Wiener Kulturpolitik: Ein Haus für neues Theater

    Kommentar27. Juni 2018, 17:44
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    Die neue Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler denkt über neue Räume für neue Theaterformen nach

    Ihrem Vorgänger wurde vorgeworfen, die Wiener Kulturlandschaft zu verwalten und nicht zu gestalten. Nach gerade einmal drei Wochen im Amt lässt sich über die neue Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler bereits eines sagen: Statt abzuwarten und abzuwägen, wie es in den vergangenen Jahren bis zum Überdruss geschah, schlägt hier jemand Pflöcke ein. Der umstrittene und nicht gerade treffsichere Festwochen-Intendant Tomas Zierhofer-Kin wurde durch Christophe Slagmuylder, einen Proponenten des internationalen Festivalbetriebs, ersetzt. Unter dessen Intendanz wurde das belgische Kunstenfestivaldesarts zu einer erstrangigen und weithin leuchtenden Adresse.

    Der glücklosen und bis zuletzt nicht heimisch gewordenen Volkstheater-Intendantin Anna Badora erlaubte die neue Kulturstadträtin hingegen, das Gesicht zu wahren – bis zum Vertragsende in zwei Jahren darf sie im Amt verbleiben. Dann soll das Volkstheater neu durchstarten. Mit neuem Gesicht und hoffentlich neuem Konzept.

    Die Probleme, die Badora im Volkstheater straucheln ließen, sind nämlich nur zum Teil ihrem eigenen Versagen geschuldet: Sie liegen auch im schwammigen Profil des Hauses begründet. Und natürlich in der damit zusammenhängenden Frage, welches Publikum man in ein heutiges "Volkstheater" locken möchte.

    Kaup-Haslers Vorgänger Andreas Mailath-Pokorny hat einst eine Lösung dieser seit einer gefühlten Ewigkeit ungelösten Frage in Aussicht gestellt. Die breit angelegte Theaterreform schrumpfte nach Jahren des Zuwartens und Aussitzens aber zu einem Reförmchen. Eines der Vorhaben war: Neben dem Burgtheater und der Josefstadt braucht es in Wien kein drittes Repertoiretheater – dafür ein Koproduktionshaus, wie es mit dem Brut im Künstlerhaus geschaffen wurde. Für größere Produktionen viel zu klein dimensioniert, strahlte die Off-Bühne allerdings selten über sich hinaus.

    Kein Zufall, dass sich die gelernte Theaterfrau Kaup-Hasler in ihren Antrittsinterviews eine gut ausgestattete, größere Bühne wünschte: Die gepriesene belgische Performing-Arts-Szene habe nur deswegen so groß werden können, weil sie über entsprechende Räume verfügte.

    Mit dem neuen Festwochen-Intendanten hat Kaup-Hasler schon einmal einen Akteur der belgischen Szene nach Wien geholt. Jetzt kann sie über neue Räume für neue Theaterformen nachdenken. Das Volkstheater böte sich an. (Stephan Hilpold, 27.6.2018)

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