Kritik an extravagantem Lebensstil bringt Macron ins Schwimmen

    28. Juni 2018, 06:00
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    Exklusiver Swimmingpool, kostspieliges Tafelservice, unnötige Reisen im Privatjet: Emmanuel Macron kommt an den Pranger

    In Frankreich geht ein Verdacht um. Ein Verdacht, der für den Präsidenten fatale Folgen haben könnte. Denn wie die Geschichte lehrt: Je königlicher er sich gibt, desto revolutionärer wallt es im Volk. Die Wahlguillotine ist in Paris nie weit. Der Verdacht also lautet: Macron I. frönt wie seine erlauchten Vorfahren in Versailles dem schnöden Luxus. Kann das sein?

    Faktum Nummer eins: Brigitte Macron hat beschlossen, das feine Tafelgeschirr im Élysée-Palast rauszuwerfen und durch 1200 Teller und Schalen aus der illustren Sèvres-Porzellanmanufaktur zu ersetzen. Kostenpunkt: 50.000 Euro.

    Faktum Nummer zwei: Die Macrons wollen im Fort de Brégançon, der präsidialen Sommerresidenz westlich von Saint-Tropez (Côte d'Azur), für sich allein einen Swimmingpool errichten lassen. Kostenpunkt: 34.000 Euro.

    Rettungsschwimmer für den Staatschef

    Faktum Nummer drei: Vom westfranzösischen Städtchen Roche-sur-Yon ins 90 Kilometer entfernte Rochefort benutzte der Staatspräsident einen Falcon-Privatjet, obwohl seine Mitarbeiter mit einer Fahrzeugeskorte fast gleich schnell gewesen waren. Kostenpunkt: 3000 Euro.

    Nun ließe sich einwenden, diese Ausgaben seien doch gar nicht so extravagant. Das Tischgeschirr des Élysée ist buchstäblich ein tragendes Element der – in Frankreich sehr politischen – Esskultur. Zudem ist es teils so verblichen wie die Erinnerung an den Präsidenten Coty, der einzelne noch heute verwendete Sèvres-Teller schon vor 60 Jahren ins Sortiment aufgenommen hat. Was das Planschbecken in der imposanten Küstenfestung betrifft, soll es nicht mehr wie geplant in den Boden eingelassen werden, sondern demontierbar sein. Laut Macrons Entourage kostet dies kaum die Hälfte des Aufwands für elf Gendarmen und zwei Rettungsschwimmer (60.000 Euro pro Sommer). Die gingen bisher in Alarmstellung, wenn sich Monsieur le Président am Fuße von Fort Brégançon unter das biedere Volk am Sandstrand mischte. Der eigene Pool hingegen läge paparazzifrei hinter Mauern.

    Porzellan zerschlagen

    Der böse Verdacht hält sich dennoch. Schuld ist wieder einmal das Enthüllungsblatt "Le Canard enchaîné". Es berichtet, die teils handgemalten Élysée-Teller kosteten über 400 Euro pro Stück. Damit würden fast 500.000 Euro anfallen. In Sachen Swimmingpool heißt es ferner, mehrere Ex-Präsidenten hätten schon den Einbau eines solchen in Fort Brégançon geprüft, aber als zu kostspielig verworfen. Erst Macron wurde konkret; dafür verheimlichte er den Plan zuerst vor der Öffentlichkeit.

    Dem 40-jährigen Präsidenten, der in den Umfragen ohnehin auf Sinkflug ist, fliegen nun sarkastische Reaktionen um die Ohren. Um nicht zu sagen, die Teller: Aus dem Burgund schickte ein Ehepaar sein Geschirr den Macrons ins Élysée. Wütend sind die Franzosen nicht so sehr über die Höhe der Geldbeträge, sondern über das Gemisch von Ausreden, Vertuschungsversuchen und falschen Zahlenangaben. Das kennen sie von ihren Präsidenten nur zu gut. Auf diese Weise versuchte sich schon Nicolas Sarkozy herauszuwinden, als er im neuen Präsidenten-Airbus auch eine Badewanne und Sauna einrichten lassen wollte. Erst nach heftigen Publikumsreaktionen verzichtete er darauf.

    Hollande schnitt Vorrechte ab

    Ähnlich handeln auch werdende Präsidenten – etwa François Fillon, der im Wahlkampf 2017 über den Scheinjob seiner Frau stolperte. Gewesene Präsidenten müssen gar nicht mehr mogeln, erhalten sie doch fürstliche Renten von bis zu 20.000 Euro im Monat; dazu verfügen sie über ein Großbüro, eine Limousine mit zwei Chauffeuren, ein Dutzend Angestellte sowie Gratisreisen mit der Staatsbahn oder Air France. Letzteres stets "in der besten Klasse", wie ein Dekret schon im Jahre 1985 bestimmte. Bekannt wurde die vierseitige Privilegienliste erst ein Vierteljahrhundert später.

    Macrons Vorgänger François Hollande limitierte einzelne Vorrechte der Ex-Präsidenten auf fünf Jahre nach Amtsende. Das Budget des Élysée von 109 Millionen Euro im Jahr bleibt trotzdem dreimal so hoch wie das des deutschen Kanzleramtes. Die meisten Ausgaben des französischen Präsidialamtes sind zudem in den Budgets anderer Ministerien versteckt.

    Niemand vermag deshalb zu sagen, wie viel Geld Frankreich für seine Präsidenten ausgibt. Und niemand glaubt den offiziellen Zahlen. Das Paradoxe ist, dass die französischen Präsidenten gar nicht wie ein Krösus leben. Oder zumindest weniger als die ehemaligen Präsidenten, von denen heute vier noch am Leben sind: Valéry Giscard d'Estaing, Jacques Chirac, Nicolas Sarkozy und François Hollande. Zusammen fallen sie dem Staat jährlich mit insgesamt zehn Millionen Euro zur Last.

    Mätressen werden nicht mehr bezahlt

    Der Präsident verdient 15.000 Euro im Monat, weniger als die deutsche Kanzlerin (18.000 Euro). Sein Wohnsitz, das Élysée, wird zwar von Eingeweihten "Château" genannt, bietet aber weder Ausmaße noch Komfort eines Schlosses. Als bloße Dependance des Königshofes beherbergte es im 18. Jahrhundert die königliche Mätresse, Madame de Pompadour. Heute vermag der schöne Schein der Kristalllüster und Gobelins nicht zu verbergen, dass das Gebäude ziemlich heruntergekommen ist. Während der Amtszeit Sarkozys verfehlte ein Stück eines Stuckengels nur knapp einen fremden Staatschef. Dessen Identität wurde diplomatisch verschwiegen.

    Auch die Macron-Berater sagen es: Der Staatschef lebt nicht im Überfluss, musste er doch sogar die überfällige Sanierung des Élysée aufschieben. Vorrang hat eben der Swimmingpool. (Stefan Brändle aus Paris, 28.6.2018)

    • Lebt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Luxus?
      foto: reuters / carlos barria

      Lebt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Luxus?

    • Ein Pool im Fort de Brégançon, der präsidialen Sommerresidenz, soll jedenfalls weniger kosten als das Sicherheitspersonal am Strand.
      foto: apa / afp / bertrand langlois

      Ein Pool im Fort de Brégançon, der präsidialen Sommerresidenz, soll jedenfalls weniger kosten als das Sicherheitspersonal am Strand.

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