Österreich bei Arbeitsstunden EU-weit vorn

20. Juni 2018, 06:00
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Bei der täglichen Höchstarbeitszeit aber liegt die Republik unter dem Durchschnitt. Dafür haben die Österreicher vergleichsweise mehr Urlaub

Wien – In der Debatte über eine Erhöhung der täglichen Höchstarbeitszeit zeigt man gern ins Ausland: Österreich hinke bei der Flexibilität anderen Ländern hinterher, heißt es beispielsweise von der Wirtschaftskammer (WKO). Aber wie steht Österreich bei der Arbeitszeit im EU-Vergleich tatsächlich da?

Grundsätzlich steckt den rechtlichen Rahmen in der EU eine Richtlinie ab, welche die durchschnittliche Wochenarbeitszeit innerhalb von vier Monaten auf 48 Stunden begrenzt. Auch Ruhezeiten von durchgängig mindestens elf Stunden müssen eingehalten werden.

Daneben werden die Arbeitszeiten auch von den jeweiligen Kollektivverträgen definiert. Bei diesen war Österreich mit 38,8 Wochenstunden leicht über dem EU-Schnitt von 38, wie eine Untersuchung der EU-Agentur Eurofound aus dem Jahr 2016 zeigt. Spitzenreiter sind hier unter anderem Griechenland und Kroatien mit jeweils 40 Wochenstunden, Schlusslicht ist Frankreich mit 35,6 Wochenstunden.

Allerdings sagen diese Regelungen mitunter wenig über die tatsächliche Arbeitszeit aus, diese liegt meist deutlich darüber: Laut Eurostat-Daten lag sie in der EU bei durchschnittlich 40,3 Wochenstunden, Österreich liegt mit 41,3 Stunden im Spitzenfeld auf Rang drei. Ganz vorn liegt das Vereinigte Königreich mit 42,3 geleisteten Wochenstunden, das Schlusslicht macht Dänemark mit 37,8 Stunden. Laut WKO müssen in den Vergleich aber auch die Urlaubs- und Feiertage einbezogen werden, die in Österreich über dem EU-Schnitt liegen. Damit verringere sich die tatsächliche Wochenarbeitszeit.

Auch die Tageshöchstarbeitszeit wird gern verglichen: Diese liegt in Österreich derzeit unter dem EU-Schnitt bei zehn Stunden, in Großbritannien, Irland, Schweden und Dänemark bei 13 Stunden. In den beiden letztgenannten Ländern gibt es aber keine expliziten Höchstgrenzen.

Ein kleiner Länderüberblick:

  • Schweden

Schon Anfang des Jahrtausends führte eine Toyota-Werkstatt in Göteborg den Sechsstundentag für ihre Mitarbeiter ein. Daraufhin fanden auch Versuche in Krankenhäusern und Altersheimen statt. Den Mitarbeitern soll es durch die verkürzte Arbeitszeit besser gehen. Allerdings führten die Projekte auch zu deutlichen Mehrkosten, weshalb viele davon bald wieder eingestellt wurden.

  • Finnland

In fast keinem anderen europäischen Land arbeiten Bewohner weniger als die Finnen. Auf rund 39 Wochenstunden kommen die Einwohner laut Eurofound. Allerdings leidet darunter nicht zwangsweise die Produktivität, was Zahlen zum BIP pro Kopf zeigen. Flexible Arbeitszeiten sind in dem Land weitverbreitet: 80 Prozent der Unternehmen bieten Modelle wie Arbeitszeitkonten an.

  • Deutschland

In Deutschland liegt die tägliche Höchstarbeitszeit wie in Österreich bei zehn Stunden. Im Vergleich arbeiten die Deutschen aber ungefähr eine Stunde weniger pro Woche. Die Arbeitszeiten sind in dem Land liberaler, die Stellung des Betriebsrats ist aber auch stärker ausgebaut. Laut Agenda Austria könnten die Arbeitszeitkonten als Vorbild dienen, bei denen Zeit "angespart" werden kann.

  • Großbritannien

Im Vergleich zu Skandinavien steht das Vereinigte Königreich auf der anderen Seite der Arbeitsskala: Die Briten arbeiten mit 42,3 Stunden pro Woche mehr als alle anderen EU-Bürger. Arbeitszeiten sind in den vergangenen Jahren zwar flexibler geworden, trotzdem geben laut einer Umfrage etwa zwei Drittel der Briten an, mehr zu arbeiten als noch vor zwei Jahren, ohne dass die Produktivität stieg. (Jakob Pallinger, 20.6.2018)

  • In Deutschland liegt die tägliche Höchstarbeitszeit wie in Österreich aktuell bei zehn Stunden. Im Bild eine Fabrik in Wolfsburg.
    foto: reuters

    In Deutschland liegt die tägliche Höchstarbeitszeit wie in Österreich aktuell bei zehn Stunden. Im Bild eine Fabrik in Wolfsburg.

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