Deutsches WM-Vorrundenfiasko: Zeit der Schadenfreude

28. Juni 2018, 17:04
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Am Küniglberg schätzt man deutsche Krisen

Es fällt uns Angehörigen der Alpenrepublik leicht, den deutschen Nachbarn dieser Tage mit Hohn zu begegnen. Der Stamm der Bajuwaren berennt wutschnaubend das Berliner Kanzleramt. Im fernen Russland hätten Jogis Männer in der Zwischenzeit das südkoreanische Tor berennen sollen. Doch Pustekuchen.

Die heimische ZiB-2-Redaktion war um vollmundige Einschätzungen des deutschen WM-Vorrundenfiaskos nicht verlegen. Von einer "beispiellosen Schmach" war da aus dem Off die Rede, von einer "ziemlichen Peinlichkeit". Wie viel ziemlicher ist es da, vom "Ernst der Lage" im Nachbarland zu fabulieren, zumal, wenn sie jetzt obendrein noch "hoffnungslos" ist. Hoffentlich weiß auch Mutti, wie hoffnungslos es um sie und ihre Raute bestellt ist.

Noch ziemlicher wäre es nur noch gewesen, wenn man geschwiegen und somit allenfalls still genossen hätte. Doch dann wäre die ZiB 2 auch ein Begegnungsort von schadenfrohen Philosophen geblieben. Und so etwas sagt man nicht einmal den wunderbaren Kollegen am Wiener Küniglberg nach.

Weniger philosophisches Phlegma als ganz einfach blitzgescheite Kompetenz versprüht immer wieder Gerald Knaus von der "Europäischen Stabilitätsinitiative" (ESI). In der ZiB 24 nahm er allen katastrophengeilen Kiebitzen – im Vorausblick auf den EU-Gipfel – den Wind der Missgunst aus den Segeln.

Wie man die Idee, Asylverfahren zu beschleunigen, mit einer Politik verquickt, die Herkunftsländer von Asylwerbern mit Anreizen zur Rücknahme von Staatsbürgern lockt: Dergleichen grundvernünftige Gedanken hätten es durchaus verdient, ins Bajuwarische übersetzt zu werden. (Ronald Pohl, 29.6.2018)

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    foto: screenshot / orf tvthek
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