnis an jene, die in Tirol präsentiert worden war, das sich ebenfalls für 2026 bewerben wollte. Den Plan dazu hatte das befragte Volk mit 53,25 Prozent abgelehnt.

1,137 Milliarden Euro Organisationsbudget

Markus Pichler, Geschäftsführer der "Graz2026 GmbH", weist auf "die Bedeutung" hin, die Winterspiele "für Graz, die Steiermark und Österreich hätten". Realistisch sei ein Organisationsbudget von 1,137 Milliarden Euro, "für das keine öffentlichen Gelder benötigt werden". Keine? In der Zusammenfassung steht auch: "Öffentliche Gelder müssten lediglich für Sicherheitsausgaben (hier zeichnet die Bundesregierung verantwortlich) bzw. für infrastrukturelle Maßnahmen in den Partnerregionen in die Hand genommen werden." Der Olympia-Wertschöpfungseffekt wurde mit 1,67 Milliarden Euro berechnet, an Steuern wären 665 Millionen Euro zu generieren.

Als "Partnerregionen" wären u. a. Schladming und Haus/Ennstal (Ski alpin), Bischofshofen (Skispringen), Hochfilzen (Biathlon), aber auch die deutschen Orte Inzell (Eisschnelllauf) und Königssee (Eiskanal) vorgesehen. Eishockey-Vorrundenspiele sollen laut Studie in Klagenfurt und Wien stattfinden. Für die Eröffnungs- und Schlussfeier wird eine "temporäre Veranstaltungsfläche auf grüner Wiese" empfohlen.

Land will Zahlen prüfen

Das Land Steiermark will, wie es hieß, die Zahlen nun prüfen. Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) lobte "eine sehr genau ausgeführte Studie von hervorragenden Institutionen unseres Landes". Die SPÖ fordert Finanzierungs- und Haftungszusagen von Bund und Land. Die Grüne Umweltstadträtin Tina Wirnsberger kritisierte, die Studie klammere Kosten für notwendige Infrastruktur "zur Gänze" aus und setze Sicherheitskosten "viel zu niedrig an". Grüne, KPÖ und Neos erneuerten ihre Forderung nach einer Volksbefragung.

Die Spiele 2026 werden im September 2019 vergeben. Mögliche Kandidaten neben Graz sind Calgary, Cortina/Mailand/Turin, Sapporo, Stockholm und Erzurum. (Fritz Neumann, 28.6.2018)

  • Olympisches Eishockey soll in Klagenfurt...
    ec-kac

    Olympisches Eishockey soll in Klagenfurt...

  • ...und in Wien-Kagran stattfinden können.
    fritz neumann

    ...und in Wien-Kagran stattfinden können.

Share if you care.