Neue Strafzölle: China wirft USA Erpressung vor

19. Juni 2018, 11:23
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Donald Trump will die Hälfte aller chinesischen Einfuhren mit Strafen belegen. Peking will dann Vergeltung üben

Washington/Peking – Nach neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump bewegen sich China und die USA auf einen handfesten Handelskrieg zu. Peking kündigte am Dienstag Vergeltung an, kurz nachdem das Weiße Haus die Prüfung von weiteren Zöllen in Höhe von zehn Prozent auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar (172 Milliarden Euro) in Auftrag gegeben hatte.

Trump wies seinen Handelsbeauftragten Robert Lighthizer am Montagabend an, entsprechende Produkte zu bestimmen. Das Weiße Haus beschrieb den Schritt als Vergeltungsmaßnahme. Die neuen Zölle von zehn Prozent sollen in Kraft treten, wenn die chinesische Regierung ihre Vorgehensweise nicht ändern und wie angekündigt mit ihren Zöllen Ernst macht.

China reagierte verärgert auf die neue Zolldrohung und kündigte Gegenwehr an. "Die Vereinigten Staaten initiieren einen Handelskrieg und verletzen die Gesetze des Marktes", sagte ein Sprecher des Handelsministeriums, der das Vorgehen der USA Erpressung nannte. Verhalte sich das Weiße Haus weiterhin "irrational", würden "entschlossene Gegenmaßnahmen folgen". Das Außenministerium erklärte gemäßigter, die USA sollten ihre schädlichen Worte und Taten unterlassen. China wolle keinen Handelskrieg, habe aber auch keine Angst davor und werde seine legitimen Rechte verteidigen.

Technologieprodukte als Ziel

Der Handelskonflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt schaukelt sich damit weiter hoch. Trump hat erst am Freitag Strafzölle von 25 Prozent auf 1.102 Produkte aus China im Wert von 50 Milliarden Dollar (42,7 Milliarden Euro) verhängt. Sie zielen vor allem auf Technologieprodukte und sollen vom 6. Juli an erhoben werden. China kündigte umgehend Vergeltungszölle auf US-Waren im Wert von ebenfalls 50 Milliarden Dollar an. Auch sie sollen ab dem 6. Juli gelten.

Trump erklärte am Montag, er habe eine ausgezeichnete Beziehung zum chinesischen Präsidenten Xi Jinping und werde in vielen Fragen weiter mit ihm zusammenarbeiten. "Aber die Vereinigten Staaten lassen sich beim Handel nicht länger von China und anderen Ländern auf der Welt ausnutzen", fügte er hinzu.

Ernsthafte Konsequenzen befürchtet

Trump will das Handelsdefizit der USA mit China deutlich reduzieren. Im vergangenen Jahr exportierte China deutlich mehr Waren in die USA, als es selbst von dort importierte, der Überschuss betrug 375 Milliarden Dollar (303,3 Milliarden Euro).

Experten befürchten ernsthafte Konsequenzen für die Weltwirtschaft, sollte sich die Spirale gegenseitiger Handelsbarrieren weiter drehen. Trump hatte zuvor die EU-Länder sowie Kanada und Mexiko mit Strafzöllen auf Stahl und Aluminium belegt.

Am Montag belastete der Handelskonflikt die Börsen erneut, die Anleger blieben wie bereits am Freitag unsicher. Der New Yorker Leitindex Dow Jones Industrial büßte ein, sein Tagestief hatte er direkt nach dem Handelsstart. Auch Europas Börsen verzeichneten am Dienstagvormittag Verluste.

Ausnahme von Zöllen möglich

Während einer Frist können sich US-Unternehmen um Ausnahmen von den Strafzöllen gegen China bewerben. Apple kann einem Medienbericht zufolge auf so eine Ausnahmeregelung hoffen. Trump habe Konzernchef Tim Cook zugesagt, dass er keine Zölle auf in China hergestellte iPhones erheben werde, schrieb die "New York Times" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. (APA, red, 19.6.2018)

  • US-Präsident Donald Trump droht China mit weiteren Strafzöllen im Wert von 200 Milliarden Dollar.
    foto: reuters/leah millis

    US-Präsident Donald Trump droht China mit weiteren Strafzöllen im Wert von 200 Milliarden Dollar.

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