Lernen, wie man energieeffiziente Geräte verkauft

    Reportage2. Juli 2018, 09:25
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    Lehrlinge im Elektrofachhandel werden für Energieeffizienz sensibilisiert. Wissen ist bereits vorhanden, die Übertragung ins Private noch ausbaufähig.

    Wie viel Energie kann durch einen Wäschetrockner der Kategorie A+++ im Vergleich zu einem Gerät mit dem Energielabel B eingespart werden? Die Antwort darauf wissen die zwanzig Teilnehmer der Lehrlingsschulung "Lehrlinge als Effizienz-Multiplikatoren". Wäschetrockner gehören zu den Stromfressern im Haus. Im Vergleich zu einem B-Gerät brauchen Geräte der Kategorie A+++ rund 70 Prozent weniger Energie.

    Seit 2017 veranstaltet die Energieagentur im Auftrag des Klima- und Energiefonds in ganz Österreich diese interaktiven Workshops für Lehrlinge im Elektrofachhandel. Denn im direkten Kontakt mit den Kunden können diese durch gute Beratung vom Kauf energieeffizienterer Produkte überzeugt werden. Und bereits im Theorieteil, in dem detailliertes Wissen zu den unterschiedlichen Energielabels, zum Stromverbrauch gängiger Haushaltsgeräte, aber auch allgemeine Energiespartipps vermittelt wurden, zeigte sich, dass den Lehrlingen schon einiges bekannt ist.

    Zuhause Energie sparen

    Im privaten Umfeld ist Energiesparen aber kein so großes Thema, wie Erhan, im zweiten Jahr der Lehre zum Einzelhandelskaufmann mit Schwerpunkt Elektro- und Elektronikberatung, zugibt. "Mein Stromverbrauch ist aber niedrig, weil ich viel draußen bin und meine Geräte abschalte." Bei Weißwaren, also Haushaltsgroßgeräten, mache es schon Sinn, genauer zu schauen, sagt er. Aber eine durchschnittliche Energieklasse sei für ihn auch gut. Derzeit wohnt Erhan noch bei seinen Eltern, in seiner ersten eigenen Wohnung würde er am ehesten auf eine Waschmaschine verzichten und stattdessen in einen Waschsalon gehen. Und er ist überzeugt, dass die Hersteller bei der Energieeffizienz noch mehr tun könnten.

    Beim nachfolgenden Quiz konnten die Teilnehmer nicht nur ihr Wissen zu Energieverbrauch und Effizienzsteigerung im Wettbewerb testen, sondern mussten auch allgemeine Fragen zum Thema Umwelt- und Klimaschutz beantworten. Neben der richtigen Antwort war auch die Zeit ein Entscheidungsfaktor. Und obwohl die Themen Umweltschutz und Stromverbrauch bei Anna zu Hause sehr ernst genommen werden, war sie beim Quiz nicht im Spitzenfeld.

    Mülltrennen

    Anna ist ebenfalls im zweiten Jahr der Lehre zur Einzelhandelskauffrau, aber mit dem Schwerpunkt Telekommunikation, was beim Quiz ein möglicher Startnachteil war, wie sie vermutet. Denn bei ihnen zu Hause werde sehr genau auf die jährliche Stromabrechnung geschaut und versucht, Energie zu sparen. So werde überall das Licht abgeschaltet, die Waschmaschine und der Geschirrspüler würden erst eingeschaltet, wenn sie richtig gefüllt sind. Auch beim Kauf von neuen Elektrogeräten werde auf das Energielabel geachtet. "Müll richtig trennen und kein Essen wegschmeißen sind für uns eine Selbstverständlichkeit", sagt sie.

    "Beim Mülltrennen bin ich ein fauler Hund", gibt Mario, Lehrling im Einzelhandel mit Schwerpunkt Unterhaltungselektronik, zu. Auch allgemein ist Umweltschutz für ihn kein großes Thema. Er sieht andere in der Pflicht. "Auf Autofahrten könnte in der Stadt häufiger verzichtet werden." Er selbst ist Öffi-Fahrer. In puncto Energiesparen achtet er vor allem darauf, dass die Geräte und das Licht in seiner Wohnung nur eingeschaltet werden, wenn sie gebraucht werden. Beim Quiz war er der Sieger. Für die meisten richtigen Antworten in der kürzesten Zeit gab es einen wasserfesten Solarlautsprecher.

    Bisher nahmen rund 200 Lehrlinge aus dem Einzelhandel an den Workshops der Energieagentur teil. Neben dem Theorieblock und dem interaktiven Quiz gehört auch ein eLearning-Tool zu Kühlgeräten & Beleuchtung und Energiesparen im eigenen Haushalt zu den Inhalten. "Die Rückmeldungen der Teilnehmer sind durchwegs positiv", sagt Projektleiterin Kerstin Schilcher von der Energieagentur. Die Workshops sollen weiter angeboten werden, gleichzeitig arbeite man aber auch an einer "Roadmap" mit den wichtigsten Voraussetzungen, um eine möglichst breite Streuung der eingesetzten Materialien zu erzielen.

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      foto: urban
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