Archäologie macht Schule: Ein Tag in der Hallstattzeit

Blog21. Juni 2018, 08:00
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Woher kommt das Salz? Warum gerade hier? Wie wurde es abgebaut, und wie funktioniert das heute? Unterricht einmal anders – und warum auch die Forschung davon profitiert

Schon immer bemüht sich die Hallstattforschung um Vermittlung auf möglichst vielen Ebenen. Die Programme der Reihe "Hallstatt 7000" werden seit einigen Jahren in Kooperation mit den Salzwelten angeboten. Ein Teil davon ist "Ein Tag in der Hallstattzeit", das Programm richtet sich speziell an Schülerinnen und Schüler. Dabei können die Acht- bis Vierzehnjährigen im Klassenverband Archäologie und Urgeschichte erleben.

Besonderes Augenmerk liegt dabei darauf, den Schülerinnen und Schülern die Themen greif- und erlebbar zu machen. Woher kommt das Salz? Warum gerade hier? Wie wurde es abgebaut, und wie funktioniert das heute? Dies sind die ersten Fragen, die beim ersten unverstellten Blick über das Hochtal behandelt werden. So bekommen die Schülerinnen und Schüler einen Überblick über die 7.000-jährige Geschichte der Salzproduktion in dieser Umgebung und ein Verständnis für die Landschaft. Die weiteren Punkte des Programms können die Lehrerinnen und Lehrer in Absprache auch selbst festlegen, kombinieren und gewünschte Schwerpunkte setzen.

Wie Produktion funktioniert

An der Alten Schmiede, unserer Außenstelle des Naturhistorischen Museums, angekommen, gibt es mithilfe von Funden und Rekonstruktionen eine kurze Einführung in urgeschichtliches Handwerk und Werkzeug, dann wird bereits selbst Hand angelegt. Beim Brotbacken und Seiledrehen werden Produktionszyklen vom Rohmaterial zum fertigen Produkt anschaulich vermittelt und selbst erlebt. Dabei können auch für die heutige Zeit wichtige Themen wie Ressourcenmanagement behandelt werden. Das Gefühl und die Aufmerksamkeit dafür, wo alltägliche Dinge ihren Ursprung haben und wie sie hergestellt werden, soll damit geschult werden. Vor allem das händische Mahlen von Korn zu Mehl ruft meist reges Erstaunen hervor, wie viel Arbeit doch hinter einem so kleinen Stück Brot steckte. Die war es jedoch wert, wenn das selbstgebackene Stück aus dem Lehmofen kommt und verspeist werden kann.

Die Lindenbastseile, die die Kinder in kleinem Maßstab rekonstruieren, sind auch ein gutes Beispiel für vernachlässigte archäologische Fundgruppen. Da sich diese unter den wenigsten Bedingungen erhalten, könnte man auf den ersten Blick beinahe davon ausgehen, sie seien kaum verwendet worden. Ein Punkt, dem die Fundlage im Salz deutlich widerspricht. Hier finden wir jährlich zig Bindematerialien, von einzelnen geknoteten Baststreifen über dünne Schnüre bis hin zu dem Sensationsfund des meterlangen, vier Zentimeter dicken Seiles im Christian-von-Tusch-Werk.

Leben und Arbeit im Berg

Natürlich darf auch die Besichtigung des Bergwerks nicht fehlen. Dort kann in einem dieses Jahr neu gestalteten Vermittlungs- und Praxisraum ein Überblick über den prähistorischen Bergbau Hallstatts, die Techniken, Arbeitsweisen und die archäologischen Arbeiten im Salzberg gegeben werden. Unterschiedlichste Visualisierungen helfen uns dabei, das komplexe Stollensystem und die Vorgänge im Berg begreiflich zu machen. Anhand der gezeichneten Lebensbilder und originalgetreuer Nachbauten der prähistorischen Werkzeuge werden die urgeschichtlichen Arbeitsvorgänge und die Unterschiede zwischen bronze- und eisenzeitlichem Bergbau erläutert. Außerdem können die Schülerinnen und Schüler damit selbst in die Lebens- und Arbeitswelt der Bergleute eintauchen, indem sie mit dem Pickel Salz brechen, es in Tragsäcke und auf Transporttücher füllen.

Nachdem der Arbeitsablauf klar und die Brücke in die Lebenswelt der Bronzezeit gebaut ist, besuchen die Kinder die archäologische Fundstelle Christian-von-Tusch-Werk, in der die Hallstattforschung nun seit über 20 Jahren tätig ist. Dort können sie alle vorher beschriebenen Fundgruppen zu einem großen Teil noch in situ (am Fundort) betrachten und die laufenden Ausgrabungen sehen.

Weiter geht's Richtung Bronzezeitkino in den Salzwelten – aber auf dem Weg dorthin wird auch gezeigt, wie der Betrieb heute mit modernsten Techniken Salz aus dem Berg holt. Wir schlagen den Bogen von der Steinzeit bis heute – 7.000 Jahre Salz.

Die nächste Generation

Die praxisorientierte Vermittlung hat nicht nur für die Kinder den Vorteil, dass das Erfahrene leichter zu merken ist, von der nachhaltigen Vermittlung profitiert auch die Forschung. Durch die Thematisierung der benötigten Ressourcen und deren Verfügbarkeit in der Umgebung kann ein Verständnis für Kulturräume geschaffen werden. Und durch die Wahrnehmung und das Erleben der Kulturlandschaft mit ihren Elementen kann diese besser erhalten und geschützt werden. Vor allem das Salzkammergut, das jahrtausendelang von einer einzelnen Industrie geprägt wurde, ist ein Paradebeispiel für die Entwicklung von Kulturlandschaften.

Auch Verständnis zu schaffen für die archäologische Arbeit ist essenziell für hochstehende Forschung. Dadurch wird erst die wichtige Zusammenarbeit mit der Bevölkerung möglich und ist in der nächsten Generation gewährleistet. (Fiona Poppenwimmer, Hans Reschreiter, 21.6.2018)

Fiona Poppenwimmer ist Studentin der Urgeschichte und Historischen Archäologie und seit mehreren Jahren Mitarbeiterin der Hallstatt-Forschung. Besonders beteiligt war sie an Bearbeitung, Dokumentation und Wiederaufbau der bronzezeitlichen Holzstiege aus dem Salzbergwerk Hallstatt. Seit Anfang des Jahres ist sie auch für die Redaktion des Stiegenblogs zuständig.

Hans Reschreiter ist Archäologe und arbeitet in der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien. Er leitet die archäologischen Ausgrabungen im Salzbergwerk von Hallstatt. Seine Forschungsschwerpunkte sind prähistorische Salzproduktion, prähistorisches Handwerk, experimentelle Archäologie und Ethnoarchäologie.

Zum Thema im Archäologieblog

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