Die Hälften zweier Sofas, die Menschen zusammenbringen sollen

    20. Juni 2018, 14:15
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    Seit Mittwoch kann man im Wiener Museumsquartier auf den "Peace Sofas" Platz nehmen und Gespräche über heikle Themen verfolgen

    Wien – Sunaria Ajellou ist aus dem Iran geflohen. Seit rund 20 Jahren lebt sie in Wien und ist mittlerweile österreichische Staatsbürgerin. Ajellou hat ihr Leben der Flüchtlingshilfe gewidmet. Sie arbeitet beim Samariterbund und unterstützt unbegleitete minderjährige Buben. Andreas Tolman ist halb Österreicher und halb Amerikaner. Er ist in den USA aufgewachsen und zog später nach Österreich, um sein Studium abzuschließen. In Wien studiert er Politikwissenschaft.

    doug burnett

    So unterschiedlich die Leben der beiden sind, so ist es auch ihre Einstellung zum Thema Flucht. Während Tolman die Flüchtlingskrise beunruhigt und er der Meinung ist, dass nicht alle Flüchtlinge aufgenommen werden sollten, setzt sich Ajellou für die Integration der Zugewanderten ein. Es sind konträre Standpunkte wie jene der beiden, die im Zuge des Projekts "Peace Sofas" diskutiert wurden. Dafür ließen die Diskussionspartner erst ihre Möbel in der Hälfte auseinanderschneiden und dann mit den Hälften anderer kombinieren. Ihre Gespräche zu den Themen Flüchtlinge, Abtreibung, Feminismus und Obdachlosigkeit wurden aufgezeichnet.

    Gespräche in der Öffentlichkeit

    Seit Mittwoch kann man auf den neu zusammengeschusterten Sofas im Wiener Museumsquartier Platz nehmen und sich die Gespräche über Lautsprecher in den Möbeln anhören.

    "Wir haben mit vielen verschiedenen Methoden unsere Gesprächspartner ausgewählt", erzählt Doug Burnett, der für die Kunstinstallation verantwortlich ist. So habe man nicht nur online und auf der Straße nach Leuten gesucht, die dem Profil entsprechen könnten, sondern etwa auch in Kirchengruppen.

    Spannungen reduzieren

    Nach der Flüchtlingskrise 2015 habe man Spannungen in der Gesellschaft gespürt, sagt Lukáš Zorád, Leiter des europäischen Netzwerks für Gewaltfreiheit und Dialog: "Wir wollen die Polarisierung in der Gesellschaft reduzieren."

    Das funktioniere am besten mit Gesprächen. Die Sofa-Dialoge sollen ein Anreiz dafür sein, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen. Bei Tolman und Ajellou habe das funktioniert. Ajellou verstehe nun Tolmans Angst. Wenn man noch nie mit Flüchtlingen zu tun gehabt habe, seien Unsicherheiten ganz natürlich, meint sie.

    foto: ennd/peace sofas
    Sunaria Ajellou und Andreas Tolman sind eines von vier Paaren, die über umstrittene Themen diskutieren. Ihr Gespräch über Flüchtlinge kann man im Museumsquartier nachhören.

    Er hingegen habe akzeptiert, dass nicht alle Flüchtlinge "böse" sind. "Viele sind gute Menschen, die wir nur integrieren müssen", sagt Tolman. "Nachdem er mich getroffen hat, hat er seine Meinung geändert", sagt Ajellou lachend. (Oona Kroisleitner, 20.6.2018)

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