Ratgeber gegen die Schlaflosigkeit

    20. Juni 2018, 09:00
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    Hellwach im Bett liegen, ist ein quälender Zustand. Vier Ratgeber für alle, die in der Nacht wieder Ruhe finden wollen

    Schlafen als Performance

    Reine Leistungssteigerung – darum dreht sich alles in Nick Littlehales' Buch Sleep – Schlafen wie die Profis. Im entscheidenden Moment optimal performen, das gelingt durch größtmögliche Erholung. Der Schlafcoach berät in seinem Job Spitzenmanager und Weltklassesportler, etwa in den Hotelzimmern der Tour de France oder Fußballer bei internationalen Turnieren. Diesen "Performern", wie er sie nennt, hilft er dabei, ihre Gewohnheiten zu analysieren, nötige Schlafprodukte (die richtige Matratze) zu organisieren und Schlafphasen zu planen.

    Littlehales denkt dabei nicht in Stunden pro Nacht, sondern in Schlafzyklen pro Woche. Denn die ideale Nacht sieht so aus: abwechselnd Leicht-, Tief- und REM-Schlaf in einer Reihe von Zyklen, was sich am Ende wie ungestörtes Durchschlafen anfühlt. Drei Nächte in Folge mit weniger als fünf Zyklen sollten vermieden werden, mindestens vier Nächte pro Woche ideal verlaufen. Er rät: In einem Tagebuch die schon gesammelten Zyklen notieren.

    Wer den Schlaf auf eigene Faust verbessern will, sollte es lieber lassen, so der Autor, denn was instinktiv richtig erscheint (ein kurzes Nickerchen oder länger liegen bleiben), ist nämlich oft besonders kontraproduktiv.

    foto: knaus
    Nick Littlehales, "Sleep – Schlafen wie die Profis". € 16,50 / 240 Seiten. Knaus 2018

    Mit Checklisten zur Ruhe

    Unruhe ist vielen Schlaflosen gemeinsam. Dieser Zustand kann durch innere und äußere Faktoren bestimmt werden, und unter Umständen ist es auch so, dass es viele unterschiedliche Formen von Schlafstörungen gibt.

    Das macht die Aufgabe für einen Rat geber zum Thema nicht einfacher. Verena Roth und Christiane Pithans Hilfe bei Schlafstörungen wurde mit langjähriger Erfahrung aus der Praxis geschrieben. Nach einer grundlegenden Erläuterung zum Phänomen Schlaflosigkeit bauen die Autorinnen eine Brücke zum individuellen Leser. Das Buch enthält eine ganze Reihe von Checklisten und Fragebögen, die helfen sollen, aus allgemeinem Wissen persönliche Handlungsanleitung für den Alltag ableiten zu können. Das funktioniert mit hilfe einer Art Schlaftagebuch.

    Dann geht es aber auch darum, die vielen Schlaftipps aus dem weiten Bereich der integrativen Medizin im eigenen Tagesablauf umzusetzen. Dazu gehören pflanzliche Mittel mit beruhigender Wirkung wie etwa Lavendel genauso wie Entspannungsübungen vor dem Zubettgehen. Auch der Er nährung ist ein eigenes Kapitel gewidmet, das in seiner Allgemeingültigkeit und mit fünf konkreten Rezepten allerdings fast ein wenig belanglos wirkt.

    foto: knaur
    V.Roth/ C. Pithan: "Hilfe bei Schlafstörungen", € 13,40, 96 Seiten, Knaur Menssana 2018

    Die Ärztin fürs Einschlafen

    Haufenweise Infos, Tipps und Fakten rund um Schlaf im Allgemeinen hat die deutsche Fernsehmedizinerin Franziska Rubin in ihrem Buch Meine sanfte Medizin für einen guten Schlaf gesammelt, darunter auch kuriose Fun-Facts zum Thema oder Schlafgeschichten aus der Tierwelt.

    Kunterbunt und teilweise strukturlos wirkt das Buch rein optisch. Zahlreiche Informationsboxen illustrieren das Geschriebene mehr oder weniger sinnvoll. Dazu kommt: Die Autorin selbst steht hier im Mittelpunkt – alle paar Seiten sind Fotos von ihr in verschiedenen Posen und bei diversen Tätigkeiten zu sehen. Inhaltlich ist alles dabei, was einem zum Thema Schlafen so in den Sinn kommen könnte – von Träumen bis zu richtigem Essen und eben auch Schlafstörungen.

    Die Medizin an sich kommt im Buch tatsächlich zu kurz. Zwischendrin werden pflanzliche Arzneien vorgestellt und Yogaübungen erklärt. Ein ganzes Kapitel ist diversen Wasseranwendungen gewidmet – hier geht es um Waschungen, Waden wickel und Wechselschenkelgüsse. Auch Fragwürdiges wird empfohlen, etwa homöopathische Mittel oder Baldrian und Hopfen – für beide ist eine Wirkung für besseren Schlaf keineswegs belegt.

    foto: zs-verlag
    Franziska Rubin: "Meine sanfte Medizin für einen guten Schlaf". € 23,60. 192 Seiten, ZS Verlag 2018

    Auf die sanfte Tour

    Es gibt viele Arten, mit dem Problem der Schlaflosigkeit umzugehen. Eine davon ist es, Stress während des Tages zu reduzieren. Komplett unintellektuell und mit vielen indischen Yogaritualen geht Nadja Schäfholz-Wetter an die Sache heran. Sie setzt nicht auf die Wissens vermittlung, sondern zielt auf das reine Gefühl all jener ab, die sich mit dem Abschalten schwertun. Das spiegelt sich auch im Aufbau dieses Buches, das weniger auf Text und mehr auf Übungsanleitungen basiert.

    Wer nach einer schlaflosen Nacht abgespannt ist, kann sich durch einfache Gymnastikübungen aktivieren. Wer angespannt ist, sollte es doch einmal mit Meditation probieren. Das geht auch im Gehen. Zum Teil liest sich das von der Stimmung her ziemlich esoterisch, im Grunde genommen geht es jedoch um ein Leben nach den menschlichen Basisbedürfnissen. Wer tagsüber achtsam mit sich ist, ist sich auch in der Nacht nicht ausgeliefert, so könnte die Theorie hinter diesem Bändchen sein. Abgesehen von der Lebenseinstellung gibt es praktische Tipps zu Einschlafritualen mit Kopfmassagebürsten oder dem Auflegen einer CD mit Meeresrauschen oder der Technik der progressiven Muskelentspannung. Probieren geht über studieren. (Karin Pollack, Bernadette Redl, 20.6.2018)

    foto: blv
    Nadja Schäfholz-Wetter: Sanfte Schlaf-gut Rituale", € 18,50, 127 Seiten, BLV Verlag 2018
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